Exklusive Umfrage: Angst vor Mini-Rente! Doch viele haben keinen Plan
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Kommt die Mini-Rente? Viele fürchten genau das. 60 Prozent rechnen damit, sich im Alter einschränken zu müssen. 57 Prozent glauben, dass ihr Geld im Ruhestand nicht für ihren heutigen Lebensstandard reicht. Doch wie groß ihre persönliche Rentenlücke ist, wissen nur 39 Prozent. Und jeder Fünfte tut bislang gar nichts dagegen.
Das zeigt eine YouGov-Umfrage für Commerzbank und Comdirect unter 1517 Menschen (18 bis 55 Jahre). Die Ergebnisse liegen BILD vorab vor.
Ab 2027 soll das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot kommen. Dabei soll Geld für die Rente stärker am Kapitalmarkt angelegt werden können, etwa in Fonds oder ETFs. Doch obwohl das neue Modell schon bald starten soll, haben 35 Prozent der Befragten noch nie davon gehört. Rund zwei Drittel sagen, dass sie darüber bislang zu wenig wissen. Thomas Schaufler, Privatkunden-Vorstand der Commerzbank AG, sagt zu BILD: „Viele Menschen haben längst das Gefühl: Im Alter wird das Geld knapp. Gleichzeitig wissen viele nicht, was sie konkret dagegen machen sollen.“
Renten-Depot? Junge Erwachsene sind sofort dabei
Besonders groß ist das Interesse bei den Jüngeren. 47 Prozent der 18- bis 25-Jährigen sagen, dass sie wahrscheinlich ein solches Altersvorsorgedepot eröffnen würden. Bei Familien mit mehreren Kindern sind es sogar 55 Prozent. Rund 30 Prozent der Befragten könnten nach eigenen Angaben monatlich zwischen 50 und 100 Euro einzahlen. „Kleine Beträge können für einen jungen Menschen ein guter Anfang sein. Laut unserer Studie können sich fast 60 Prozent monatliche Einzahlungen ab 50 Euro vorstellen“, sagt Schaufler zu BILD.
Und: „Man muss nicht viel Geld haben, um mit Altersvorsorge anzufangen. Entscheidend ist vor allem, früh zu beginnen, regelmäßig zu investieren und den Betrag später zu erhöhen, wenn man mehr verdient.“ Denn wer erst spät startet, hat weniger Zeit, Vermögen aufzubauen, und muss deshalb später meist höhere Beträge zurücklegen.
Sparbuch-Falle und Riester-Frust
Fast jeder Dritte legt Geld für das Alter auf einem Sparbuch, Tagesgeld - oder Festgeldkonto zurück. Das gilt zwar als vergleichsweise sicher. Langfristig gibt es jedoch ein Problem: Steigen die Preise stärker als die Zinsen, verliert das Ersparte an Kaufkraft. Oder einfacher gesagt: Für denselben Geldbetrag kann man sich später weniger kaufen.
„Für 1000 Euro konnte man sich vor fünf Jahren mehr kaufen als heute“, sagt Schaufler. Gleichzeitig sind viele Sparer von früheren Vorsorgeprodukten enttäuscht. Vor allem die Riester-Rente hat bei einem Teil der Kunden offenbar an Vertrauen verloren. „Bei Riester haben viele Kunden die Hoffnung aufgegeben“, sagt Schaufler. „Wir sehen viele Verträge, die seit Jahren nicht mehr bespart werden.“
Finanz-Tipps vom Influencer?
Ein weiteres Problem: Viele Menschen fühlen sich beim Thema Geldanlage nicht ausreichend informiert. In der Schule lernen die wenigsten, wie Aktien, Fonds, ETFs oder Altersvorsorge funktionieren. Wer Antworten sucht, landet deshalb schnell im Internet. Schaufler sieht das kritisch: „Dann schaut man über einen beliebigen Social-Media-Kanal, was dort empfohlen wird, und macht vielleicht einfach das nach. Das halte ich für heikel.“ Denn Finanz-Tipps im Netz können zwar hilfreich sein, sie sind aber nicht automatisch unabhängig oder auf die persönliche Situation zugeschnitten.
Die meisten Befragten wollen ihre Entscheidungen ohnehin selbst treffen: 70 Prozent sagen, dass sie bei der Geldanlage selbst entscheiden möchten. Gleichzeitig wünschen sich 80 Prozent, Finanzthemen einfacher und verständlicher erklärt zu bekommen.