Explosion in der Donau: Rumänien jagt Felsen mit 180 Kilogramm Sprengstoff in die Luft - Wasser muss AKW kühlen
Rumänien hat am Montag einen Felsen in der Donau gesprengt, um mehr Kühlwasser zum Atomkraftwerk Cernavodă zu leiten. Dort war bereits in der Vorwoche einer von zwei Reaktoren abgeschaltet worden, weil der Wasserstand des Flusses stark gefallen war. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollte die kontrollierte Explosion den Weg für einen provisorischen Damm freimachen. Dieser soll mehr Wasser in den Kanal lenken, an dem der noch laufende Reaktor liegt. Die rumänische Marine teilte laut dem Bericht mit, die Arbeiten sollten bis Mittwoch beendet sein. Sprengung an der Donau für das AKW Cernavodă Die Explosion schleuderte Wasser und Geröll in die Luft. Nach Angaben der Zeitung „Adevărul“ wurden dabei 180 Kilogramm Sprengstoff eingesetzt. Fachleute erwarten, dass die Behörden danach eine Barriere errichten können, um den Zufluss gezielt zu verändern. Verteidigungsminister Radu Miruță sagte laut Reuters: „Jeder Tag nach Mittwoch oder Donnerstag, an dem das Atomkraftwerk läuft, ist ein Gewinn.“ Ein Betriebstag sei „dreimal effizienter als die Kosten dieser Operation“. Rumäniens staatlicher Atomstromerzeuger Nuclearelectrica deckt im Normalbetrieb rund ein Fünftel des Strombedarfs des Landes. Wegen des Niedrigwassers musste einer der beiden Reaktoren früher als geplant vom Netz. Laut dem „Guardian“ rief die Regierung für den gesamten August den landesweiten Notstand aus, weil die Stromproduktion zurückgegangen ist. ANZEIGE ANZEIGE Ungarns Atomkraftwerk Paks liefert nur noch wenig Strom Auch in Ungarn trifft das Niedrigwasser an der Donau die Stromversorgung. Das Atomkraftwerk Paks arbeitet nur noch mit stark verringerter Leistung. Die Anlage mit 2 Gigawatt deckt normalerweise etwa die Hälfte des ungarischen Strombedarfs. Ministerpräsident Péter Magyar sagte, am Montag habe möglicherweise nur noch die letzte Turbine mit 240 Megawatt weiterlaufen können. Das sei wichtig, weil damit an einem Tag mit sehr hohem Verbrauch eine komplette Abschaltung vermieden werde. Zunächst hatte die Regierung erklärt, Paks müsse womöglich schon am Sonntag ganz vom Netz. Später hieß es, der Betrieb könne bei reduzierter Leistung noch bis Montag oder Dienstag fortgesetzt werden. Der „Guardian“ berichtet, eine vollständige Abschaltung in der kommenden Woche sei weiterhin möglich. Sie könnte mehrere Wochen dauern, falls der Fluss zu flach bleibt. Stromsparen in Rumänien, Ungarn und Serbien Beide Regierungen riefen Haushalte und Firmen zum Stromsparen auf. In Ungarn sank der Bedarf am Sonntag nach Regierungsangaben um 700 Megawatt. Der Pharmakonzern Richter will seinen Verbrauch in den kommenden drei Wochen um mehr als 50 Prozent senken und täglich 4 Megawatt aus einem Solarpark bereitstellen. In Rumänien sollen Dacia und Ford ihre Produktion bis 19. August pausieren und so rund 200 Megawatt einsparen. Ford Rumänien stellte laut Reuters klar, dass die Sommerpause schon vorher geplant war. Auch Serbien bekommt die Folgen der Dürre zu spüren. Dort arbeitet ein wichtiges Wasserkraftwerk nur noch mit 20 Prozent seiner Leistung. Ministerpräsident Djuro Macut leitete deshalb am Montag eine Krisensitzung zur Energieversorgung. Der Pegel der Donau dürfte in den nächsten Tagen und Wochen niedrig bleiben, weil kaum Regen erwartet wird.