Fairphone 6+ im Test
Das Fairphone 6 hat uns im Test mit seinem modularen Aufbau, seiner Nachhaltigkeit und auch seinen normalen Smartphone-Fähigkeiten gut gefallen. Das neue Fairphone 6+ (UVP: 649 Euro) baut darauf auf. Anders als gewöhnliche Plus-Modelle bringt es keine größere Kamera und keinen stattlicheren Akku mit. Stattdessen gibt es mehr Arbeitsspeicher und einen neuen Prozessor. Geblieben sind die außergewöhnlich lange Garantie von fünf Jahren, die einfache Reparierbarkeit, die faire Produktion und der langfristige Software-Support.
Warum Fairphone?
Für jedes verkaufte Fairphone wird die Menge Elektroschrott recycelt, die man für die Herstellung des Smartphones benötigt. Die Rohstoffe stammen größtenteils aus recycelten (51 Prozent) oder fair zertifizierten Quellen, die Produktion erfolgt nach strengeren sozialen und ökologischen Standards als in der Branche üblich. Fairphone gibt einen CO 2-Fußabdruck von 29,3 kg für die Herstellung eines Geräts an. Das entspricht etwa dem CO 2-Ausstoß aus der Verbrennung von 12 Liter Benzin oder der Emission für die Herstellung von knapp 2 kg Rindfleisch.
Wie das Fairphone 6 setzt auch das Plus-Modell auf ein verschraubtes Gehäuse mit austauschbaren Komponenten und hat daher den nutzerfreundlichen Reparaturindex A und 10/10 Punkten bei iFixit. Zwölf Komponenten wie Akku, USB-C-Anschluss, Kameramodule oder Display lassen sich tauschen. Fairphone verspricht eine Software- und Ersatzteilversorgung bis mindestens 2033.
Optisch gibt es abgesehen von der Farbe "Cobalt Blau" keine Unterschiede zum 6er-Modell – Maße (156,57×73,28×9,6 mm; 193 g) und Form bleiben unverändert. Das Gehäuse besteht aus einem griffigen Kunststoff. Das Design ist geradlinig, aber ohne scharfe Kanten. An der Seite bleibt es beim auffällig gelben Schiebeschalter, über den sich die sogenannten Fairphone Moments aktivieren lassen.
Slider gegen Smartphone-Stress
Der Slider an der Gehäuseseite aktiviert einen reduzierten Smartphone-Modus ("Moments"), der Ablenkungen vermeiden soll. Sie können festlegen, welche Apps und Funktionen während eines Moments verfügbar sind. Aber nicht vergessen: Ohne den Slider gibt es kein Zurück. Aber mit einem Klick steht das Fairphone sofort wieder mit allen Funktionen parat. Wer diese Selbstbeschränkung nicht braucht, kann den Schalter auch für andere Aufgaben nutzen, etwa zum Aktivieren des Flugmodus, des Energiesparmodus oder der Taschenlampe.
Neuer Prozessor, mehr Tempo
Der größte Unterschied zum Fairphone 6, also das "Plus", versteckt sich im Innern: Statt des Snapdragon 7s Gen 3 arbeitet im Fairphone 6+ der Snapdragon 7s Gen 4. Dazu kommen 12 statt 8 Gigabyte Arbeitsspeicher. Im Alltag macht sich das Plus an Leistung bemerkbar. Apps starten schneller, die Bedienung ist direkter und Multitasking gelingt souveräner. Im COMPUTER BILD-Labor verbesserte sich die Temponote von 2,4 auf 2,2. Im Geekbench AI steigt die "KI-Leistung" um rund 40 Prozent. Damit ist das Fairphone 6+ zwar längst noch kein Leistungs- oder Gaming-Monster, aber im Alltag ist die Bedienung flüssig und Spiele laufen besser. Gerade im Hinblick auf eine jahrelange Nutzungszeit sorgt eine höhere Leistungsfähigkeit für bessere Reserven. Der Gerätespeicher beträgt wie zuvor 256 Gigabyte. Er ist per microSD um bis zu 2 Terabyte erweiterbar.
OLED-Bildschirm
Auch beim Display bleibt alles beim Alten. Das Fairphone 6+ nutzt denselben 6,31 Zoll großen LTPO-AMOLED-Bildschirm mit einer Auflösung von 2484x1116 Pixeln, der unter Gorilla Glass 7i steckt. Die Pixeldichte von 431 ppi sorgt für eine scharfe Darstellung. Im Labor erreichte der Bildschirm bei normalen Inhalten (SDR) eine maximale Helligkeit von 864 Candela pro Quadratmeter (cd/m²) und liegt damit zwar etwas über dem Fairphone 6 (770 cd/m²) aber deutlich hinter den sonst üblichen Werten in der Preisklasse. Alles unter 2.000 cd/m² ist heute fast schon enttäuschend. In Gebäuden ist das kein Problem, aber im Freien lässt sich das Fairphone 6+ bei schönem Wetter aufgrund der geringen Helligkeit nicht optimal ablesen. Bei HDR-Inhalten ist es ähnlich. Sie werden mit bis zu 892 cd/m² dargestellt – das Fairphone 6 schaffte im Test 926 cd/m². Farben gibt das OLED-Panel dafür sehr präzise wieder. Die Farbraumabdeckung fällt mit 100 Prozent sRGB und 97,7 Prozent DCI-P3 sehr gut aus. Die adaptive Bildwiederholfrequenz von 10 bis 120 Hertz ermöglicht den Spagat zwischen flüssiger Darstellung und stromsparendem Betrieb.
