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Eskalation mit NATO noch im Winter möglich

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„Haben noch zwei Monate“ – Experte warnt vor Putin: Eskalation mit der NATO noch diesen Winter möglich

Von: Bedrettin Bölükbasi

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Ein polnischer Sicherheitsexperte warnt vor einer Verschärfung der russischen hybriden Kriegsführung. Ein NATO-General sieht Moskau dagegen militärisch unterlegen.

Moskau – Der polnische Sicherheitsexperte Jacek Siewiera warnt vor einer deutlichen Verschärfung der russischen hybriden Kriegsführung in diesem Winter. NATO-General Alexus Grynkewich sieht dagegen keinen Grund für die Annahme, dass Russland einen großangelegten konventionellen Angriff auf Europa wagen wird. Stattdessen setze Kremlchef Wladimir Putin auf Sabotage und Einschüchterung.

Polnischer Experte: „Wir haben noch zwei Monate“

Jacek Siewiera, ehemaliger Chef des polnischen Nationalen Sicherheitsbüros, hält eine deutliche Eskalation der Spannungen zwischen Russland und der NATO in den kommenden Monaten für möglich. Im Gespräch mit „Radio ZET“ warnte er vor einer Verschärfung der hybriden Kriegsführung, deren Auswirkungen sich noch in diesem Winter zeigen könnten.

„Stehen wir am Rande einer Konfrontation? Ich glaube schon, dass ihre grundlegenden Auswirkungen noch vor uns liegen und sich in diesem Winter zeigen werden“, sagte Siewiera. Mögliche Angriffe könnten sich gezielt gegen kritische Infrastrukturen, Verwaltungseinrichtungen und zivile Objekte richten. Der Sicherheitsexperte betonte, dass er bereits vor drei Jahren auf die Notwendigkeit hingewiesen habe, sich auf einen Konflikt vorzubereiten. Nun bleibe nur noch begrenzte Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen. „Wir haben noch zwei Monate“, sagte Siewiera.

Die hybride Kriegsführung Russlands stelle aus seiner Sicht eine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit Polens und der NATO dar. Trotz seiner Warnungen sieht Siewiera den Zusammenhalt des westlichen Militärbündnisses allerdings nicht gefährdet. Debatten über einen möglichen Zerfall der Allianz bezeichnete er bei Radio ZET als Teil politischer Manöver. Eine Spaltung der NATO im Falle eines direkten Angriffs durch den Kreml hält er demnach nicht für zu erwarten.

NATO-General: Russland ist militärisch unterlegen

Eine andere Einschätzung zur Gefahr eines direkten militärischen Angriffs vertritt NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich. Im Interview mit dem Spiegel betonte der US-General, dass das westliche Militärbündnis Russland bei den konventionellen militärischen Fähigkeiten deutlich überlegen sei.

„Unsere militärischen Fähigkeiten, die wir in einem Großkonflikt zum Einsatz bringen würden, übertreffen die Moskaus bei Weitem“, sagte Grynkewich. Russland verfüge weder über moderne F-35-Kampfjets noch über eine vergleichbare Masse an modernen Zerstörern und U-Booten wie die NATO.

Der General zeigte sich deshalb überzeugt, dass Moskau keinen großangelegten konventionellen Angriff auf Europa beginnen werde. Stattdessen greife Putin „zu anderen Methoden, Sabotage zum Beispiel, weil er keine anderen Optionen hat“, sagte Grynkewich. Um Russland weiterhin abzuschrecken, müsse die NATO ihre militärischen Fähigkeiten aufrechterhalten, ihre Streitkräfte modernisieren und regelmäßig üben. Zudem müsse das Bündnis seine militärische Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.

Grynkewich: „Wir müssen die Dinge beim Namen nennen“

Auch bei der Beschreibung der russischen Aktivitäten in Europa plädierte Grynkewich für eine präzisere Sprache. Den Begriff „Schattenkrieg“ hält der Vier-Sterne-General für weniger geeignet, um die konkreten Vorfälle zu benennen. „Wir müssen die Dinge beim Namen nennen: Sabotage, Brandstiftung oder Terrorattacken sind präzise Begriffe, es gibt klare Antworten darauf. Das hybride Angriffe zu nennen, ist mir zu vage“, sagte er dem Spiegel.

Die russische Strategie ziele nach Einschätzung des Generals auch darauf ab, die Bevölkerung westlicher Staaten einzuschüchtern und die Unterstützung für die Ukraine infrage zu stellen. Putin wolle den Menschen einreden, dass Hilfe für Kiew in einen Krieg mit Russland münden könne.

„Das ist das gefährliche Spiel von Wladimir Putin. Er will unseren Bevölkerungen einreden, dass es gefährlich ist, die Ukraine zu unterstützen, dass das in einem Krieg mit Russland enden könnte“, sagte Grynkewich. Bislang verfange diese Strategie glücklicherweise nicht.

Kaliningrad: NATO sieht Russland militärisch geschwächt

Mit Blick auf die russische Exklave Kaliningrad wies Grynkewich Befürchtungen Moskaus vor einer möglichen Isolierung oder einem Angriff zurück. Russland hatte zuletzt gedroht, entsprechende Maßnahmen könnten einen Krieg auslösen. Der NATO-Oberbefehlshaber stellte klar, dass das Bündnis eine Verteidigungsallianz sei und nur reagiere, wenn es angegriffen werde. „Also muss sich Russland keine Sorgen um Kaliningrad machen“, sagte er.

Militärisch habe sich die Lage für Russland in der Region allerdings verschlechtert. Durch den Krieg in der Ukraine sei Russland in Kaliningrad geschwächt worden, während die NATO ihre Präsenz im Baltikum verstärkt habe. „Die Lage dort ist militärisch ungünstig für Russland“, sagte Grynkewich. Die NATO-Übungen an ihrer Ostflanke bezeichnete er als Routine. Zugleich achte das Bündnis darauf, dass diese nicht als Aggression missverstanden werden könnten.

Während Siewiera damit rechnet, dass sich die russische Bedrohung durch hybride Angriffe in diesem Winter deutlich verschärfen könnte, sieht Grynkewich Russland für einen großen konventionellen Angriff auf Europa militärisch nicht ausreichend aufgestellt. Beide Einschätzungen unterstreichen jedoch die Bedeutung der Abschreckung und der Vorbereitung auf weitere russische Aktivitäten. (Quellen: Focus, Radio ZET, ZDFheute, Spiegel) (bb)

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