Ex-Cambridge-Professor nach Plagiatsvorwürfen tot aufgefunden
Jason Arday, früherer Professor an der renommierten Universität Cambridge, ist tot. Der 41-Jährige sei am Freitag leblos an einer Adresse im Süden Londons entdeckt worden, meldeten mehrere Medien wie Sky News unter Berufung auf die Londoner Polizei. Familie spricht von Mobbing und Schikane Zum jetzigen Zeitpunkt werde sein Tod als unerwartet eingestuft, es gebe jedoch keinen Grund zu der Annahme, dass ein Verbrechen vorliege, zitierte die Nachrichtenagentur PA die Polizei, die in Großbritannien grundsätzlich keine Namen nennt. Der Fall werde weiter untersucht. Obwohl die Londoner Polizei keine Namen nannte, war klar, dass es sich bei dem Toten um Arday handelte. Das bestätigte in der Nacht auch Ardays Familie, die mit Blick auf die Vorwürfe gegen den 41-Jährigen von Mobbing und Schikane sprach. "Die Desinformationskampagne war einfach zu viel für Jason", hieß es in einer Erklärung, die über seinen Verlag Simon & Schuster veröffentlicht wurde. "Er war ein sanftmütiger Mensch, der in jedem stets das Gute sehen wollte." Die Familie zeigte sich "zutiefst erschüttert über den Verlust dieses wunderbaren Vaters, Partners, Bruders, Onkels und Sohnes." Rücktritt nach Plagiatsvorwürfen Auch die Vizekanzlerin der Universität, Deborah Prentice, zeigte sich "zutiefst betrübt über diese tragische Nachricht". In einer kurzen Erklärung hieß es weiter: "Unser tiefstes Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden von Jason Arday in dieser unglaublich schweren Zeit." Der Soziologe war in der vergangenen Woche von seiner Professur zurückgetreten. Das hatte in Großbritannien für große Aufregung gesorgt. Medien berichteten unter anderem über Plagiatsvorwürfe mit Blick auf die Doktorarbeit des Professors an der Liverpool John Moores Universität. Auch an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte wurde öffentlich gezweifelt. Plagiatsvorwürfe gegen Arday wurden erstmals im Juli von Nathan Cofnas erhoben, einem US-Wissenschaftler, dessen Forschungszugehörigkeit zu einem Cambridge-College im Jahr 2024 aufgrund von Rassismusvorwürfen beendet worden war. Der Skandal wurde von rechtsgerichteten Zeitungen und Kommentatoren aufgegriffen, die Arday als "Aushängeschild" für Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme (DEI) bezeichneten. Universität in der Kritik Eine frühere Untersuchung der Uni in Liverpool stellte laut der PA kein wissenschaftliches Fehlverhalten fest. In seiner Stellungnahme hatte Arday mitgeteilt, der Rücktritt sei "der einzige Weg, dieses Kapitel zu beenden". Dieser solle nicht als "Zustimmung zu den Darstellungen verstanden werden". Die Leiterin der Universität Cambridge, Prentice, hatte zuletzt mitgeteilt, eine Untersuchung rund um Arday werde "unabhängig durch hochrangige Wissenschaftler aus Cambridge und von außerhalb" durchgeführt. Die Universität war aufgrund des Falls stark in die Kritik geraten. Arday war 2023 zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Uni Cambridge geworden. Ende August sollen die Memoiren des vielfach als Star seines Fachs beschriebenen Soziologen erscheinen.