EU halbiert zollfreie Stahlimporte - und setzt gleichzeitig Versprechen an Trump um
Die Europäische Union will die Stahlindustrie schützen und verhindern, dass massenweiser günstiger Stahl importiert wird - deshalb hat sie strengere Regeln für Importe erlassen, die ab sofort gelten. So dürfen nur noch 18,3 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr zollfrei eingeführt werden, etwa halb so viel wie zuvor. Gleichzeitig hat die EU den Zoll auf Mengen, die dieses Kontingent überschreiten, auf 50 Prozent verdoppelt. Weltweit wird deutlich mehr Stahl produziert als benötigt wird. Diese Überkapazitäten liegen derzeit nach Zahlen der EU-Kommission bei 620 Millionen Tonnen, bis 2027 steigen sie demnach voraussichtlich auf 721 Millionen Tonnen. Das wäre fünfmal so viel wie die EU jährlich an Stahl verbraucht. Die massive Erhöhung der US-Einfuhrzölle auf Stahl im vergangenen Jahr hat den Druck auf den europäischen Markt weiter verstärkt. Aus welchen Ländern künftig importiert wird Die Hälfte der verfügbaren zollfreien Quote ist künftig für Stahl aus Ländern reserviert, mit denen die EU ein Freihandelsabkommen hat. Diese machen bislang bereits 80 Prozent der Stahlimporte in die EU aus. Ländern wie Großbritannien, der Türkei und der Ukraine sichert die EU ein bestimmtes Kontingent zu, wie ein EU-Beamter sagte. Die andere Hälfte der zollfreien Quote steht allen Staaten zur Verfügung. Hummer und Co. aus den USA werden günstiger Während die EU die Regeln beim Stahlimport verschärft, lockert sie die Zölle für die USA in anderen Bereichen. So dürfen Industriegüter und Hummer aus den USA ab sofort zollfrei in die EU eingeführt werden. Für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse und Meeresprodukte gelten zudem ermäßigte Zölle oder Kontingentregeln. Damit erfüllt die EU die Vereinbarungen aus dem Zolldeal mit US-Präsident Donald Trump, der einen drohenden Handelskrieg mit den USA abwendete. Die EU akzeptierte dafür aber US-Zölle in Höhe von bis zu 15 Prozent auf die meisten Warenexporte in die USA und schaffte EU-Zölle auf US-Industriegüter ab. Für den Fall, dass die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder dagegen verstoßen, sollen die Zugeständnisse der EU wieder ausgesetzt werden können. Darüber hinaus ist der 31. Dezember 2029 als festes Ablaufdatum vorgesehen. Die IG Metall hat im Juni Tausende Stahlarbeiter zur Demo aufgerufen. Dabei sind der Bund und die EU der kriselnden Branche schon weit entgegengekommen. Lesen Sie hier mehr über die Lage in der Industrie.