Falscher Notfallsanitäter wegen tödlichen Einsatzes zu zehn Jahren Haft verurteilt
Ein Mann, der sich über Jahre hinweg mit gefälschten Unterlagen als Notfallsanitäter ausgegeben hat, ist vom Landgericht Kleve zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die Richter sprachen den 30-Jährigen wegen Totschlags, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Urkundenfälschung schuldig. Nach Überzeugung des Gerichts führte sein Fehlverhalten bei einem Rettungseinsatz im August 2025 zum Tod eines 80-jährigen Patienten. Der Vorsitzende Richter Gerhard van Gemmeren sprach von einem »erschreckenden Sachverhalt« und einer »gemeingefährlichen Hochstapelei«. Der Angeklagte habe sich wiederholt als Rettungs- und Notfallsanitäter ausgegeben, obwohl ihm die erforderliche Qualifikation fehlte. »Zehn Jahre oder lebenslang?« Das Urteil sei »haarscharf am Mord vorbei«, sagte der Richter. Die entscheidende Frage sei gewesen: »Zehn Jahre oder lebenslang?« Im Prozess widersprachen sich die medizinischen Sachverständigen. Während ein Gutachter davon ausging, dass der Patient wegen seiner schweren Vorerkrankungen vermutlich auch bei einer früheren notärztlichen Behandlung nicht überlebt hätte, kam ein weiterer Experte zu dem Schluss, dass der Tod mit den richtigen Maßnahmen hätte verhindert werden können. Der 30-jährige Angeklagte hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, sich mit gefälschten Dokumenten als Notfallsanitäter ausgegeben zu haben. Er erklärte, er habe Menschen helfen und niemandem schaden wollen. Zum Ende des Verfahrens entschuldigte er sich bei den drei Töchtern des Verstorbenen, die als Nebenklägerinnen auftraten. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren gefordert, die Verteidigung plädierte auf eine deutlich geringere Strafe. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann Revision einlegen.