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"Exit 8": Gefangen im U-Bahn-Korridor

Unterhaltung

Im japanischen Horrorfilm "Exit 8" irrt ein Mann durch ewig gleiche U-Bahn-Korridore. Das ungewöhnliche Grusel-Setting des Films basiert auf einem viralen Computerspiel-Erfolg. Aber wie setzt man ein Game um, das in einer Stunde durchgespielt ist? Und wieder steht der Mann im selben Korridor. Egal, wie oft er um die Ecke biegt, er landet doch immer wieder im selben Gang der U-Bahn-Station – mit denselben Plakaten an der Wand, denselben verschlossenen Türen, denselben Markierungen. Und immer wieder kommt ihm derselbe Mann entgegen: Ein älterer Geschäftsmann mit Aktenkoffer, der ihn auch jedes Mal aufs Neue ignoriert. Der japanische Film "Exit 8" (Kinostart: 13.8.), der von diesem Horror-Irrweg durch eine U-Bahn-Station erzählt, basiert auf einem gleichnamigen Computerspiel des Studios Kotake Create, das 2023 zum Millionenerfolg wurde. Das Spiel ist ganz minimalistisch gestaltet: Man bewegt sich in der Ego-Perspektive durch eben jenen Korridor, und um die Ecke wartet – auch in die andere Richtung – wieder derselbe Korridor. Mehr Spielmechanik als das Laufen gibt es nicht. Suche nach Abweichungen Allerdings gibt es immer wieder Anomalien in den Abschnitten, und sobald man diese erkennt, muss man umdrehen, um weiterzukommen. Manche dieser Abweichungen in den immer gleichen Gängen sind ziemlich offensichtlich: Da flackert mal das Licht, oder ein Nichtraucherschild ist zigfach über die Wand geklebt. Oft sind die Anomalien aber auch subtil – man wird beispielsweise von Augen beobachtet, die auf einem der Plakate zu sehen sind, oder der vorbeigehende Mann schaut einen im Vorübergehen kurz an. Und manchmal warten auch unheimlichere Ereignisse auf den Spieler, der mitunter auch angegriffen wird. "Exit 8" ist kein umfangreiches Spiel – in ungefähr einer Stunde ist man durch. Aber die hat es in sich: Der eigentlich so alltägliche Ort wird zu einem Gefängnis, in dem man mit höchster Anspannung kleinste Details im Auge behält, weil man nie wissen kann, wo sich vielleicht etwas ändern könnte. Weil es manchmal auch gar keine Anomalien gibt, spielt einem das eigene Gedächtnis oft Streiche. Und auch wenn es ein paar "Jump Scares" gibt, also Momente, in denen man wirklich erschrickt, kriecht einem beim Spielen doch vor allem ein wenig greifbares Schaudern in den Kopf – man geht ja schon im normalen Leben ungern durch solche anonymen U-Bahn-Gänge unter der Erde. Vom Spiel-Korridor zur Film-Handlung Es bietet sich natürlich an, einen so vertrauten und gleichzeitig ungewöhnlichen Ort auch auf die Leinwand zu bringen – aber gleichzeitig hat das Spiel "Exit 8" keinerlei Handlung oder Figuren, weshalb die japanische Kinoadaption geschickt ein Narrativ um den Gang baut. Der Film erzählt von einem namenlosen Mann, der in der U-Bahn durch einen Anruf seiner Ex-Partnerin erfährt, dass sie schwanger ist und sich gerade im Krankenhaus befindet – die Entscheidung steht im Raum, ob sie das Kind behalten will oder nicht. Unser Protagonist wird von der Nachricht ziemlich aus der Bahn geworfen und ist sich unsicher, was er machen soll. Er erklärt seiner Ex-Freundin, dass er sich auf den Weg ins Krankenhaus macht. Aber auf dem Weg aus der U-Bahn zum Ausgang der Station landet er in dem endlosen Gang, den wir aus dem Spiel kennen. Dieser Korridor sieht tatsächlich bis in kleinste Details so aus wie im Spiel, und auch der mechanisch entgegenkommende Geschäftsmann ist optisch genau getroffen. Nicht nur das: Diverse Anomalien, die man aus dem Spiel kennt, tauchen hier auf – und die, die man im Game schnell übersehen hat, werden auch hier nicht erkannt. Der Film geht sogar so weit, dass das Verhalten der Filmfigur dem der meisten Spieler ziemlich ähnelt: Er entwickelt ein System, wie er die einzelnen Objekte im Gang der Reihe nach prüft, bevor er entscheidet, ob er weitergehen oder umkehren soll. Gleichzeitig gibt es aber auch Überraschungen und Wendungen, die hier nicht verraten werden sollen. Wer das Spiel kennt und glaubt, mit allen Kuriositäten des Settings vertraut zu sein, wird einige "Aha"-Effekte erleben, weil das Filmnarrativ mehrere gekonnte Schlenker unternimmt und dabei die Grundidee dieses Tunnels geschickt ausbaut. Und umgekehrt muss man mit dem Spiel und seinen Mechanismen keinesfalls vertraut sein, um in das spannende Setting des Films einsteigen zu können. Psychologisch stimmiger Horror Regisseur Genki Kawamura, der auch als Co-Autor fungiert, hatte zuvor das auf Festivals gefeierte Demenz-Drama "A Hundred Flowers" inszeniert. Auch als Schriftsteller ist er aktiv – er schrieb unter anderem 2012 die Novelle "Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden", die in seiner japanischen Heimat zum Bestseller wurde. Dort schließt ein todkranker Mann einen Pakt mit dem Teufel – der aussieht wie er selbst: Für jeden Tag, den er weiterleben kann, muss ein Gegenstand von der Welt verschwinden. Beispielsweise das Smartphone. Empfehlungen der Redaktion In Südkorea räumt der Film schon alles ab: Trailer zu "Hope" "The End of Oak Street": Anne Hathaway im Clinch mit Dinos "Spider-Man": Neuer US-Rekord und Goldene Leinwand in Deutschland Die Einordnung zeigt, dass Genki Kawamura "Exit 8" nicht primär als Horrorfilm versteht – auch wenn der Grusel-Ort des endlosen Korridors durchaus zu aktuellen Horror-Hits wie "Backrooms" passt. Stattdessen geht der Regisseur "Exit 8" vor allem als psychologische Allegorie an, in der das unwirkliche Erlebnis zum inneren Prozess des Mannes passt, der gezwungen ist, sich mit einer wichtigen Lebensfrage auseinanderzusetzen. Der Irrweg durch die U-Bahn-Station spiegelt hier wider, was in diesem Menschen vor sich geht – und funktioniert trotzdem als unheimliche andere Welt. "Exit 8" ist damit nicht nur eine der besten Spiele-Verfilmungen, die wir bislang gesehen haben – es ist auch ganz unabhängig davon eine packende Geschichte. Aber Vorsicht: Es kann sein, dass man hinterher auch im Alltag nach Anomalien sucht …

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