DAX +0,48 % 26.126,30 Pkt 18:00:00 MDAX -0,26 % 32.426,33 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,15 % 6.476,98 Pkt 18:00:00 Dow Jones +2,20 % 54.349,12 Pkt 23:22:16 S&P 500 +1,62 % 7.723,55 Pkt 22:41:45 Nasdaq +1,73 % 26.363,44 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,01 % 64.969,36 Pkt 03:40:25 Gold +6,18 % 4.348,60 USD 03:45:27 Silber +3,94 % 62,42 USD 03:45:12 Brent +0,93 % 80,10 USD 03:45:28 WTI 0,00 % 75,77 USD 03:45:25 Bitcoin -0,08 % 64.550,21 USD 03:55:24 EUR/USD +0,23 % 1,15580 USD 03:54:55 EUR/GBP +0,07 % 0,85790 GBP 03:55:26 EUR/CHF -0,15 % 0,93160 CHF 03:55:26 EUR/JPY +0,17 % 182,164 JPY 03:55:27

Europa sitzt beim Handelsstreit mit China am längeren Hebel

Wirtschaft

Diese Rechnung ist riskant. Denn China hat bei einer Eskalation deutlich mehr zu verlieren, als dieses selbstbewusste Auftreten vermuten lässt. Die EU ist inzwischen ein deutlich größerer Absatzmarkt für chinesische Waren als die Vereinigten Staaten. China exportierte 2025 Güter im Wert von rund 560 Milliarden US-Dollar in die Europäische Union. Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten beliefen sich dagegen nur noch auf rund 420 Milliarden US-Dollar. Unter den wohlhabenden Industrieregionen ist Europa damit der mit Abstand wichtigste Markt für chinesische Anbieter. Das gilt besonders für jene Branchen, auf denen Chinas künftiges Wachstum beruhen soll. Elektrogeräte und elektrotechnische Ausrüstung machten 165 Milliarden Euro der Exporte in die EU aus. Maschinen steuerten weitere 106,5 Milliarden Euro bei, Fahrzeuge knapp 30 Milliarden Euro. Allein diese drei Gruppen standen damit für mehr als die Hälfte der europäischen Einfuhren aus China. Der amerikanische Markt ist für viele chinesische Unternehmen dagegen schwerer zugänglich geworden. Hohe Zölle und weitere Handelsbarrieren haben die chinesischen Exporte in die Vereinigten Staaten 2025 um 20 Prozent sinken lassen. Gleichzeitig stiegen die Ausfuhren in die Europäische Union um 8,4 Prozent. Europa wird damit zunehmend zum Ausweichmarkt für Produkte, die in den Vereinigten Staaten kaum noch konkurrenzfähig verkauft werden können. Das Problem für China besteht darin, dass der eigene Konsum mit der industriellen Produktion nicht Schritt halten kann. Die Immobilienkrise, unsichere Arbeitsmarktaussichten und eine hohe Sparneigung bremsen die Nachfrage. Unternehmen suchen deshalb Wachstum im Ausland. Ökonomen führen drei Viertel des chinesischen Exportwachstums auf heimische Faktoren wie schwachen Konsum und Überkapazitäten zurück, berichtet Reuters. Für Deutschland steht besonders viel auf dem Spiel. Zwischen Deutschland und China wurden 2025 Waren im Wert von 251,8 Milliarden Euro gehandelt. Das entspricht ungefähr einem Drittel des gesamten Warenhandels zwischen der EU und China. Kein anderes europäisches Land ist wirtschaftlich so eng mit der Volksrepublik verbunden. Die Beziehung ist allerdings längst nicht mehr ausgeglichen. Deutschland importierte 2025 chinesische Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro, exportierte aber nur noch Güter für rund 81 Milliarden Euro nach China. Damit entstand ein Handelsdefizit von fast 90 Milliarden Euro. China bleibt zwar ein wichtiger Markt für deutsche Autobauer, Maschinenbauer und Chemiekonzerne. Gleichzeitig wird es aber zu einem immer stärkeren Wettbewerber – sowohl in China als auch auf dem europäischen und globalen Markt. Das erklärt auch, warum Peking bei den Verhandlungen mit der EU auf Deutschland setzen könnte. Die chinesische Führung dürfte hoffen, dass deutsche Konzerne aus Angst vor Gegenmaßnahmen auf eine weichere europäische Linie drängen. Für europäische Verbraucher bringen günstige chinesische Waren kurzfristig Vorteile. Für die Industrie wächst jedoch die Gefahr, von staatlich unterstützten Konkurrenten verdrängt zu werden. Europa muss daher darüber entscheiden, ob man an der heimischen Produktion von Elektroautos, Batterien, Solartechnik, Maschinen und weiteren Zukunftstechnologien festhalten will oder diese Geschäftsbereiche einfach China überlässt. Brüssel ist auf eine Eskalation besser vorbereitet, als Peking möglicherweise annimmt. Die Europäische Union hat bereits Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos eingeführt. Die Kommission überwacht zudem steigende Importmengen und fallende Preise genauer. Bei nachgewiesener Schädigung europäischer Hersteller kann sie Anti-Dumping-Abgaben, Ausgleichszölle, Importquoten oder weitere Schutzmaßnahmen verhängen. China besitzt durchaus Druckmittel. Dazu gehören seine dominante Stellung bei seltenen Erden, wichtigen Vorprodukten und Teilen der Batterie- und Elektroniklieferketten. Abhängigkeit besteht in beide Richtungen. China kann Europa bei Rohstoffen und Lieferketten unter Druck setzen. Es kann seinen Unternehmen aber keinen gleichwertigen Ersatz für die Kaufkraft des europäischen Binnenmarktes bieten. Schwellenländer nehmen zwar wachsende Mengen chinesischer Produkte ab, verfügen jedoch nicht über dieselbe Zahlungsfähigkeit und können die wegbrechende Nachfrage aus den Vereinigten Staaten und Europa nur begrenzt ersetzen. Peking pokert deshalb hoch. Es setzt offenbar darauf, dass Europa gespalten bleibt und vor einem offenen Konflikt zurückschreckt. Doch je stärker chinesische Überkapazitäten europäische Arbeitsplätze und Industrien bedrohen, desto größer wird der politische Handlungsdruck. Und nach den USA nun auch noch den europäischen Absatzmarkt zu verlieren wäre fatal für die angeschlagene chinesische Wirtschaft. China könnte den Konflikt mit begrenzten Zugeständnissen entschärfen, etwa durch den Abbau von Exportvergünstigungen und einen besseren Marktzugang für deutsche und europäische Unternehmen. Beharrt Peking dagegen darauf, dass es kein Problem gibt, dürfte Brüssel seine Schutzmaßnahmen ausweiten. Dann könnte sich ausgerechnet Europas bisherige Schwäche – sein riesiges Handelsdefizit – in Verhandlungsmacht verwandeln. Denn wer besonders viel verkauft, hat bei einer Schließung des Marktes auch besonders viel zu verlieren. Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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