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Estnischer Politiker sieht „ernste Bedrohungslage“

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„Wäre Nagel für Putins Sarg“: Estnischer Politiker sieht „ernste Bedrohungslage“ in Estland

Von: Jan-Frederik Wendt

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Der EU-Abgeordnete Riho Terras will nicht ausschließen, dass Russland die NATO bald angreift. Ein Angriff wäre für Putin fatal, meint der Estländer.

Tallinn – Der estnische EU-Abgeordnete Riho Terras hat die Bedrohungslage in Estland als „ernst“ bezeichnet. „Wir können nicht ausschließen, dass Russland militärische Mittel einsetzen wird, um politische Ziele zu erreichen. Wir müssen uns auf die gefährlichsten Szenarien vorbereiten und das tun wir in Estland“, sagte der ehemalige General des estnischen Heeres der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Estland will seine Verteidigungsausgaben auf 5,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöhen. Laut Terras konzentriert sich das Land auf die Luftverteidigung. Dies sei eine Lehre aus dem Krieg in der Ukraine.

Laut Terras hat sich die Bedrohungslage für Estland in den vergangenen 20 Jahren nicht grundlegend verändert. Russland sei für die estnische Bevölkerung immer eine Bedrohung gewesen. Nur sehe man heute immer mehr Angriffe unterhalb der Schwelle eines konventionellen Krieges.

„Natürlich könnte Russland die NATO angreifen“

Nach der kürzlichen Reise des Chefs des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, Daniel Ratcliffe, hatten westliche Analysten spekuliert, ob die USA geheime Informationen darüber hätten, dass Russland bereits im Herbst 2026 einen Angriff auf die NATO – beispielsweise in Estland – starten könnte. Terras will über die Gründe für Ratcliffes Reise nach Moskau nicht spekulieren. Es sei völlig normal, dass Geheimdienste miteinander sprechen.

„Natürlich könnte Russland uns angreifen. Aber ich bin überzeugt, dass die russische Armee keinen Erfolg haben würde“, so Terras. Russlands Streitkräfte seien aktuell nicht einmal in der Lage, die ukrainische Stadt Pokrowsk zu erobern. „Wenn Russland zurzeit die NATO angreifen würde, wäre das der Nagel für Putins Sarg“, meint der Estländer. Gleichzeitig schränkte er ein, dass Putin auch früher nicht immer logisch gehandelt habe. Daher könne Terras keinen russischen Angriff gegen die NATO ausschließen.

Es sei wichtig, dass die NATO auf einen möglichen Angriff vorbereitet ist. Es gehe nicht darum, ob der Westen selbst an die Stärke seines eigenen Verteidigungsbündnisses glaubt – sondern: ob Putin daran glaubt. Dafür müsse der Westen alles tun.

EU-Politiker: Putin ist nicht über konkrete Lage in Ukraine informiert

Problematisch ist laut Terras, dass er nicht denkt, dass Putin über die tatsächliche Lage in der Ukraine informiert sei. Doch letztlich ginge es darum nicht. Denn: „Putin kann keinen Schritt zurück machen. Ihm bleibt nur die Eskalation. Alles andere würde sein Ende bedeuten“, sagte der Europapolitiker.

Deswegen müssten die Europäische Union und die westlichen Alliierten Russland mit strengeren Sanktionen belegen. Damit Putin nicht mehr die Mittel besäße, um seinen Krieg fortzuführen. Gleichzeitig müsse die EU mit ihren Partnern versuchen, Staaten wie China und Indien zu überzeugen, dass der Krieg fatale Auswirkungen für die gesamte Welt habe.

Terras: Putins Russland könnte nach Ukraine-Krieg die NATO angreifen

Sollte der Krieg in der Ukraine pausieren oder enden, wäre Russland laut Terras „in sechs Monaten bereit, um einen neuen Krieg in Europa zu beginnen“. Allerdings glaubt der ehemalige Militär nicht, dass der Krieg in der Ukraine schnellenden wird.

Terras hält eine baldige volle Mobilmachung in Russland für unwahrscheinlich. „Eine volle Mobilmachung wäre für Putin sehr gefährlich“, sagte der 59-Jährige. Er hält eine begrenzte Mobilmachung für realistischer. Der Kreml könnte eine Mobilmachung unter anderem auf bestimmte Regionen in Russland oder auf bestimmte Altersgruppen begrenzen. Putin könnte laut Terras glauben, dass er mit dieser Maßnahme die Lücken an der Front in der Ukraine füllen könnte. „Aber ich glaube nicht, dass Putin eine Mobilmachung veranlassen wird“, sagte Terras. (Quellen: eigene Recherche/Jan-Frederik Wendt)

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