Esther Schweins erinnert an unangenehme Szene mit Thomas Gottschalk
Ein Dokumentarfilm über Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen sorgt für Aufsehen: Schauspielerin Esther Schweins schildert darin einen Auftritt bei "Wetten, dass..?" von 1996 – und wie übergriffig sie das Verhalten von Thomas Gottschalk empfand. Der Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht" von den Regisseurinnen Eva Müller und Isabelle Schneider richtet den Blick auf das deutsche Showgeschäft der 1990er- und frühen 2000er-Jahre – und auf die Rolle, die Frauen darin spielten. Der Film feierte seine Premiere auf dem Filmfest München und kommt am 16. Juli ins Kino. Im Mittelpunkt stehen fünf Protagonistinnen: Esther Schweins, Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Hella von Sinnen. Sie alle blicken auf eine Ära zurück, in der weiblicher Humor als Quotenkiller galt und Frauen vor der Kamera häufig nur als Beiwerk dienten, wie es in der Beschreibung der Doku heißt. Szene mit Esther Schweins und Thomas Gottschalk wird heiß diskutiert Besonders eine Szene aus der Dokumentation hat in den sozialen Medien unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Esther Schweins, die durch "RTL Samstag Nacht" einem breiten Publikum bekannt wurde, spricht darin über einen Auftritt bei "Wetten, dass..?" im Jahr 1996. Ein Archivausschnitt zeigt, wie Thomas Gottschalk die Schauspielerin an der Hand zu seiner Couch geleitet, ihr wiederholt körperlich nahe rückt und ihr anzügliche Kommentare vorliest. Als ihr die Aufnahmen in der Doku vorgespielt werden, reagiert die 56-Jährige sichtlich bewegt: "Ich habe heute das Herzklopfen, das ich damals in dieser Situation hatte", sagt sie. "Mir selber dabei zuzusehen, wie ich ganz schön authentisch in die Enge getrieben war und keine Worte dafür hatte, dass es mir nicht gutging auf dem Sofa." Der Vorfall mit Schweins reiht sich in eine ganze Serie ähnlicher Momente ein. Der langjährige "Wetten, dass..?"-Moderator tätschelte etwa Schauspielerin Iris Berben das Knie und griff US-Sängerin Beyoncé ans Kleid, als deren Mikrofon verrutscht war. In der Dokumentation werden diese Szenen geballt gezeigt – und wirken aus heutiger Perspektive nur noch schwer erträglich, wie es die "Deutsche Presse-Agentur" beschreibt. In den sozialen Medien gehen die Meinungen zu der gezeigten Szene mit Schweins und Gottschalk weit auseinander. Viele Nutzer äußern sich entsetzt: "Das tut ganz schön weh, das mit anzusehen! Tut mir leid, dass sie diese Erfahrung gemacht hat. Umso wichtiger ist Eure Arbeit und dieser Film", "Man kann es auch stellvertretend sehen, was sich Frauen in jeder Lebenslage gefallen lassen mussten und leider noch heute müssen", "Mir ist gerade so schlecht, mir fehlen die Worte und ich bin froh, dass wir heute die Dinge anders sehen und wir Frauen klarstellen, dass wir so nicht mehr behandelt werden wollen", "Einfach nur abstoßend" oder "Unfassbar! Ich schäme mich", lauten einige der Kommentare. Andere hingegen verteidigen Gottschalks Verhalten: "Damals hat es keinen gestört", schreibt ein Nutzer. "Waren halt andere Zeiten. Meine Güte", "Nach Beckenbauer macht man jetzt den nächsten großen, erfolgreichen Deutschen fertig. Keine der Damen hat sich beschwert", "Oh, ja. 30 Jahre später sich empört geben" oder "Thomas Gottschalk ist Kult. Die 80er waren noch normal, nicht so verklemmt wie heute", lauten weitere Kommentare. Harald Schmidt und die Klobrille Doch nicht nur Gottschalk steht in der Dokumentation im Fokus. Auch das Verhalten von Harald Schmidt wird kritisch beleuchtet. Der Entertainer verglich Moderatorin Bettina Böttinger einst mit einer Klobrille – mit dem Kommentar, was die Zeitschrift "Emma", eine Flasche Eierlikör, eine Klobrille und Böttinger gemeinsam hätten: "Die würde kein Mann freiwillig anfassen." Als Schweins diese Szene und Böttingers verletzte Reaktion darauf sieht, kann sie ihre Tränen nicht zurückhalten und beschimpft Schmidt mit einem deftigen Ausdruck, berichtet die dpa. Empfehlungen der Redaktion Pointiert, unterhaltsam und entlarvend: Trailer zu "Was haben wir gelacht"" Tom Kaulitz würde Netflix-Szenen seines Bruders Bill am liebsten streichen Es wird unappetitlich bei Bill und Tom Im Gespräch mit dem NDR sagt Böttinger über die Geschehnisse in dem Film: "Wer den Witz hat, der hat auch ein Stück Macht – von Schmidt bis Gottschalk. Die Art und Weise, wie Männer sich gegeben haben und wie sie mit einer, doch muss man schon sagen, gar nicht witzigen Verachtung auf Frauen geblickt haben, das hat schon etwas Erschreckendes." Die Produktionsfirma sieht den Film als dringend notwendiges Zeitdokument. "Angesichts eines spürbaren gesellschaftlichen Backlashs, in dem alte Rollenbilder wieder an Boden gewinnen, wird der Kampf dieser fünf Frauen zum Statement für die Gegenwart", heißt es laut dpa. (red)