ESA verkürzt Prognose-Horizont auf 100 Jahre
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Kessler-Effekt droht: ESA warnt vor unkontrollierbarer Kettenreaktion im Erdorbit
Von: Tanja Banner
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Der Erdorbit füllt sich schneller als je zuvor – und eine Kettenreaktion könnte ihn bald für alle unbrauchbar machen, warnt die ESA.
Paris – Die Europäische Weltraumorganisation ESA schlägt Alarm: Die Belastung der Erdumlaufbahn durch Weltraumaktivitäten hat sich innerhalb eines Jahres um eine ganze Größenordnung verschlechtert. Der sogenannte Space Environment Health Index – ein Indikator für die Gesundheit des Orbits – ist von etwa vier auf 50 gesprungen. Das geht aus dem gerade erst veröffentlichten ESA Space Environment Report 2026 hervor.
Der große Sprung des Index bedeutet, dass die bereits zuvor nicht nachhaltigen Weltraumaktivitäten sich noch einmal deutlich verschlechtert haben. Die Zahlen sind dramatisch: 2025 fanden mehr als 300 Raketenstarts statt, mehr als 4000 neue Satelliten wurden in den Orbit gebracht. Gleichzeitig kehren im Durchschnitt täglich mehr als drei intakte Satelliten oder Raketenstufen zur Erde zurück – während zehn neue Nutzlasten täglich gestartet werden. Auch die Zahl der Trümmerteile im Erdorbit wächst schneller als je zuvor.
ESA-Prognose zeigt mehr Weltraumschrott-Teile im Erdorbit
Besonders besorgniserregend: Die ESA musste ihre Prognosen anpassen. Der Zeithorizont wurde von 200 auf 100 Jahre verkürzt – und zeigt dennoch deutlich höhere Trümmerzahlen als im Vorjahr. „Die erwartete Anzahl von Objekten und Kollisionen im erdnahen Orbit schießt in einem unkontrollierten Effekt in die Höhe“, warnt die ESA.
Der Grund für die Eskalation: der sogenannte Kessler-Effekt. Dabei handelt es sich um eine Kettenreaktion, bei der Kollisionen im All immer mehr Trümmer erzeugen, die wiederum weitere Kollisionen auslösen. „Selbst wenn keine neuen Satelliten gestartet würden, würde die Trümmerpopulation weiter wachsen, weil Fragmentierungsereignisse schneller Trümmer erzeugen, als diese natürlich in die Atmosphäre eintreten können“, erklärt die ESA auf ihrer Website und schreibt weiter: „Im Laufe der Zeit könnte dies dazu führen, dass einige Umlaufbahnregionen zunehmend unsicher und möglicherweise unbrauchbar werden.“
Kommerzielle Satellitenkonstellationen nehmen immer weiter zu
Als Haupttreiber der Entwicklung identifiziert die ESA kommerzielle Satellitenkonstellationen, deren „Anzahl und Ausmaß“ jedes Jahr weiter zunehmen. Die Raumfahrtorganisation nennt keine konkreten Namen – gemeint ist hier aber unter anderem das „Starlink“-Netzwerk von SpaceX, das mittlerweile aus mehr als 11.000 aktiven Satelliten besteht.
Große Konstellationen und die zunehmende Nutzung von geteilten Raketenstarts führten dazu, dass pro Start mehr Satelliten ausgesetzt würden, während Einzelstarts seltener werden. Zudem veränderten die Konstellationen zunehmend ihre Flughöhe: „Satelliten bleiben nicht mehr notwendigerweise in denselben Orbitalbändern“, warnt die ESA. Dies erschwere die Koordination des Weltraumverkehrs zusätzlich.
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Auch auf der Erde gibt es ein Risiko durch herabfallende Trümmer
Erstmals erfasst der Bericht auch das Risiko für Menschen am Boden durch herabfallende Trümmerteile. Zwar bleibt die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung im Vergleich zu alltäglichen Risiken gering, doch der Aufwärtstrend sei messbar und spiegele die Zunahme von Starts, Satelliten und Wiedereintritten wider, heißt es.