Ex-Teamchef erklärt: Deshalb wird Aston Martin kein Topteam
(Motorsport-Total.com) - Otmar Szafnauer und Lawrence Stroll werden so schnell wohl keine Freunde mehr. Im Podcast High Performance Racing hat der ehemalige Aston-Martin-Teamchef nun erklärt, was im Team unter Besitzer Stroll seiner Meinung nach bereits seit Jahren schiefläuft. Auf die Frage, wie weit man zurückgehen müsse, um die aktuellen Probleme bei Aston Martin zu verstehen, antwortet Szafnauer: "Ich glaube, Lawrence ist nun seit acht Jahren Eigentümer des Teams. Ich denke, man muss fünf Jahre zurückgehen." Tut man das, landet man in der Saison 2021 - die passenderweise Szafnauers letzte als Aston-Martin-Teamchef war. Zu Beginn des Jahres 2022 verabschiedete er sich aus Silverstone, nachdem er zuvor seit 2009 für das damalige Force-India-Team gearbeitet hatte. Doch was genau lief seit Szafnauers Abschied schief? Er selbst erklärt: "Meiner Meinung nach entsteht das Chaos dadurch, dass man in der Formel 1 zu schnell Erfolg haben will. Und wenn man zu schnell Erfolg haben will und nicht geduldig ist, führt das zu einer zu hohen Personalfluktuation." Ein klarer Vorwurf an Stroll, der das Team im Sommer 2018 übernahm und zur Saison 2021 nach einer Übergangsphase als Racing Point in Aston Martin umbenannte. Seit der Rennstall in Grün an den Start geht, musste nicht nur Szafnauer selbst das Team verlassen. Allein auf der Position des Teamchefs verschliss man neben Szafnauer in den folgenden Jahren auch noch Mike Krack und Andy Cowell. Seit Jahresbeginn hat nun Adrian Newey den Hut auf. Laut Szafnauer ist das ein Problem, denn die erfolgreichsten Teams seien in der Formel 1 "gerade die, die stabil sind". Szafnauer: Newey brauchte bei Red Bull fünf Jahre Und an dieser Stabilität mangelt es nicht nur auf der Position des Teamchefs. Als weiteren Fehler bezeichnet Szafnauer beispielsweise die Trennung von Andrew Green, der ebenfalls schon seit Force-India-Zeiten für das Team arbeitete, 2021 als Technischer Direktor allerdings durch Dan Fallows ersetzt wurde. Fallows selbst hat Aston Martin inzwischen aber ebenfalls schon wieder verlassen, dafür verpflichtete man Enrico Cardile von Ferrari und natürlich Newey nach dessen Abschied von Red Bull. Szafnauer glaubt nicht, dass es mit so einer hohen Fluktuation möglich ist, erfolgreich zu sein. "Ich denke, heutzutage gibt es keinen Messias mehr. Es geht nur um Teamwork", sagt der 61-Jährige, der sich selbst als "geduldiger" als Lawrence Stroll bezeichnet. Als Beispiel dafür, wie wichtig Stabilität in einem Team sei, nennt er Mercedes oder in der Vergangenheit auch Red Bull. Er erinnert daran, dass Newey 2006 zu Red Bull kam, Sebastian Vettel den ersten Grand-Prix-Sieg für das Team aber erst 2009 holte. Dabei habe Newey dort damals beste Voraussetzungen gehabt, weil es unter anderem noch keine Budgetobergrenze gab. "Und trotzdem hat es vier Jahre gedauert, [einen Grand Prix] zu gewinnen, und fünf Jahre, die WM zu holen", so Szafnauer, der daher erklärt, dass man Newey bei Aston Martin nun eine ähnliche Zeit einräumen müsse. Die haben seine Vorgänger aber alle nicht bekommen. Aston-Martin-Chassis nur Mittelmaß? Mit nur einem Punkt liegt Aston Martin in der Formel-1-Saison 2026 aktuell auf dem zehnten und vorletzten WM-Rang. Lediglich Neuling Cadillac hat bislang noch gar keinen Zähler gesammelt. Zuletzt in Ungarn gelang dem Team mit einem großen Update-Paket für den AMR26 zwar ein Sprung nach vorne, und beim ersten Grand Prix nach der Sommerpause in Zandvoort möchte Motorenpartner Honda mit einem eigenen Upgrade nachlegen. Laut Szafnauer würde aber selbst der beste Motor im Feld Aston Martin nicht gleich an die Spitze bringen. Er vermutet, dass der AMR26 mit einer Mercedes-Powerunit "vielleicht etwas schneller als die Alpines" sei. Damit würde man sich im vorderen Mittelfeld einsortieren. Ganz unabhängig von Motorenpartner Honda wäre Aston Martin laut Szafnauer 2026 also so oder so nicht in der Lage, ganz vorne mitzukämpfen. Und sollte man personell in absehbarer Zeit wieder größere Anpassungen vornehmen, wird sich daran seiner Meinung nach auch nichts ändern.