DAX +1,57 % 25.577,47 Pkt 15:51:14 MDAX +1,69 % 30.380,36 Pkt 15:51:15 Euro Stoxx 50 +0,68 % 6.157,58 Pkt 15:51:00 Dow Jones +0,28 % 52.359,00 Pkt 16:06:14 S&P 500 +1,20 % 7.715,45 Pkt 16:06:15 Nasdaq +1,80 % 26.423,37 Pkt 16:06:14 Nikkei +1,73 % 63.268,37 Pkt 07:45:03 Gold +0,68 % 4.065,90 USD 15:56:11 Silber +0,64 % 54,46 USD 15:56:05 Brent -5,66 % 109,26 USD 15:55:48 WTI -1,55 % 100,18 USD 15:56:15 Bitcoin +0,32 % 80.263,49 USD 16:06:06 EUR/USD -0,62 % 1,11480 USD 16:05:45 EUR/GBP -0,21 % 0,83670 GBP 16:06:14 EUR/CHF -0,10 % 0,92320 CHF 16:06:14 EUR/JPY -0,05 % 175,823 JPY 16:06:14

Expertin: Der November bringt jetzt den großen Klima-Showdown

Technologie

Haben Sie schon einmal Gerüche in Gläsern gesammelt? Wie praktisch wäre es, wenn man das auch mit Wärme tun könnte? Dann wäre es möglich, im Winter, wenn die Gaspreise astronomisch hoch sind, die Wohnung aber kalt, einfach ein paar Einmachgläser des Hitzesommers öffnen mit seinen 40-Grad-Tagen.

Viviane Raddatz leitet seit 2021 den Klima- und Energiebereich beim WWF Deutschland und arbeitet intensiv zu klimafreundlichen Rahmenbedingungen seitens der Politik und der Transformation unserer Wirtschaft. Aktuell leitet Viviane Raddatz interimsmäßig die Klima-Allianz Deutschland. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Sie ahnen es, wir wollen und müssen über die Klimakrise sprechen. Häufigere 40-Grad-Tage mitsamt Hitzetoten sind eine ihrer Auswirkungen. Ihre Ursache: Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas. Womit wir beim Bild oben von der Wärmespeicherung in Gläsern wären. Realitätsfremd ist das schon. Der Wissenschaft unangemessen.

Leider handeln Teile der Bundesregierung aktuell zu häufig genauso: realitätsfremd und der Wissenschaft unangemessen.

Die Schere geht auseinander

Denn sonst würden Erneuerbare nicht ausgebremst und Fossile nicht gefördert. Das Speichern von CO2 nicht in großem Maßstab als Lösung angesehen - wo es bessere gibt. Geld nicht für umweltschädliche Praktiken wie den Tankrabatt ausgegeben.

Und genau jetzt, wo die Schere zuhause zwischen eigentlich Nötigem und tatsächlich Beschlossenem auseinandergeht, sollen auf der 31. globalen Klimakonferenz Blockaden abgebaut werden. Damit die Erderhitzung doch noch begrenzt wird auf ein Maß, mit dem sich unsere Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen erhalten lassen.

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Die Klimakonferenz COP31 wird Mitte November in der Türkei stattfinden. Sie steht im Zeichen von zwei Schlagworten: Implementierung und Elektrifizierung.

Implementierung, also die Umsetzung von Beschlüssen muss ab jetzt Priorität haben. Denn der große Rahmen steht: Die Erderhitzung soll auf möglichst 1,5 Grad begrenzt werden: Ein Überschreiten dieser Grenze darf nur temporär sein, die Kurve muss also langfristig wieder darunter führen.

Roadmap für den „Taff“-Plan

Unumgänglich dafür ist die Abkehr von fossilen Energien.

Im Konferenzjargon wird dies mit „Taff“ abgekürzt (Transition Away from Fossil Fuels). Auch darauf hat sich die Staatengemeinschaft bereits geeinigt. Einige Länder haben damit begonnen, in sogenannten Roadmaps (also Fahrplänen) einen Weg für diese Abkehr vorzuzeichnen. Deutschland hat solch eine Roadmap vorgelegt. Ein tolles Signal, international gesehen. Aber dem Signal fehlt zuhause der Strom.

Denn statt die Abkehr zu beschleunigen, setzt Deutschland weiter insbesondere auf fossiles Gas. Die Erneuerbaren wiederum, unsere Zukunftsgarantien, werden ausgebremst. Das wird besonders deutlich am Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG), über das gerade entschieden wird. Dem Zugpferd für Deutschlands Zukunftsfähigkeit soll ein Bremsklotz angehängt werden. Dabei bräuchte es mehr Anreiz für den Ausbau und bessere Netze.

Die Frage nach der Mitigation

Während Deutschland zuhause seine Taff-Roadmap so umsetzen müsste, dass sie nicht zum Irrweg wird, geht es vor, auf und rund um die COP31 auch darum, ob weitere Länder ihrerseits Roadmaps vorlegen. Sie können die CO2-Minderung, die sogenannte Mitigation, maßgeblich beflügeln, wenn sie konkrete Ausstiegspfade aufzeigen und Planbarkeit verbessern.

