Experte glaubt nicht an 35
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält die 35-Stunden-Woche, die in der deutschen Autoindustrie bei den tarifgebundenen Unternehmen Standard ist, für nicht mehr zeitgemäß. Vor Jahrzehnten sei es in Deutschland möglich gewesen, bei vollem Lohnausgleich die Arbeitszeit zu verkürzen. "Diese Zeiten sind vorbei", sagte der Branchenexperte jetzt den "Badischen Neuesten Nachrichten". Deutschland dümpele bei der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Rest der Welt herum. "Wir sind schlecht, und wenn man schlecht ist, muss man schauen, dass man von seinen früheren Privilegien wieder Abstand nimmt und sich wettbewerbsfähig macht", sagte Dudenhöffer. Sonst verliere man die Industrie und mit ihr die Jobs.
Mercedes-Benz: "Für das gleiche Geld mehr arbeiten"
Der Stuttgarter Autobauer hatte zuletzt eine grundsätzliche Diskussion über Arbeitszeiten entfacht. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller regte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche an - für dasselbe Gehalt. Aus Sicht des Mercedes-Vorstands muss die Arbeitsstunde günstiger werden. "Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten", teilte der Vorstand den Beschäftigten in Deutschland Ende Juni in einem Schreiben mit.
Stuttgart
Debatte um Mehrarbeit Längere Arbeitszeit für gleiches Geld? Was Arbeitgeber dürfen
Mercedes-Benz will die Wochenarbeitszeit erhöhen - von 35 auf 38 Stunden bei gleichem Gehalt. Doch kann ein Unternehmen seine Mitarbeiter einfach länger arbeiten lassen?
Will Mercedes-Benz Werke schließen?
Angesprochen auf mögliche Werksschließungen bei Mercedes-Benz in Deutschland, sagte Dudenhöffer, er glaube nicht, dass man über Nacht ein Werk schließe, "sondern dass es Stück für Stück kleiner gemacht wird und dann irgendwann so klein ist, dass man es schließt". Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe hatte kürzlich die Schließung von zwei Werken in Deutschland angekündigt, wenn die Kosten in Deutschland nicht reduziert werden. Wobei es laut Schiebe das klare Ziel sei, alle Standorte in Deutschland zu erhalten.