Fall Fabian: Schlüssige Antworten von Gina H. stehen noch aus
Stand: 14.09.2026 18:38 Uhr
Im Mittelpunkt des 28. Verhandlungstags im Fabian-Prozess am Landgericht Rostock sollen wieder die Fragen des Gerichts an die Angeklagte stehen. Die Befragung war am Donnerstag unterbrochen worden.
von Andreas Frost
Im Mordprozess zum Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow soll die Angeklagte an diesem Dienstag weitere Fragen beantworten. Außer den Richtern hoffen auch die Staatsanwälte und die Nebenklägerin auf Antworten der wegen Mordes angeklagten Frau. Mehr als fünf Stunden hatte der Vorsitzende Richter Holger Schütt der 30-Jährigen am Donnerstag teilweise bohrende Fragen gestellt. Eine schlüssige Antwort auf die letzte Frage war die Angeklagte dabei bislang schuldig geblieben.
Letzte Frage unbeantwortet
Schütt wollte wissen, warum sie drei Tage nach dem Verschwinden des kleinen Jungen aus Güstrow einem Bekannten bat, zusammen in der Nähe von Klein Upahl (Landkreis Rostock) unter anderem "im Wald oder auf’m Acker" zu suchen. Das schlug sie in einer sichergestellten Sprachnachricht vor.
Täterwissen offenbart?
"Wieso Acker, was ging in Ihrem Kopf vor?", fragte der Vorsitzende Richter. Damals war öffentlich noch nicht bekannt, dass Fabian tot an einem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl lag. Deshalb steht im Raum, dass Gina H. in ihrer Sprachnachricht sogenanntes Täterwissen offenbart haben könnte. Möglicherweise kann Gina H. an diesem Dienstag eine andere Erklärung dafür bieten.
Gina H. widerspricht sich
Der Vorsitzende Richter hinterfragte vor allem Details aus ihrer 95-seitigen Aussage, die Gina H. im August verlesen hatte. Mehrmals verhedderte sich die Angeklagte. Mal hatte sie am 10. Oktober 2025 - dem Tag, als Fabian vermisst gemeldet wurde - ihr Portemonnaie auf einer Fahrt zu einer Güstrower Bank dabei, dann wieder nicht. Sie gab auch an, von einem Treffen mit einem Freund direkt zur Kita ihres Kindes und zum Einkaufen gefahren zu sein. Als Schütt bemerkte, sie habe laut einer Überwachungskamera beim Einkaufen ihr Portemonnaie gezückt, behauptete sie, zwischendurch doch zuhause gewesen zu sein.
"Um Kopf und Kragen geredet"
Die Anwältin von Fabians Mutter, Christine Habetha, war sich am Donnerstag bereits sicher, Gina H. habe sich "um Kopf und Kragen geredet". Gina H.‘s Verteidiger Andreas Ohm meinte, vermeintliche Widersprüche in den Antworten seiner Mandantin seien nicht geeignet, ihr die Tat nachzuweisen.
Fabian wurde erstochen
Fabian wurde am 10. Oktober vergangenen Jahres von seiner Mutter als vermisst gemeldet. Vier Tage später wurde seine Leiche gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl rund 15 Kilometer südlich von Güstrow erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden.
Das achtjährige Kind war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor Fabians Verschwinden hatte der Vater sich von Gina H. getrennt. Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Mit einem Urteil wird bislang im Oktober gerechnet.
Fall Fabian - Alle Podcast-Folgen