Updates und Ausstattung
Das Fairphone 6+ startet mit Android 16 und soll laut Hersteller bis mindestens 2033 mit sechs großen Android-Updates versorgt werden. Bluetooth 5.4, WLAN 6E, NFC, LTE und 5G gehören zur Ausstattung. Das Fairphone 6+ unterstützt Dual-SIM über Nano-SIM und eSIM. Dabei kann allerdings weiterhin nur eine der beiden Karten gleichzeitig im 5G-Netz arbeiten. Eine Klinkenbuchse gibt es nicht. Die IP55-Zertifizierung schützt nur gegen Staub und Spritzwasser. Damit bleibt das Fairphone hinter vielen Konkurrenzmodellen zurück, die mittlerweile vollständig wasserdicht sind. Das ist die Kehrseite der guten Reparierbarkeit des Fairphones mit seinen unverklebten Einzelteilen.
Akku: Wechselbar und ausdauernd
Wie beim Standardmodell kommt ein wechselbarer Akku mit 4.415 mAh zum Einsatz. Trotz identischer Kapazität hält das Fairphone 6+ im COMPUTER BILD-Handy-Akkutest etwas länger durch. Im Dauernutzungsszenario erreichte es starke 14:55 Stunden und liegt damit vor dem Fairphone 6 mit 14:38 Stunden. Geladen wird wie bisher mit maximal rund 30 Watt per USB-C. Nach 15 Minuten waren 35 Prozent erreicht, nach 30 Minuten 64 Prozent. Der vollständige Ladevorgang dauerte 1:19 Stunden. Kabelloses Laden unterstützt auch das Plus-Modell nicht.
Dual-Kamera mit leichten Verbesserungen
Bei der Kamera gibt es keinerlei Hardware-Unterschiede. Das Fairphone 6+ nutzt dieselbe Kombination wie das Fairphone 6. Die 50-Megapixel-Hauptkamera (LYTIA 700C; f/1.88) mit optischer Bildstabilisierung (OIS) gibt nach dem Pixel-Binning Fotos mit 12,6 Megapixeln (MP) aus. Die Ultraweitwinkel-Kamera (f/2.2) hat eine Auflösung von 13 MP. Sie hat einen Aufnahmewinkel von 120 Grad und ermöglicht dank Autofokus auch Makroaufnahmen. Die scheinbar dritte Linse ist keine Telelinse, sondern ein TOF-Sensor ( Time of Flight zur Distanzmessung).
Im Praxis-Test sorgte die Kamera für gute Fotos. Bei gleicher Hardware waren die Unterschiede erwartungsgemäß klein. Bei Tageslicht war die Fotoqualität mit der Note 1,5 unverändert gut. Die Bilder boten einen hohen Detailgrad, waren etwas überschärft und hatten leichte Belichtungsprobleme. Bei schlechter Beleuchtung bekamen Fairphone 6 und Fairphone 6+ die Bewertung 2,3. Das Bild war hell, etwas übersättigt und Details gingen etwas verloren. Insgesamt schnitt die Hauptkamera etwas besser ab. Die 32-Megapixel-Frontkamera liefert ebenfalls ein klein wenig bessere Ergebnisse, aber beide Fairphones bleiben bei der Selfie-Note 2,0. Teleaufnahmen sind digitaler Natur und maximal bis zu einer zehnfachen Vergrößerung möglich. Dann leidet die Bildqualität allerdings erheblich (siehe Beispiel). Videos sind in FHD mit 60 fps und in 4K bei 30 fps möglich.
Fairphone 6+: Preis
Das Fairphone 6+ kostet 649 Euro und ist damit 50 Euro teurer als der Vorgänger Fairphone 6. Dafür gibt es 12 statt 8 GB Arbeitsspeicher und den moderneren Prozessor.
Test-Fazit: Fairphone 6+
Fairphone verändert nicht das Gesamtkonzept, sondern verbessert Prozessorleistung und Arbeitsspeicher. Der Snapdragon 7s Gen 4 und 12 GB RAM sorgen für mehr Reserven, schnellere Reaktionen und eine etwas bessere Akkulaufzeit. Kabelloses Laden fehlt weiterhin, das Gehäuse ist nicht wasserdicht und die Kamera ist auch keine Offenbarung. Wer ausschließlich auf die technische Ausstattung schaut, bekommt für 649 Euro leistungsstärkere Smartphones, aber ohne die Besonderheiten, die Fairphones auszeichnen: die Kombination aus langer Nutzungsdauer, nachhaltiger Produktion und einfacher Reparierbarkeit. Fast hofft man, dass auch mal was kaputtgeht, damit man die Befriedigung einer günstigen, eigenhändigen Reparatur erleben kann. Wer ein Smartphone sucht, das man jahrelang nutzen und gegebenenfalls selbst reparieren kann, findet hier die überzeugendste Fairphone-Version mit der bislang besten Testnote.