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Ex-United-Trainer Ten Hag erhebt Vorwürfe gegen Cristiano Ronaldo

Sport

Zwei Jahre nach seiner Entlassung bei Manchester United bricht Erik ten Hag sein Schweigen – und rechnet mit Cristiano Ronaldo ab. Der Niederländer wirft dem Superstar vor, das Team im Stich gelassen und sich nicht professionell auf Spiele vorbereitet zu haben.

Erik ten Hag hat in einem ausführlichen Interview erstmals detailliert über seine konfliktreiche Beziehung zu Cristiano Ronaldo während seiner Zeit als Trainer von Manchester United gesprochen. Der Niederländer, mittlerweile als Technischer Direktor bei seinem Heimatverein FC Twente tätig, erhob dabei im Gespräch mit "The Athletic" massive Vorwürfe gegen den portugiesischen Stürmer.

"Er hat das Team im Stich gelassen, und er hat mich im Stich gelassen, weil wir mit ihm geplant hatten", sagte Ten Hag demzufolge. Noch vor seinem Amtsantritt bei United sei er eigens nach Portugal gereist, um mit Ronaldo über seine Pläne zu sprechen. "Natürlich ist er einer der Besten der Fußballgeschichte. Ich hatte großen Respekt vor ihm. Aber zu dem Zeitpunkt musste ich als Trainer eine rationale Entscheidung treffen."

Trainingsboykott und geschenkte Runden

Im Gespräch mit "The Athletic" schilderte Ten Hag konkrete Vorfälle, die das Verhältnis zwischen ihm und Ronaldo zerrütteten. Der Portugiese habe sich wiederholt aus Trainingseinheiten zurückgezogen und oft bei Übungen nicht die geforderte Herzfrequenz erreicht. Nach der 0:4-Niederlage gegen Brentford im August 2022 ordnete Ten Hag einen inzwischen berüchtigten Straflauf für die gesamte Mannschaft an – Ronaldo absolvierte demnach lediglich zwei der drei vorgesehenen Runden.

"Ich habe ihn damit konfrontiert", erklärte der Niederländer. "Viele Male habe ich gesagt: 'Ronnie, jeder will für dich arbeiten, um dich in die richtige Position zu bringen, aber wenn du dich nicht selbst in den Strafraum bewegen kannst, kannst du nicht treffen.'" Ronaldo sei schlicht nicht in der Lage gewesen, die nötige Laufarbeit zu leisten – weder mit noch ohne Ball. "Der Grund war, dass er sich nicht vorbereitet hat."

"Schont eure Beine im Training"

Besonders brisant: Laut Ten Hag beeinflusste Ronaldo auch seine Mitspieler negativ. Der Portugiese habe anderen Spielern geraten, im Training ihre Kräfte zu schonen. "Ich verstehe das, wenn man topfit ist", räumte Ten Hag ein. "Aber zuerst muss man trainieren, um überhaupt das richtige Fitnesslevel zu erreichen."

Ten Hag ordnete dieses Verhalten in ein größeres Muster ein, das er als "Madrid-Connection" bezeichnete. Gemeint waren neben Ronaldo auch Casemiro und Raphaël Varane – drei Spieler, die zusammen 14 Champions-League-Titel bei Real Madrid gewonnen hatten. Diese Gruppe habe eine Dynamik erzeugt, in der Spieler Macht beanspruchten und selbst bestimmen wollten, wie gespielt werde. "Das passte meiner Meinung nach nicht zu der Phase, in der sich United befand", so Ten Hag.

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Ronaldos Seite bleibt offen

Eine Stellungnahme von Ronaldos Vertretern blieb laut "The Athletic" bis zur Veröffentlichung des Interviews aus. Der Portugiese hatte United im November 2022 verlassen, nachdem ein aufsehenerregendes Interview mit Piers Morgan das Tischtuch zwischen ihm und dem Verein endgültig zerschnitten hatte.

Ten Hag betonte trotz aller Konflikte, dass ein Topklub wie Manchester United bereit sein müsse, seine besten Spieler zu unterstützen – doch dies funktioniere nur in beide Richtungen: "Jedes Spitzenteam muss den Topspieler mittragen, aber der Topspieler muss auch für das Team arbeiten." (red)

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