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Tipps zum Schulbeginn: „Wer mit zu hohen Erwartungen startet, macht aus Motivation schnell Druck“

Von: Stephanie Uehlein

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Wie können Jugendliche gut ins neue Schuljahr starten und es dabei vermeiden, sich selbst unter Druck zu setzen? Mental-Coach Tobias Neumeier, der auch im Landkreis Weilheim-Schongau mit jungen Menschen arbeitet, hat als Antwort auf diese Frage eine Reihe Tipps parat.

Landkreis – Die Hefte sind noch leer, der Stundenplan ist neu und vielleicht gibt es sogar den Vorsatz: „Dieses Schuljahr wird alles anders. Mehr lernen, bessere Noten, weniger Zeit am Handy, endlich organisierter sein.“ Ein neues Schuljahr fühle sich für viele Jugendliche wie ein Neustart an – das könne motivieren, berge aber auch eine Gefahr, so Tobias Neumeier: „Wer mit zu vielen oder zu hohen Erwartungen startet, macht aus Motivation schnell Druck.“

„In meiner Arbeit mit Jugendlichen erlebe ich immer wieder, dass Motivation häufig falsch verstanden wird“, erklärt der Coach. „Wir warten darauf, dass wir Lust haben, etwas zu tun. Doch Motivation ist keine verlässliche Voraussetzung für Handeln. An manchen Tagen ist sie da, an anderen nicht.“

Gerade deshalb braucht ein guter Schulstart laut Neumeier nicht möglichst viele Vorsätze, sondern Orientierung, realistische Ziele und Routinen, die auch an weniger motivierten Tagen funktionieren. Der Satz „Dieses Jahr will ich nur noch gute Noten schreiben“ klinge zunächst ambitioniert. Als Ziel sei er aber wenig hilfreich. „Eine Note lässt sich nicht unmittelbar steuern“, erklärt Neumeier. „Steuerbar ist dagegen das eigene Verhalten.“ Hilfreich seien deshalb konkrete Prozessziele, wie: zweimal pro Woche 30 Minuten Vokabeln wiederholen, Hausaufgaben vor dem Abendessen erledigen oder bei Verständnisproblemen innerhalb einer Woche nachfragen.

„Was kann ich diese Woche konkret tun?“

Solche Ziele richteten die Aufmerksamkeit auf den nächsten beeinflussbaren Schritt – statt ständig auf ein Ergebnis, das erst viel später sichtbar wird. Neumeier rät Jugendlichen deshalb in Bezug auf das Erreichen schulischer Erfolge: „nicht fragen ,Was muss am Ende herauskommen?‘, sondern zunächst ,Was kann ich diese Woche konkret dafür tun?‘.“

„Wer sich zehn Veränderungen gleichzeitig vornimmt und nach zwei Wochen nur drei davon einhält, erlebt vor allem sieben Misserfolge“, so der Coach weiter. „Wer dagegen mit ein oder zwei realistischen Veränderungen beginnt, kann erfahren: Ich kann mir etwas vornehmen und es tatsächlich umsetzen.“ Das sei mehr als ein Motivationstrick. Das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen bewältigen zu können, werde in der Psychologie als Selbstwirksamkeit bezeichnet.

Nach mehreren Ferienwochen muss sich der Alltag häufig erst wieder einspielen. Schlafenszeiten, Lernen, Sport und Freizeit verändern sich. „Wer vom ersten Schultag an versucht, sofort auf 100 Prozent zu funktionieren, verlangt viel von sich“, so Neumeier. „Besser ist es, die ersten Wochen zum Aufbau eines Rhythmus zu nutzen.“ Dazu gehörten feste Zeiten für schulische Aufgaben ebenso wie Bewegung, soziale Kontakte und ausreichend Schlaf.

In vielen kleinen Schritten zum Erfolg

„Mit dem Schulstart beginnt oft auch der Vergleich: Wer hat die besseren Noten? Wer versteht Mathematik schneller? Wer weiß schon genau, welchen Beruf er später ausüben möchte?“, stellt der Coach fest. „Ein gewisses Maß an Vergleich ist menschlich. Problematisch wird es, wenn der eigene Wert davon abhängt, besser als andere zu sein.“ Für die persönliche Entwicklung sei ein anderer Vergleich häufig hilfreicher, nämlich der: Bin ich heute einen Schritt weiter als vor einigen Wochen? Vielleicht sei die Drei in Mathematik für einen Jugendlichen ein Rückschritt, für einen anderen nach mehreren Fünfen ein großer Fortschritt.

Die aus Sicht des Coaches vielleicht wichtigste Botschaft zum Schulbeginn: „Ein schlechter Tag, eine misslungene Klassenarbeit oder ein gebrochener Vorsatz entscheidet nicht über das Schuljahr.“ Mentale Stärke bedeute nicht, immer motiviert, selbstbewusst und erfolgreich zu sein. Sie zeige sich vielmehr darin, nach Schwierigkeiten wieder handlungsfähig zu werden: ehrlich hinzuschauen, gegebenenfalls den eigenen Plan anzupassen und den nächsten Schritt zu gehen.

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Ein neues Schuljahr biete dafür eine gute Gelegenheit. „Nicht, um von heute auf morgen ein anderer Mensch zu werden, sondern, um Verantwortung für die Dinge zu übernehmen, die man tatsächlich beeinflussen kann“, so Neumeier. Langfristiger Erfolg entstehe selten durch einen perfekten Start, sondern häufig durch viele kleine Schritte in die richtige Richtung.

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