Fahrgeschäft-Panne auf der Wiesn: Gäste stecken kopfüber fest - Betreiber äußert sich
Startseite
Lokales
München
Oktoberfest
Fahrgeschäft-Panne auf der Wiesn: Gäste stecken kopfüber fest – Betreiber äußert sich
Von: Felix Herz
Uns auf Google folgen
Unglücklicher Start in die Wiesn: Bei einem Fahrgeschäft mussten Menschen minutenlang kopfüber in der Luft ausharren.
München – Update vom 20. September, 14 Uhr: Gegenüber dem BR hat sich inzwischen der Betreiber des betroffenen Fahrgeschäfts, des „Predator“, zu Wort gemeldet. Ihm zufolge hätten die Besucher nur rund 120 Sekunden über Kopf gestanden, insgesamt habe der Evakuierungsplan nur fünf Minuten gedauert – Worte, die in starkem Widerspruch zu den Schilderungen der Augenzeugin (siehe Update 9.45 Uhr) stehen.
Sensor löst technischen Defekt aus – TÜV sieht normalen Ablauf
Ursächlich für den technischen Defekt, der das Fahrgeschäft mitten in der Fahrt zum Stillstand gebracht hatte, sei ein Sensor gewesen, heißt es beim BR weiter. Dieser sei noch am Abend ausgetauscht worden, weswegen der TÜV nach einer neuerlichen Prüfung das Fahrgeschäft wieder freigegeben habe.
Zudem berichtet der BR mit Verweis auf TÜV-Kreise, dass der Ablauf bei dem Stillstand grundsätzlich korrekt gewesen sei. Ein Sicherheitsschalter müsse im Zweifel auslösen, dafür sei er nun mal da. Und die Rettung habe in relativ kurzer Zeit stattgefunden – bei stehen gebliebenen Seilbahnen gilt etwa ein Zeitfenster von bis zu drei Stunden als zulässiger Richtwert für eine Rettung.
Update vom 20. September, 9.45 Uhr: Eine Augenzeugin, die namentlich nicht genannt werden will, schildert unserer Redaktion gegenüber die dramatischen Minuten, als das Fahrgeschäft stillstand. Sie selbst sei als Zuschauerin davor gewesen, während ihr Mann und zwei Freunde mitfuhren. Schnell merkte sie, dass etwas nicht stimmte, als das Fahrgeschäft „auf einmal stehen blieb“. Sie hatte bereits zwei vorherige Runden beobachtet und habe daher gewusst, dass dies nicht zum normalen Ablauf gehörte.
Mitarbeiter laufen „panisch“ umher – schwere Vorwürfe von Augenzeugin
Anschließend seien Mitarbeiter „panisch“ unter den in der Luft hängenden Gondeln umhergelaufen und hätten versucht, mithilfe von Leitern den Betrieb wieder in Gang zu setzen. Eine Kommunikation vonseiten des Betreibers habe es derweil nicht gegeben. Anschließend wurde versucht, das Fahrgeschäft mit einem Seil wieder in Gang zu setzen. Auch das klappte der Augenzeugin zufolge nicht.
Sie habe anschließend die Feuerwehr gerufen. „Dann hat sich einer der Fahrgäste übergeben, die Feuerwehr kam nicht, da wurde ich panisch“, so die Augenzeugin. Ihr Mann habe ihr danach geschildert, dass sie vor allem Angst hatten, dass die Bügel der Gondeln aufgingen und sie herausfallen würden – was glücklicherweise nicht passierte. Letzten Endes beklagt die Augenzeugin aber ein „technisches Versagen, schlechtes Krisenmanagement und eine nachträgliche Beschönigung des Vorfalls“ – auch, weil die Gäste deutlich länger als offiziell angegeben in dem Fahrgeschäft festgesessen hätten.
