Extremwetter in Deutschland: Hitzewelle rollt an - "wie Herdplatte"
Extremwetter in Deutschland Neue Hitzewelle rollt an – "wie eine Herdplatte" Von Matti Hartmann Aktualisiert am 25.07.2026 - 15:38 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Knochentrockene Böden, Gluthitze aus der Sahara: Auf Deutschland rollt eine neue, großflächige Hitzewelle zu. Der Start fällt noch relativ verhalten aus – dann wird es spannend. Deutschland stehen erneut Hitzetage bevor. "Der Motor sitzt im Süden Europas", teilt der Diplom-Meteorologe Dominik Jung t-online auf Anfrage mit. Ein kräftiges Hoch pumpe diese Glutluft nun Stück für Stück nach Norden. Der Süden und der Südwesten schwitzen zuerst, bevor die Hitze ab Mittwoch auch auf den Norden übergreift. "Es wird von Tag zu Tag heißer", prognostiziert der Meteorologe. Ein erster Höhepunkt zeichne sich für Donnerstag und Freitag ab, dann seien verbreitet 32 bis 36 Grad zu erwarten, am Oberrhein und im Südwesten um 38 Grad. Neue Hitzewelle startet: Steigende Unwettergefahr ab Mittwoch Das erscheint im Vergleich zu der Rekordhitzewelle Ende Juni fast harmlos, bei der bis zu 41,7 Grad gemessen wurden, und die nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 5.100 Menschenleben forderte. Zumal die Luft laut Jung zu Beginn der Welle noch vergleichsweise trocken sein wird. "Die klebrige, tropische Schwüle fehlt anfangs, und die Nächte kühlen zunächst noch ordentlich ab", meint er. Im Video | So wird das Wetter in Ihrer Region Aber der große Hitzeknall könnte noch kommen: Ab der Wochenmitte strömt feuchtere Luft ins Land, was zunächst zu steigender Unwettergefahr führt, wie auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet. Kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen drohen. In der Tendenz dürfte zuerst der Nordwesten getroffen werden, später der Südosten. Sturzfluten auf Böden wie Beton – im August 40 Grad und mehr? Jung warnt vor einem tückischen Punkt: "Auf die knochentrockenen Böden prasselt der Starkregen wie auf Beton." Das Wasser sickere nicht ein, es laufe ab – und so würden ausgerechnet mitten in der Dürre lokale Sturzfluten und volllaufende Keller drohen, ohne dass die Trockenheit auch nur annähernd beendet wäre. Anschließend könnte die ganz große Hitze folgen. Jung spricht von einer möglichen "Glutwelle" Anfang August: Einzelne Modellläufe würden die Werte zum Monatswechsel schon in Richtung 39 bis 40 Grad schieben. Und das globale Vorhersagemodell des US-Wetterdienstes (GFS) setze sogar noch einen drauf: Es berechne für Anfang August stellenweise 43 bis 44 Grad. Anhaltende Dürre: Die Hitzedom-Gefahr steigt Jung betont, dass solche Werte Trendaussagen sind und keine belastbare Vorhersage. "Aber dass sie inzwischen fast im Wochenrhythmus auftauchen, ist ein Alarmsignal." Damit es wirklich so kommt, müsste sich dem Meteorologen zufolge ein Hitzedom über Mitteleuropa aufbauen, der die Luft tagelang immer weiter aufheizt und ständig Nachschub aus Iberien und der Sahara heranzieht. Passiere dies, könne die kommende Hitzewelle diejenige vom Juni noch übertreffen. Insbesondere die trockenen und aufgeheizten Böden machen das Szenario laut Jung so gefährlich. Denn während ein feuchter Boden Sonnenenergie in Verdunstungskühle wandelt, heize sich ein trockener Boden "wie eine Herdplatte" auf und gebe die Wärme direkt an die Luft ab. Das treibe die Temperaturen weiter hoch und könne eine Hitzeglocke verstärken und tagelang festhalten. "Die Böden sind der eigentliche Brandbeschleuniger dieses Sommers", lautet Jungs Fazit. Somit liege der Deckel für die Hitzeglocke bereit: "Es braucht nur noch das passende Hoch, das ihn zuschraubt." Waldbrandgefahr – und ein heißer Herbst Zudem steigt durch die Dürre die Waldbrandgefahr. Die Feuer in Spanien und Frankreich seien keine südeuropäische Exklusivität, warnt Jung. "Bei diesen Böden kann uns genau das auch treffen: Ein Funke, eine weggeworfene Kippe, eine heißgelaufene Landmaschine – mehr braucht es dann nicht." Die Trockenheit könnte außerdem zu einem ungewöhnlich heißen Herbst beitragen: Trockene Böden geben dem Wetterexperten zufolge kaum Feuchte an die Luft ab, was stabile Hochs und damit noch mehr Wärme und Trockenheit begünstigt. Hinzu kommen laut Jung die großräumige Zirkulation mit ihrer Neigung zu blockierenden Hochs und der generelle Erwärmungstrend in der Klimakrise. Die Folge: Vor allem der September dürfte sich wie ein zweiter Hochsommer anfühlen, mit Werten Richtung 30 Grad. Die europäischen und amerikanischen Langfristmodelle seien sich für den Herbst 2026 ungewöhnlich einig: Über alle drei Herbstmonate hinweg dürfte es ein bis zwei Grad zu warm werden. "Wichtig zur Einordnung: Langfristprognosen sind Trends, keine Detailvorhersagen. Einzelne Kaltluftvorstöße, Nebel und graue Tage sind trotzdem drin." Verwendete Quellen Anfrage an den Diplom-Meteorologen Dominik Jung dwd.de: "10-Tage-Vorhersage für Deutschland" Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... ShoppingAnzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading...