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Fall in Heidelberg: Wenn das Familiengrab plötzlich verschwindet

Nation

Rolf Eckert pflegt seit 30 Jahren regelmäßig das Grab seiner Eltern auf dem Heidelberger Bergfriedhof. Als er an einem Samstag im August Blumen niederlegen möchte, ist der Grabstein samt Grabschmuck plötzlich verschwunden. Die Friedhofsverwaltung hat nach eigenen Angaben keine Räumung angeordnet, alle Bemühungen blieben bislang ohne Erfolg. Rolf Eckert wendete sich damit zunächst an die regionale Zeitung. Die Rhein-Neckar-Zeitung hat daraufhin über den Fall berichtet.

Grab wurde "schändlich abgeräumt"

Rolf Eckert ist 75 Jahre alt und lebt in Heidelberg. Sein Vater Karl Eckert ist seit 1996 auf dem Heidelberger Bergfriedhof beerdigt, seine Mutter Elisabeth Eckert folgte ihrem Ehemann im Jahr 2005. Das Familiengrab ist in Laufweite zu Eckerts Wohnung.

Der ehemalige Werbekaufmann hatte eine gute Beziehung zu seinen Eltern. Noch heute besucht und pflegt er ihr Grab regelmäßig. Dem SWR erzählt er, was er an seinen Eltern am meisten schätzte: "Mein Vater hatte einen wunderbaren Humor. Meine Mutter war eine Frau, die mit jeder Situation fertig geworden ist. Sie hat fünf Kinder großgezogen und wurde irgendwann schwer krank. Trotzdem war sie bis zum Schluss sehr lebensfreudig." Umso trauriger macht es ihn, dass ihr Grab "so schändlich abgeräumt wurde".

Seit Mitte August ist das Grab verschwunden

Am 15. August wollte Eckert Blumen auf das Familiengrab legen. Den Weg kennt er, wie er sagt "in- und auswendig". Als er vor einer abgeräumten Fläche steht, wo einst das Grab seiner Eltern war, wird er stutzig und zweifelt an sich selbst, erzählt er: "Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein. Wo ist das Grab? Das Grab war komplett abgeräumt. Dann bin ich noch mal zurück, einen anderen Weg gelaufen und hab gedacht, vielleicht hab ich selbst in der Hitze was abbekommen." Doch Eckert halluziniert nicht, das Grab ist weg. Ratlos ruft er seine Geschwister an - die können es ebenfalls nicht fassen: "Meine Schwester Brigitte dachte, ich scherzte. Als sie herkam, war sie unter Schock und weinte los."

Familiengrab verschwindet - Friedhofsverwaltung ist ratlos

Nach der ersten Aufregung nimmt Eckert Kontakt zur Friedhofsverwaltung auf. Anfangs gehen er und sein Anwalt davon aus, dass es sich um eine fälschliche Räumung handeln muss. Betreut wird Eckert von Rechtsanwalt Constantin Schiffer. Der Anwalt habe so einen Fall noch nie erlebt.

"Anfangs sind wir davon ausgegangen, dass sich alles schnell aufklären lässt und wir den Grabstein finden. Aber die Hoffnung schwindet mit der Zeit", so Constantin Schiffer weiter. Denn der Fall lässt auch die Friedhofsverwaltung ratlos zurück. Eine Räumung habe man nie veranlasst. Vom Grabstein fehlt jede Spur. Auch die Stadt Heidelberg, die für den Bergfriedhof zuständig ist, zeigt sich entsetzt und bedauert den Vorfall. Auf Anfrage des SWR heißt es: "Trotz zahlreicher Gespräche und Berichterstattung zu dem Verschwinden konnten seitens der Stadt bislang keine Erkenntnisse gewonnen werden, die zur Aufklärung des Sachverhalts beitragen." Man habe der Familie Unterstützung angeboten.

Diebstahl oder tragischer Fehler?

Für Grabdiebe ist der Friedhof ein Ort mit wertvollen Rohstoffen. Sie haben es vor allem auf Metall abgesehen. Nach Angaben der Polizei Mannheim steigen die Fallzahlen von Diebstählen auf Friedhöfen. In Heidelberg, Mannheim und dem Rhein-Neckar-Kreis wurden im vergangenen Jahr insgesamt 295 Fälle gemeldet. Zum Vergleich: 2022 waren es gerade einmal 47. Normalerweise bedienen sich die Diebe an Bronze- und Kupferfiguren. Anfang des Jahres gab es mit dem Diebstahl der Edinger Friedhofsglocke einen Extremfall. Einen vergleichbaren Vorfall wie den von Familie Eckert habe es aber noch nie gegeben, so ein Sprecher der Polizei. Mittlerweile hat die Familie Anzeige gegen Unbekannt erstattet - wegen Störung der Totenruhe und aller mit diesem Fall einhergehenden Straftatbestände. Die Ermittlungen würden jetzt bei der Staatsanwaltschaft liegen.

Keine Lösung in Sicht

Eckert hofft immer noch, dass die Grabausstattung wiedergefunden wird. Für das Grab habe er in den 90er-Jahren rund 7.500 Mark gezahlt. Doch es geht ihm nicht um das verlorene Geld, sondern um den emotionalen Wert: "Todestag, Ostern, Weihnachten, wir kommen übers Jahr immer wieder hierher. Meine Eltern waren tolle Menschen. Deswegen kämpfe ich dafür, dass aufgeklärt wird, wo unser Elterngrab abgeblieben ist."

Wird der Grabstein und der Rest nicht wiedergefunden, hat Eckert noch eine andere Idee: "Unabhängig von dem, dass uns das fürchterlich mitnimmt, wäre eine Lösung, dass man vielleicht eine Gedenkplatte hierhin macht, auf der steht: 'Hier ruhen Karl Eckert und Elisabeth Katharina Eckert - bis am 15. August 2026 ihr Grab gestohlen wurde.' Damit könnte ich leben."

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