Aktuell bestehen beim Thema Minderung noch große Lücken. Eine Weiterführung des Arbeitsprogramm zu Minderung, das bei der der COP31 beschlossen werden muss, sollte sich auch weiter darum kümmern, diese Lücken zu schließen.

Elektrifizierung alleine reicht nicht

Hier spielt auch Schlagwort Nummer zwei hinein, die Elektrifizierung.

Der Klimakonferenz-Gastgeber Türkei setzt sich für eine Initiative ein, den Anteil der Elektrifizierung am globalen Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent zu steigern.

Doch während die Elektrifizierung nun in aller Munde ist, sollte sie nie allein ausgesprochen werden. Nur im Zusammenhang mit Erneuerbaren und der Abkehr von Fossilen ist sie langfristig die Lösung, um die Klimaziele zu erreichen.

Denn wenn der Strom für E-Autos und Wärmepumpen aus Wind und Sonne kommt, können wir klimaneutral heizen und Auto fahren. Kommt der Strom langfristig weiter aus dem Verbrennen von Fossilen, heizen wir im Auto und in der Wohnung weiter die Klimakrise an, selbst wenn die Umstellung auf Strom effizienter ist.

Gebrochenes Versprechen

Weiterer Agendapunkt in der Türkei: die Klimafinanzierung für die Unterstützung einkommensschwacher Länder.

Auch hier geht es um die Umsetzung. Zwar hat sich die internationale Gemeinschaft auf ein neues Finanzierungsziel verständigt: Die jährliche Klimafinanzierung soll bis 2035 auf 1,3 Billionen US-Dollar anwachsen, wobei Industrieländer mindestens 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr beitragen sollen. Doch bislang hat die Bundesregierung so wie die meisten anderen Industrieländer noch nicht dargelegt, mit welchem Beitrag sie dieses Ziel erreichen wird.

Zudem klafft nun bei der bisherigen Zusage eine Lücke: Statt der versprochenen 6 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln pro Jahr wurden 2025 lediglich 4,7 Milliarden Euro bereitgestellt.

Noch scheint nicht verstanden worden zu sein: Investitionen in Klimaschutz rechnen sich.

Haushaltsbedingte Kopfschmerzen

Es ist günstiger (und für das menschliche Wohlergehen förderlicher), sich jetzt nachhaltig aufzustellen, als die Folgen einer nicht ausreichend gebremsten Erderhitzung zu finanzieren (apropos Hitzetage in diesem Sommer). Gleichzeitig braucht es auch heute schon ausreichend Mittel für die Anpassung an die Klimakrise und für die Schäden und Verluste – siehe Nepal. Bis 2035 gilt es, die Anpassungsfinanzierung zu verdreifachen auf Basis des 2025-Zieles. Zudem braucht das globale Anpassungsziel wirkungsvolle Kriterien für die Umsetzung.

Bis zur COP31 sollte Deutschland darlegen, wie ein angemessener Beitrag zum neuen Finanzierungsziel aussieht – und dann auch liefern. In einer vernetzten Welt profitieren auch wir in Deutschland davon, wenn die Wirtschaft andernorts zukunftsfest und Natur erhalten wird. Der WWF fordert eine Steigerung der öffentlichen internationalen Klimafinanzierung auf mindestens 12 Milliarden Euro jährlich bis 2030. Doch die aktuellen Haushaltsverhandlungen genau wie die EEG-Verhandlungen bereiten Kopfschmerzen, statt Optimismus so kurz vor der COP.

Kein Fortschritt zu erkennen

Denn es mangelt nicht nur an Geldern für den internationalen Klimaschutz in Deutschland. Insgesamt stehen für den Klima- und Umweltschutz nicht genug Mittel zur Verfügung. Im wichtigsten Topf, dem Klima- und Transformationsfond, wird gekürzt und Mittel potenziell zweckentfremdet, auch die Sondervermögen werden teils nicht gemäß ihrer Ziele investiert, im Kernhaushalt sinken die Zukunftsinvestitionen.

Dabei könnten viele Mittel freigesetzt werden, wenn endlich die umwelt- und klimaschädlichen Subventionen umgeleitet würden – die uns doppelt und dreifach teuer zu stehen kommen. Doch auch hier ist in Deutschland kein Fortschritt zu erkennen. Statt Menschen wirklich von der fossilen Energiepreiskrise zu entlasten, hat die Bundesregierung im Herbst mit dem erneuten Tankrabatt ein weiteres und teures Pflaster aufgeklebt, das die fossile Wunde nicht heilen kann.

Der November bringt nun einen kleinen klimapolitischen Showdown.

National sollen EEG- und Haushaltsdebatten in Beschlüssen münden, international die COP31 die Weltgemeinschaft beim Klimaschutz voranbringen. Deutschlands gutes Standing auf internationalem Klimaparkett sollte sich dann nicht nur in Antalya niederschlagen, sondern auch in Berlin.

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