Experte erklärt, was Studie zu Vitamin D und Knochen wirklich bedeutet
Das Ergebnis dieser großen Übersichtsarbeit klingt zunächst nach einem Paradigmenwechsel: Die Einnahme von Vitamin D und Kalzium schütze kaum vor Knochenbrüchen und Stürzen bei älteren Menschen, stellte ein Forscher-Team von der Universität Montreal fest. „Diese Ergebnisse sprechen nicht für eine routinemäßige Einnahme von Kalzium, Vitamin D oder kombinierten Präparaten zur Vorbeugung von Knochenbrüchen oder Stürzen“, schreiben die kanadischen Studienautoren daher. Dabei gibt es aber eine wichtige Einschränkung: In der Studie waren keine Menschen eingeschlossen, die bereits an Osteoporose oder einer anderen Knochenkrankheit leiden. Oder anders gesagt: Die Studienteilnehmer waren allesamt relativ gesund, hatten kein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und auch keinen Vitamin-D-Mangel. Studienergebnisse gelten nicht für Osteoporose-Patienten „Das Endergebnis dieser Studie kommt nicht unerwartet: Wenn keine Erkrankung der Knochen vorliegt und die Vitamin-D-Spiegel gut sind, bringt die zusätzliche Einnahme keinen Effekt“, analysiert Stefan Pilz, Stoffwechselexperte von der Abteilung für Endokrinologie am LKH-Uniklinikum Graz. Allerdings betont der Experte auch: „Das bedeutet keinesfalls, dass nun Osteoporose-Patienten die Einnahme von Vitamin D beenden sollen.“ Für die Wirksamkeit von Osteoporose-Medikamenten sei die zusätzliche Gabe von Vitamin D nämlich essenziell: Vitamin D fördere nämlich die Aufnahme von Kalzium im Körper – und Kalzium ist notwendig, um die Knochengesundheit zu verbessern. Zusammengefasst: „Osteoporose-Medikamente wirken besser, wenn die ausreichende Versorgung mit Vitamin D sichergestellt ist“, sagt Pilz. Menschen, die bereits an Osteoporose oder anderen Knochenerkrankungen leiden, sollten sich daher weiterhin an die Empfehlungen ihrer behandelnden Ärzte halten. Vitamin D für Kinder und Schwangere Generell sehen die Empfehlungen für die Einnahme von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel laut der international führenden Fachgesellschaft „Endocrine Society“ so aus: Menschen ab 75 Jahren sollten Vitamin D einnehmen, weil dadurch das Risiko für einen frühzeitigen Tod gesenkt werden kann; Schwangere, kleine Kinder und Jugendliche sollten ebenfalls Vitamin D einnehmen – gerade Jugendliche verbringen typischerweise zu wenig Zeit im Freien, um die Speicher über ausreichend Sonnenlicht zu füllen; die Einnahme ist auch für Menschen mit Prä-Diabetes empfohlen, da dadurch das Risiko für eine manifeste Diabetes-Erkrankung gesenkt werden kann.