DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

EU plant neues Euro-Zahlungsmittel

Wirtschaft

Startseite Politik „Kontrolle über Schicksal“ zurückholen: EU plant neues Euro-Zahlungsmittel – auch wegen Trump Von: Jan-Frederik Wendt Uns auf Google folgen Die EU will sich unabhängiger von US-Bezahlsystemen machen – mit dem „digitalen Euro“. Welche Vorteile der bringen soll: Brüssel – Für US-Präsident Donald Trump ist Politik vor allem eins: ein Geschäft. Mit Blick auf europäische NATO-Verbündete sagte er 2025 gegenüber Journalisten: „Wenn sie nicht zahlen, werde ich sie nicht verteidigen.“ Im Krieg mit dem Iran kündigte Trump zwischenzeitlich an, die US-Streitkräfte würden den gesamten Schiffsverkehr absichern – und als „Hüter der Straße von Hormus“ eine Entschädigung für diese Aufgabe verlangen: eine Erstattung in Höhe des Wertes von 20 Prozent aller beförderten Fracht, schrieb er auf seiner Online-Plattform. Später gab er sich mit neuen Handelsabkommen mit Golf-Staaten zufrieden. Weil sich die USA vom Wertepartner zum Geschäftspartner entwickelt haben, dem beim Dealmaking immer mehr Mittel recht sind, arbeitet Europa am Abbau der Abhängigkeiten. Vor allem sicherheits- und verteidigungspolitisch. Nun rückt ein Bereich in den Fokus, der lange als blinder Fleck galt: Europas Abhängigkeit von US-amerikanischen Bezahlsystemen. Wegen Trump: EU will autonomer werden – auch beim Zahlen Im EU-Binnenmarkt werden jedes Jahr Milliarden Zahlungen abgewickelt. 2023 verarbeiteten Visa und Mastercard in der EU Transaktionen im Wert von rund 4,7 Billionen US-Dollar, wie Euronews berichtete. In 13 der 21 Eurostaaten liefen Kartenzahlungen ausschließlich über internationale Systeme. US-Anbieter dominierten nahezu das gesamte grenzüberschreitende Geschäft und wickelten 61 Prozent aller Kartentransaktionen im Euroraum ab. Im Extremfall wachsender Spannungen zwischen EU und USA könnte Washington bis zu 450 Millionen Europäer von internationalen Finanzstrukturen abschneiden. Erst kürzlich warnte die Europäische Zentralbank (EZB): „Wenn wir die Kontrolle über unser Geld verlieren, verlieren wir die Kontrolle über unser wirtschaftliches Schicksal. Und wir geben ein zentrales Merkmal unserer Souveränität aus der Hand.“ Ein Aussetzen der US-Bezahldienste hätte gravierende Folgen: Kartenzahlungen würden ausfallen, digitale Geldbörsen nicht mehr funktionieren und der Online-Handel wäre massiv eingeschränkt. Die Europäische Kommission hat im Juni 2023 einen Gesetzentwurf vorgelegt, um ein neues gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen, den digitalen Euro. Die Idee: Der digitale Euro würde das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Das Bargeld bliebe erhalten. Die elektronische Form von Bargeld würde direkt von der EZB und nationalen Notenbanken herausgegeben werden. Der griechische EU-Abgeordnete Nikos Papandreou von der sozialdemokratischen S&D-Fraktion fordert gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media: „Europa muss dringend seine Währungsunabhängigkeit zurückgewinnen, indem es ein starkes, zuverlässiges, nahtloses und universelles Zahlungsmittel für alle Bürger und für alle Verwendungszwecke einführt.