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Experte sieht „kleine Signale“ Putins im Ukraine

Welt

Startseite Politik „Knarzt im Gebälk“: Experte sieht „kleine Signale“ Putins im Ukraine-Krieg – aber auch ein Langfrist-Problem Von: Florian Naumann Uns auf Google folgen Sicherheitsexperte Frank Sauer sieht die Ukraine im Krieg mittlerweile im Vorteil. Er erklärt im Interview, wie das gelungen ist – und was der Westen lernen kann. München – Der prominente Sicherheitsexperte Frank Sauer sieht die Ukraine im Verteidigungskampf gegen Russland mittlerweile „in der Vorderhand“. „Es sah eine ganze Weile wirklich düster aus, das hat sich gedreht“, sagte der Politologe der Universität der Bundeswehr in München im Interview mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media: Die Ukraine mache gerade etwas „sehr Spannendes“, womöglich sei das Land auf dem Weg zu einer „Antwort auf die Frage, wie man Russland dazu bringt, aufzuhören“. Trotzdem warnt Sauer vor allzu großen Hoffnungen. Und er sieht Russland auf Jahre hinaus als Sicherheitsrisiko für Europa – selbst im Falle eines Abtritts von Wladimir Putin. Sauers Spezialgebiet ist die strategische „Vorausschau“ auf technologische und praktische Sicherheits- und Kriegsszenarien. Er selbst hätte noch vor etwa anderthalb Jahren die Wende auf dem Schlachtfeld kaum für möglich gehalten, räumte der Wissenschaftler ein: Die Ukraine habe sich – mit „sehr viel finanzieller Hilfe von außen“ – vor allem selbst geholfen. Mittlerweile habe das Land mit einem teils selbst entwickelten „großen Sammelsurium an Waffensystemen“ in „drei Tiefen“ die Oberhand gewonnen. Sie füge Russland massive Verluste an der Front und wirtschaftliche Probleme zu. „Drei Tiefen“ im Ukraine-Krieg – kleine Signale von Putin, aber auch eine unklare Zukunft Direkt an der Front nutze die Ukraine eine Kombination aus Artillerie und Drohnen sehr effektiv, erläuterte Sauer. So verhindere die Armee Geländegewinne des Gegners, es fielen mittlerweile aber auch „mehr Russen, als rekrutiert werden können“: „Das ist aus einer humanitären Perspektive katastrophal, aber militärisch ist es eine Wahrheit, die gut ist für die Ukraine.“ In einer „mittleren Tiefe von 100 Kilometern plus, wo Artillerie gar nicht mehr hinreicht, ist es gelungen, die Logistik weitgehend zu unterbrechen“, fügte er hinzu. Ein plastisches Beispiel sei die Krim. Hinzu kämen „tiefe Schläge“ auf Energieinfrastruktur wie Raffinerien und Logistikzentren. Auch im Kaspischen Meer schlug die Ukraine zuletzt zu. Nun beginne es im Gebälk der russischen Wirtschaft zu knarzen, urteilte Sauer. Er zögere stark, allzu große Hoffnungen zu schüren, betonte er. „Ich bin da sehr, sehr vorsichtig – aber das könnte uns möglicherweise in eine Richtung begeben, wo auf lange Sicht vielleicht tatsächlich auch ein Herr Putin im Kreml entweder selbst überlegt, ob es so weitergehen kann – oder er wird vielleicht von den Moskauer Eliten dazu gedrängt wird, einen Kurswechsel einzuleiten“, sagte Sauer, der auch aus dem Podcast „Sicherheitshalber“ bekannt ist. Kleine Signale in diese Richtung gebe es. So habe Putin erstmals den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beim Namen genannt – statt von einem Kiewer „Nazi-“ oder „Banderisten-Regime“ zu sprechen. Zugleich äußerten sich russische Oligarchen in westlichen Medien zu Wirtschaftsproblemen. Und in der Bevölkerung zeige sich Unmut über Spritmangel oder Internet-Abschaltungen. „Es brodelt eigentlich schon überall“, sagte Sauer. Klar sei aber auch, dass die Bevölkerung in einer Diktatur wie der russischen kaum eine Rolle spiele. Es bleibe die Hoffnung, dass Putin angesichts der Inflation dämmere, dass „hier tatsächlich nichts mehr zu holen ist“. „Wie lange das dauert, wie starrköpfig er da ist, wie dieses Einlenken aussehen könnte, das ist ganz offen“, räumte der Experte ein. Er mahnte dazu, sich Pläne für verschiedene Szenarien zurechtzulegen. „Ein Herr Putin wird auch nicht ewig leben. Die Frage, wer danach kommt, ist völlig offen. Auch Russland-Spezialisten zucken da mit den Schultern“, sagte Sauer: „Ich kann Ihnen da kein Szenario malen.“ „Putinismus wird Putin überleben“ – Was der Westen von der Ukraine lernen kann „Das einzige, was wir wissen, ist, dass ein Zurückfallen in ein altes Normal – wo man sagt, ‚wir kaufen ganz viel Gas von Russland‘ und ansonsten bilden wir uns ein, dass sie friedlich koexistieren wollen –, dass das vorbei ist. Ich finde das extrem bedauerlich“, fügte er hinzu. Wünschenswert seien eigentlich Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen. „Aber der Putinismus, der den Herrn Putin überleben wird, der hat das kaputtgemacht. Und der wird uns noch sehr viele Kopfschmerzen bereiten“, warnte Sauer. Mit Blick auf die Situation der Ukraine riet der Experte zu weiterer „Hilfe zur Selbsthilfe“. Das sei viel besser, als der Ukraine „in homöophatischen Dosen 50 Marschflugkörper in die Hand zu drücken“. Vom deutschen Modell Taurus etwa rede niemand mehr – weil die Ukraine eigene Alternativen entwickelt habe. Dabei könne Westeuropa von dem Land lernen: „Es geht nicht nur um Geld, es geht nicht nur um Technologie, es geht nicht nur um Organisation“, erklärte Sauer. „Sondern es geht primär darum, im Kopf schnell zu sein.“ Die Ukraine existiere vor allem noch, weil sie innovativer gewesen sei und schneller gelernt habe. Exemplarisch stehe für ihn ein Satz eines jungen ukrainischen Soldaten, der Pionierarbeit in Sachen unbemannte Systeme in der Luft geleistet habe. „Ich lebe noch, weil ich die alten Regeln nie kannte. Und die Älteren um mich herum, die nicht tot sind, haben sich entschieden, die alten Regeln zu vergessen. Wir haben neue Regeln geschaffen“, zitierte Sauer den Mann. Das komplette Interview können Sie auch auf YouTube sehen. (Quellen: Interview mit Frank Sauer, eigene Recherchen)

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