Fährunglück vor Zypern: Passagiere machen Crew schwere Vorwürfe
Mindestens acht Menschen sind gestorben, weitere 18 Passagiere konnten bisher nicht gefunden werden. Eine Fähre mit 259 Passagieren und acht Crew-Mitgliedern war am Sonntag vor der Insel Zypern gekentert und später gesunken. Einige der Geretteten machen der Besatzung schwere Vorwürfe.
Kapitän soll von Bord der Fähre geflohen sein
Der Kapitän des gesunkenen Katamarans wurde nach Behördenangaben am Sonntagabend festgenommen, außerdem sieben Crewmitglieder.
Der Kapitän soll von Bord geflüchtet sein, als sich das Unglück anbahnte. Außerdem hätten einige der Schiffspassagiere von verschlossenen Türen und Fluchtwegen berichtet, sagte der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Alle Vorwürfe würden intensiv geprüft. Neben den Ermittlungen der Polizei werde es eine separate Untersuchung zu dem Unglück geben. Alle Ergebnisse bezüglich Betriebserlaubnis und Seetauglichkeit der Fähre sowie Sicherheitsvorkehrungen an Bord würden anschließend öffentlich gemacht.
Dramatische Rettungsaktion
Die Express-Fähre "Filo Jet" war am Sonntagmittag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) im Norden der Mittelmeer-Insel auf dem Weg ins südtürkische Mersin gekentert. Aus noch ungeklärten Gründen drang Wasser ein, der Katamaran lief voll, kippte zur Seite und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste. Einige Augenzeugen sprachen von einer Explosion. Mindestens acht Menschen starben, nach 18 Vermissten wurde in der Nacht noch gesucht.
Bei der Rettungsaktion spielten sich dramatische Szenen ab. Menschen in Schwimmwesten klammerten sich an den über Wasser treibenden Teil der havarierten Fähre und warteten auf Rettung, während über ihnen ein Helikopter kreiste. Augenzeugen berichteten von chaotischen Zuständen an Bord: Passagiere im unteren Deck des zweistöckigen Schiffes hätten panisch versucht, die Scheiben einzuschlagen, um nach draußen zu gelangen.
Schiffsdatenschreiber soll Erkenntnisse bringen
Das in mehr als 500 Meter Tiefe liegende Wrack soll durchsucht werden. Man hoffe, dabei auch den Schiffsdatenschreiber zu finden, der Aufschluss über den genauen Grund und Hergang des Unglücks geben könnte, sagte Verkehrsminister Arikli dem Sender BRT. Nach seinen Worten hatte die Fähre erst vor rund zwei Monaten eine Inspektion durchlaufen.
Mit Informationen von dpa