Feuerwehr „sehr schnell“ vor Ort – Ursache für Stillstand war „technischer Defekt“
Angesprochen auf die Vorwürfe der Augenzeugin erklärt die Pressestelle der Aicher Ambulanz jedenfalls, dass sie nicht die Zeit bis zum Notruf mitzählen könne. Die „Vorlaufzeit bis zur Kontaktaufnahme“ fließe daher nicht in den Bericht mit ein. Zudem verweist die Aicher Ambulanz auf das Ergebnis des Vorfalls, bei dem es letzten Endes keinerlei schwerer Verletzungen gegeben habe. Die Pressestelle der Feuerwehr München, die die Höhenrettung zu dem Fahrgeschäft ausgesandt hatte, erklärt gegenüber unserer Redaktion, dass diese „sehr schnell“ vor Ort gewesen sei – zu dem Zeitpunkt das Fahrgeschäft jedoch bereits wieder auf dem Boden war.
Die Feuerwehr berichtet zudem, dass noch am selben Abend der TÜV das Fahrgeschäft geprüft und es anschließend wieder freigegeben habe. Es wurde noch am Abend wieder in Betrieb genommen. Ursächlich für den ungeplanten Stopp des Fahrgeschäfts sei ein „technischer Defekt“ gewesen. Eine Stellungnahme der Stadt München zum Notfallmanagement und Sicherheitskonzept steht aus.
Update vom 20. September, 8.40 Uhr: Auf Instagram kursiert aktuell ein Video, das den Vorfall vom Vortag zeigen soll. Zu sehen ist ein Fahrgeschäft, in dem die Gäste kopfüber in der Luft hängen – eine große Menschentraube steht davor, und beobachtet das Geschehen.
Das Video des Instagram-Users „jediritter10000“ hat bereits mehr als 80.000 Aufrufe. Es zeigt gen Ende auch, wie ein Mitarbeiter des Fahrgeschäfts mit einer Leiter anrückt, um sich der Sache anzunehmen. Anschließend endet das Video. Wie durch die Informationen der Aicher Ambulanz aber feststeht, kamen alle Gäste wohlbehalten aus der Situation heraus.
Erstmeldung vom 20. September: Am ersten Wiesn-Tag am Samstag, 19. September, gab es wirklich wenig auszusetzen. OB Krause zapfte das erste Fass gekonnt mit zwei Schlägen an, tausende Besucher strömten bei strahlend blauem Himmel auf die Festwiese und am Abend wurden in den Festzelten die ersten großen Wiesn-Partys gefeiert. So manch einer hatte aber nicht den schönsten ersten Wiesn-Tag, darunter wohl die erste Bierleiche des Jahres – und die Gäste eines Fahrgeschäfts, zu dem die Sanitäter ausrücken mussten.
„Besonderer Einsatz“ für die Sanitäter: Fahrgeschäfts-Besucher hängen kopfüber in der Luft
Wie die Aicher Ambulanz, der Sanitätsdienst, der auf der Festwiese selbst stationiert ist, berichtet, musste sie mit mehreren Einsatzkräften am Samstagnachmittag zu einem Fahrgeschäft ausrücken. „Die Aicher Ambulanz wurde mit mehreren Tragen zu einem besonderen Einsatz alarmiert“, heißt es dazu im Einsatzbericht. „Auch der im Einsatzkonzept neu eingeführte Supervisor der Aicher Ambulanz rückte mit aus: Er koordinierte die Tragentrupps am Einsatzort und kommunizierte mit der AICHER-Einsatzzentrale zur Patientenlage.“
Grund für den Einsatz laut Aicher Ambulanz: „Rund fünf Minuten sollen Besucherinnen und Besucher eines Fahrgeschäfts über Kopf gehangen haben.“ Gleichzeitig trafen anschließend die Sanitäter gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr an besagtem Fahrgeschäft ein. Die betroffenen Personen waren dabei wieder „auf dem Boden und außerhalb des Fahrgeschäfts“, so die Aicher Ambulanz. „Vor allem einige Jugendliche klagten über leichten Schwindel und Kreislaufprobleme“, heißt es weiter.
Sanitäter betreuen Besucher des Fahrgeschäfts
Die Besucher des Fahrgeschäfts wurden von den Sanitätern anschließend untersucht und betreut, konnten im Anschluss aber allesamt „erleichtert und selbstständig zurück auf das Festgelände gehen“. Für die Aicher Ambulanz war der Einsatz damit beendet. Um welches Fahrgeschäft es sich derweil handelte, geht aus dem Einsatzbericht nicht hervor. (Quelle: Aicher Ambulanz), (fhz)