Estland: Verteidigungsminister Hanno Pevkur ist zurückgetreten
In Estland
Munitionsdeal für Ukraine setzt Verteidigungsminister unter Druck
Von dpa
03.09.2026 - 10:23 UhrLesedauer: 2 Min.
Erhebliche Mängel im Finanzmanagement und ein umstrittenes Munitionsgeschäft für die Ukraine bringen Estlands Verteidigungsministerium unter Druck. Nun zieht der Minister Konsequenzen.
Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur hat nach einem Skandal um die Beschaffung von Munition für die Ukraine seinen Rücktritt angekündigt. In einem Interview im Fernsehen erklärte der Minister, dass er die politische Verantwortung für die Versäumnisse im Finanzmanagement des estnischen Verteidigungssektors übernehme und seinen Posten räume. "Der Regierungschef muss einen neuen Verteidigungsminister finden", sagte Pevkur. Er war seit 2022 im Amt.
Parallel dazu kündigte der 49 Jahre alte Politiker der regierenden Reformpartei von Ministerpräsident Kristen Michal seinen Rückzug auch in sozialen Medien an. "Ich tue dies in dem festen Wissen, dass wir die richtigen Entscheidungen zur Stärkung der nationalen Verteidigung getroffen haben. Estland ist besser geschützt als je zuvor", schrieb er auf Facebook.
Kritik an Munitionsbeschaffung für die Ukraine
Pevkur war zuvor öffentlich in die Kritik geraten, nachdem der estnische Rechnungshof in einem Bericht zahlreiche schwerwiegende Probleme in den dem Verteidigungsministerium unterstellten Institutionen festgestellt hatte. Nach Einschätzung der Prüfer erhöhten diese Probleme das Risiko, dass staatliche Gelder und Vermögenswerte missbraucht werden. Ähnliche Probleme waren bereits ein Jahr zuvor festgestellt worden.
Dazu kam ein weiterer Skandal um die Beschaffung von Waffen für die von Russland angegriffene Ukraine. Estland hatte bei einem Versuch, Artilleriegranaten zu kaufen, insgesamt 70 Millionen Euro im Voraus an eine indische Firma gezahlt. Das Unternehmen hatte zuvor aber noch nie Geschosse verkauft. Weder Estland noch die Ukraine haben die Munition bisher erhalten – der Streit liegt nun vor Gericht.
Estland hat 1,2 Millionen Einwohner und grenzt im Osten an Russland. Dessen Krieg gegen die Ukraine wird in dem Baltenstaat als direkte Gefahr für die nationale Sicherheit gesehen. Die Regierung in Tallinn ist ein enger Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt.