DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +0,99 % 63.896,25 Pkt 05:44:50 Gold -0,53 % 4.053,00 USD 05:49:29 Silber -0,53 % 54,01 USD 05:49:43 Brent -2,56 % 110,97 USD 05:47:29 WTI +1,55 % 101,45 USD 05:49:40 Bitcoin +0,09 % 80.873,63 USD 05:59:40 EUR/USD -0,44 % 1,11250 USD 05:59:42 EUR/GBP -0,10 % 0,83650 GBP 05:59:52 EUR/CHF -0,21 % 0,92290 CHF 05:59:51 EUR/JPY -0,27 % 175,546 JPY 05:59:51

Experiment an 340 Häusern verblüfft

Wissenschaft

Startseite

Wissen

Gegen Hitzewellen und hohe Stromkosten: Experiment mit 340 weiß gestrichenen Dächern verblüfft

Uns auf Google folgen

Ein einfacher Anstrich auf dem Dach kann Hitze-Temperaturen und Stromkosten spürbar senken – ein US-Experiment aus Philadelphia zeigt, wie wirkungsvoll diese Methode ist.

Was wäre, wenn die beste Antwort auf Sommerhitze in Wohnungen kein teures Klimagerät, sondern ein schlichter Farbeimer wäre? Ein amerikanisches Pilotprojekt aus den frühen 2000er-Jahren hat genau das untersucht – und kam zu Ergebnissen, die auch heute noch überraschen. Der Kühleffekt könnte gerade für einkommensschwache Haushalte eine günstige und wirksame Lösung gegen steigende Temperaturen darstellen.

2001 bis 2003 strich die Energy Coordinating Agency in Philadelphia 340 Dächern weiße Farbe. Ältere, einkommensschwache Bewohner profitierten beim Philadelphia Cool Homes Project von Innenraumtemperaturen, die um 2 bis 2,8 Grad Celsius sanken. Der Stromverbrauch verringerte sich um 560 kWh jährlich.

Physik statt Hightech: Warum helle Dachflächen weniger Wärme aufnehmen

Der Effekt lässt sich mit einem bekannten physikalischen Prinzip erklären: Dunkle Oberflächen schlucken einen Großteil der Sonnenstrahlung und wandeln sie in Wärme um, helle Flächen werfen sie zurück. Gemessen wird diese Eigenschaft mit dem Albedo-Wert, einer Skala von 0 bis 1, bei der höhere Werte eine stärkere Rückstrahlung bedeuten. Ein Wert von 0,9 entspricht dabei einer Rückstrahlung von 90 Prozent der einfallenden Energie.

Ein gutes reflektierendes Dach verbindet hohe Sonnenreflexion mit thermischer Emissivität, also der Fähigkeit, aufgenommene Restwärme wieder abzugeben. Dadurch erhitzt sich die Dachoberfläche deutlich weniger, der Wärmedurchgang ins Gebäudeinnere sinkt, und die Klimaanlage muss erheblich weniger leisten. Relevant ist dabei auch, dass die Albedo in der Meteorologie angibt, wie stark sich eine Oberfläche aufheizt und damit auch die angrenzende Luft erwärmt.

Schule in Florida, Büros in Kalifornien: Weitere Belege für den Kühleffekt

Philadelphia war kein Einzelfall. Bereits 1995 trug das Florida Solar Energy Center eine weiße Acrylbeschichtung auf das Dach einer Schule in Cocoa Beach auf. Im Folgejahr wurden eine Verbrauchsreduktion von 13.000 Kilowattstunden sowie ein Rückgang der maximalen Stromnachfrage um 10 Prozent gemessen, beachtliche Zahlen für einen vergleichsweise günstigen Eingriff.

Forscher des Lawrence Berkeley National Laboratory untersuchten drei Gewerbegebäude in Kalifornien. Sie erhöhten den Albedo-Wert der Dächer von 0,20 auf 0,60, und die Sommertemperaturen der Dachoberflächen fielen dadurch von rund 79 auf 49 Grad Celsius. In einem der Gebäude sank der Energieverbrauch der Klimaanlage um bis zu 18 Prozent.

