Ex-BND-Chef Hanning: "Hinweise und Erläuterungen" an Militär aus China?
Kontakt zu chinesischem Geheimdienst?
Affäre um Ex-BND-Chef Hanning weitet sich wohl aus
Von t-online, sic
Aktualisiert am 08.10.2026 - 14:52 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Fall um Ex-BND-Chef August Hanning weitet sich aus. Recherchen deuten auf jahrelange Verbindungen in den chinesischen Sicherheitsapparat hin. Auch der BND gerät in die Kritik.
Der frühere BND-Präsident August Hanning hat nach Recherchen des "Spiegel" über Jahre Kontakte zu einem chinesischen Generalmajor unterhalten. Die Ermittler untersuchen demnach, ob der 80-Jährige sensible Informationen mit einem Mann aus dem chinesischen Geheimdienstapparat geteilt hat.
Hanning soll nach seinem Ausscheiden mit einem ehemaligen Mitarbeiter beim BND zusammengearbeitet haben. Nach Informationen des "Spiegel" soll der Nachrichtendienst die Nebentätigkeit des BND-Manns Manfred D. genehmigt haben.
Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Hanning wegen des Verdachts auf versuchten Landesverrat. Sie ließ ihn und seinen früheren Büroleiter Manfred D. am Dienstag verhaften. Der Büroleiter soll Hanning nach dessen Ausscheiden aus dem BND jahrelang vertrauliche Unterlagen aus der Leitungsebene beschafft haben. Bis Juni 2022 habe D. "annähernd 2.000 Dokumente" an Hanning geliefert, darunter vielfach als Verschlusssache eingestufte Informationen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Hanning habe die Dokumente im Rahmen seiner privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten sollen. Wie er das Material verwendet hat, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Kontakte zu chinesischem General
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft stand Hanning außerdem in "intensiven Austausch" mit einem Angehörigen eines ausländischen Nachrichtendienstes und versorgte diesen über Jahre mit politischen Informationen. Teilweise hätten die Informationen auf Unterlagen beruht, die er von seinem früheren Büroleiter erhalten habe. Die Behörde nannte den betreffenden Staat nicht. Nach Informationen des "Spiegel" handelt es sich um China.
Hanning hatte demnach Kontakt zum chinesischen Generalmajor a. D. Wang Jianzheng. Wang war laut dem Bericht von 1987 bis 1990 an der chinesischen Vertretung in Ost-Berlin eingesetzt und kehrte später als Militärattaché nach Deutschland zurück. In einem 2017 veröffentlichten Gesprächsbuch mit Altkanzler Gerhard Schröder bedankte er sich bei Hanning für "Hinweise und Erläuterungen".
Die beiden trafen sich dem Bericht zufolge 2017 bei einem Empfang in der ostchinesischen Stadt Huaibei. Noch 2023 standen ihre Namen auf der Teilnehmerliste einer Europa-China-Konferenz. Auch einem Beratergremium eines deutsch-chinesischen Ökoparks in Qingdao gehörten beide an. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob Hannings Verbindung zu Wang Teil ihrer Ermittlungen ist.
Hannings Anwalt wies die Vorwürfe zurück. Zwar habe sein Mandant vertrauliche Unterlagen besessen. "Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben", erklärte Leon Kruse dem "Spiegel". Wang sagte dem Magazin, er könne sich zu den Vorwürfen nicht äußern und habe lange keinen Kontakt mehr zu Hanning gehabt.