“ Digitaler Euro soll Vorteile bieten, Bargeld soll erhalten bleiben Die Kommission will, dass der digitale Euro im gesamten Euroraum in Geschäften und bei Verkäufern genutzt werden kann, die digitale Zahlungen akzeptieren. Für Verbraucher sollten grundlegende Leistungen wie Guthaben, Senden und Empfangen kostenlos sein. Der digitale Euro würde über eine digitale Wallet (App) oder eine Karte funktionieren. Die Nutzung wäre freiwillig. Die Europäische Zentralbank würde den Wert des digitalen Euros auf dieselbe Art und Weise garantieren wie den des physischen Bargelds. Der digitale Euro wäre keine Kryptowährung und könnte on- sowie offline genutzt werden. Befürworter erhoffen sich, dass das geplante Zahlungsmittel für mehr Innovation sorgen und die Digitalisierung der europäischen Wirtschaft unterstützen könnte. Neben einer größeren Autonomie und der kostenfreien Nutzung böte der digitale Euro mehrere Vorteile: Als direktes Zentralbankgeld der EZB wäre eine hohe Sicherheit gewährleistet. Auch Menschen ohne klassisches Bankkonto könnten via Karte oder App den digitalen Euro nutzen. Der Handel könnte sich vermutlich über geringere Gebühren freuen, weil die Transaktionskosten reguliert wären. Zudem erhielten Händler das Geld sofort auf ihrem Konto und Kunden könnten aus der gesamten Eurozone nahtlos im Geschäft oder Onlineshop bezahlen. Und bei Offline-Zahlungen gäbe es einen starken Datenschutz, weil persönliche Daten und Transaktionen anonym blieben. Online-Zahlungen wären – im Gegensatz zum Bargeld – allerdings nicht vollständig anonym, wie Kritiker warnen. Staatliche Stellen könnten Transaktionen ausspähen. Gleichzeitig drohten bestimmte Personengruppen ohne Zugang zu digitalen Endgeräten oder ohne digitale Kompetenz von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden. Kritiker warnen vor Datenschutzproblemen beim digitalen Euro – EZB startet 2027 Pilotprojekt Doch nicht nur für Verbraucher bestünden Risiken. In Krisenzeiten könnten Bürger massenhaft Geld von ihren Bankkonten abziehen. Das würde den Geschäftsbanken Liquidität entziehen und die Kreditvergabe an die Wirtschaft erschweren. Daher wird über eine Obergrenze von voraussichtlich 500 bis 3000 Euro für das private Wallet-Guthaben diskutiert. Der Start des digitalen Euro ist frühestens für das Jahr 2029 geplant. In der zweiten Jahreshälfte 2027 soll ein Pilotprojekt die geplante Digitalwährung unter realen Bedingungen über zwölf Monate erproben. Die EZB hat vor wenigen Tagen mehrere Zahlungsdienstleister für die Teilnahme am Pilotprojekt ausgewählt – darunter nach Angaben der Notenbank die Deutsche Bank, die DZ Bank, die Helaba, Payone sowie die RS2 Financial Services GmbH. Die EZB will vor allem testen, ob die technische Infrastruktur stabil, sicher und für eine größere Zahl von Nutzern geeignet ist. Dass sich sogar mehr Unternehmen für die Teilnahme am Projekt beworben hatten, als später zugelassen wurden, bewertete EZB-Direktor Piero Cipollone als positives Signal: „Das starke Marktinteresse an dem Pilotprojekt zeigt die Bereitschaft des Privatsektors, sich aktiv zu beteiligen und das Projekt digitaler Euro zügig voranzutreiben.“ Der EU-Rat hatte am 19. Dezember 2025 seine Standpunkte zu den wichtigsten Vorschlägen vorgelegt, kürzlich stimmte das EU-Parlament für die Aufnahme der Verhandlungen mit dem Rat. Die erste Verhandlungsrunde wird in Kürze erwartet. Das Parlament fordert, die meisten Unternehmen zu verpflichten, den digitalen Euro zu akzeptieren – mit Ausnahmen für Selbstständige, Klein- und Kleinstunternehmen, die auch keine anderen digitalen Zahlungen annehmen. Markus Ferber (CSU), wirtschafts- und währungspolitischer Sprecher der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, befürwortet die Einführung des digitalen Euros: „In einer Welt voller geopolitischer Spannungen können wir es nicht länger hinnehmen, dass digitale Zahlungen weitgehend vom Wohlwollen einiger weniger ausländischer Anbieter abhängen“, teilte Ferber unserer Redaktion mit. Die vom Parlament geforderten Datenschutzgarantien seien notwendig, „denn der digitale Euro ist kein Überwachungsinstrument“. (Quellen: Europäisches Parlament, Europäische Kommission, Europäischer Rat, Euronews, eigene Recherche/Jan-Frederik Wendt)

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