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Fakevideos in Sachsen-Anhalt: "Man stelle sich vor, das geht tatsächlich viral"

Nation

Mord, Sexpartys, Betrug und irgendwas mit Nazis ist auch immer dabei. Willkommen in der gruseligen Welt der Fake News. Gefälschte Nachrichtenvideos dichten Politikern eine ganze Palette von Straftaten an. Eine gezielte Desinformationskampagne mitten in den Landtagswahlkämpfen.

Das ist einer der Betroffenen: Olaf Meister, Landtagskandidat für die Grünen in Sachsen-Anhalt.

Olaf Meister, Bündnis 90/Die Grünen:

»Das kannte ich noch gar nicht«

Meister soll laut einem der Fakes gemeinsam mit einer Parteikollegin einen Milliardenbetrug begangen haben.

Olaf Meister, Bündnis 90/Die Grünen:

»Bonnie und Clyde, das ist wirklich stark.«

Der Grüne nimmt es mit Humor – weiß aber auch: Solche Kampagnen sind gefährlich. Warum diese Fakes und warum jetzt? Vom Abschneiden der Grünen bei der Landtagswahl hängt viel ab.

Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen:

»Im Moment sind die Grünen die Partei der Stunde in Sachsen-Anhalt.«

Nehmen die Grünen die Fünfprozenthürde, sinken die Chancen der AfD auf eine Regierungsübernahme erheblich.

Genau das könnte der Grund für die Schmutzkampagne sein. Olaf Meister taucht gleich in mehreren Videos auf – ihm wird auch die Verbreitung von Nazipropaganda unterstellt.

Olaf Meister, Bündnis 90/Die Grünen:

»Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mit Holocaustleugnung ... Das ist so weit weg, also wieso? Deswegen war ich, als ich das das erste Mal sah, entspannt. Aber man stelle sich vor, das geht tatsächlich viral. Und erreicht große Mengen an Leuten. Dann ist man natürlich ständig in der Frage: Was ist denn da los?«

Betroffen sind auch Kandidaten anderer Parteien, und es sind ; die Vorwürfe: immer dieselben Horrorstorys von Mord, Missbrauch und anderen Straftaten. Logos renommierter Medien sollen Echtheit suggerieren, eine KI-Stimme nennt den Wahltermin – typische Kennzeichen der sogenannten »Matrjoschka«-Kampagne.

»... in the 20th september election in Berlin ...«

Ein Netzwerk von Bots und Fake Accounts verbreitet die Videos und schafft künstlich Reichweite – Die betroffenen Social-Media-Plattformen konnten die meisten Videos inzwischen entfernen. Gesteuert wird die Desinformation aus Russland, da sind sich Experten einig.

Pablo Maristany vom Institute for Strategic Dialogue hat rund 250 "Matrjoschka"-Posts mit Bezug auf die anstehenden Landtagswahlen ausgewertet.

Pablo Maristany, ISD:

»Es ist auch interessant, dass alle Parteien attackiert worden sind, außer der BSW und die AfD, die natürlich die Parteien sind, die gegen Sanktionen gegen Russland sind. Grundsätzlich ist das Ziel, diesen Diskurs, diesen öffentlichen Diskurs zu polarisieren, zu unterminieren mit russischer Desinformation.«

Die gute Nachricht für Kandidierende wie Olaf Meister: Viral gegangen ist bislang keine der Fake-Geschichten, wohl auch, weil die Videos auf Englisch sind. Der Einfluss auf Wählerinnen und Wähler scheint also begrenzt. Die grüne Spitzenkandidatin warnt trotzdem.

Susan Sziborra-Seidlitz, Bündnis 90/Die Grünen:

»Also da gibt es sichtbar und erkennbar eine Russlandnähe und da gibt es damit natürlich auch sichtbare und erkennbar ein Interesse Russlands an dieser Landtagswahl hier in Sachsen-Anhalt und das Interesse ist Destabilisierung. Das Interesse hier ist, so viel zu stören, dass das Einfluss auf die Landtagswahl hat.«

Susan Sziborra-Seidlitz, Bündnis 90/Die Grünen:

»Das ist ein entscheidender Angriff auf unseren Staat und ich glaube, insofern müssen wir da als Deutschland anders und auch schlagkräftiger drauf reagieren.«

Olaf Meister hat reagiert, mit einer Strafanzeige. Darüber hinaus bleibt er gelassen, denn bisher hat ihn im Wahlkampf – bis auf DER SPIEGEL – niemand auf seine angedichteten Verbrechen Straftaten angesprochen.

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