Evolution: Ist das Leben auf der Erde zweimal entstanden?
Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das irdische Leben vor etwa vier Milliarden Jahren aus einer abiotischen Umwelt hervorgegangen. Eine Forschungsgruppe um William Martin von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf kommt nun zu dem Schluss, dass dieser folgenreiche Übergang von der Chemie zur Biologie nicht nur einmal, sondern zweimal stattgefunden hat. Die beiden ursprünglichsten Domänen des zellulären Lebens sind die Bakterien und die Archaeen. Laut den Erkenntnissen von Martin & Co sind sie unabhängig voneinander entstanden. Beide hatten mutmaßlich einen gemeinsamen Vorfahren: ein hypothetisches zellähnliches Gebilde, das Fachleute als LUCA bezeichnen (für »last universal common ancestor«, deutsch: letzter universeller gemeinsamer Vorfahre). Der neuen Studie zufolge war LUCA selbst noch nicht vollständig lebendig – es war auf Metalle in der Umgebung angewiesen, die seinen Stoffwechsel aufrechterhielten und unter anderem in hydrothermalen Quellen zu finden sind. Aus LUCA seien unabhängig voneinander die Bakterien und die Archaeen hervorgegangen und hätten jeweils eigene Enzyme ausgeprägt, um lebensnotwendige chemische Reaktionen zu katalysieren, sagt Martin.