Albedo: Warum helle Oberflächen die Wärme bremsen

Eine Albedo von 0 steht für vollständige Absorption von Sonnenstrahlung, ein Wert von 1 für vollständige Reflexion. Schnee, Sand und Kreide besitzen einen relativ hohen spiegelnden Reflexionsanteil, weshalb ihre Albedo stark vom Einfallswinkel der Sonnenstrahlung abhängt. Der höchste je gemessene Albedowert im Sonnensystem wurde mit 0,994 am Saturnmond Telesto festgestellt.

Städtische Wärmeinseln: Wenn ganze Stadtviertel zur Hitzefalle werden

Das Interesse an hellen Dachflächen reicht weit über die individuelle Stromersparnis hinaus. Dunkle Straßenbeläge und Gebäudefassaden speichern tagsüber enorme Wärmemengen und geben sie nachts nur langsam wieder ab. So können Städte zwischen 2 und 8 Grad Fahrenheit wärmer sein als ihr ländliches Umland, ein Phänomen, das als urbane Wärmeinsel bekannt ist.

Seit den 1980er-Jahren beschäftigten sich Forscherinnen und Forscher wie Arthur Rosenfeld, Hashem Akbari und Surabi Menon damit, ob reflektierende Flächen dieses Phänomen eindämmen könnten. Ihre Schätzungen ergaben, dass eine großflächige weltweite Erhöhung des Albedo-Wertes bei Dächern und Straßenbelägen einen Strahlungseffekt erzeugen könnte, der dem rechnerischen Ausgleich von rund 44 Milliarden Tonnen CO₂ entspricht, auch wenn dabei kein CO₂ physisch aus der Atmosphäre entfernt wird.

Grenzen der Methode: Schmutz, Wartung und der Winter als Schwachstellen

So überzeugend die Zahlen klingen, haben die weißen Dächer auch ihre Nachteile. Helle Beschichtungen verschmutzen mit der Zeit und können binnen weniger Jahre bis zu etwa ein Drittel ihrer Reflexionsfähigkeit einbüßen. Regelmäßige Reinigung oder Erneuerung der Oberfläche ist also notwendig, um die Wirkung dauerhaft zu erhalten. Das würde die Dächer allerdings deutlich kostenintensiver machen, was gerade für einkommensschwache Bewohner, für welche die Methode vorwiegend gedacht ist, ein Problem darstellen könnte.

Der große Energiespar-Ratgeber

Mit unserem Ratgeber erhalten Sie die wichtigsten Tipps, wie Sie effizient Energie in den eigenen vier Wänden und somit bares Geld sparen können. Von Heizung und Warmwasser bis hin zu Strom erhalten Sie hier einen umfangreichen Überblick.

Laden Sie sich den Ratgeber HIER kostenlos runter.

In kälteren Klimaregionen kann die starke Rückstrahlung zudem im Winter zum Nachteil werden, weil die Sonnenwärme, die das Gebäude eigentlich aufheizen sollte, verloren geht. Wer auf ein kühles Dach setzt, muss daher das örtliche Klima einbeziehen. Technisch gesehen muss ein solches Dach übrigens nicht zwangsläufig weiß sein: Spezielle Membranen und Pigmente ermöglichen hohe Reflexionswerte auch in anderen Farbtönen. Wenn eine Erneuerung ihres Dachs nicht infrage kommt, haben wir noch fünf weitere Tipps, wie sie ihre Wohnung kühlen können.

Von Philadelphia in die Bauvorschriften: Was aus dem Experiment wurde

Das Projekt in Philadelphia hat Spuren hinterlassen. Kalifornien verankerte Vorgaben für kühle Dächer in seinen Bauvorschriften, und auch Philadelphia führte später entsprechende Anforderungen für bestimmte Neubauten ein. Damit wurde aus einem Feldversuch mit 340 Häusern schrittweise Baurecht.

Aus heutiger Perspektive ist das Experiment wertvoll, weil es gleich drei Probleme gleichzeitig adressierte: die Hitzebelastung in Wohnräumen, den Energieverbrauch und die überproportional hohen Kühlkosten für einkommensschwache Haushalte. Die Kernbotschaft bleibt dabei verblüffend simpel: Wer verhindert, dass Wärme erst ins Haus eindringt, muss später deutlich weniger Energie aufwenden, um sie wieder hinauszubefördern. (Quellen: Xataka, Wikipedia, Archiv) (jmv)

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren