Falschgeld: Woran man Blüten erkennt und welche Strafen drohen
Stand: 26.10.2026 08:27 Uhr
Rund 68.000 falsche Banknoten waren 2025 laut Bundesbank im Umlauf - ein Schaden von etwa 4 Millionen Euro. Wie Betroffene im Norden sich schützen und Ermittler gegen die Täter vorgehen.
von Natalie Shiro Beck
Volksfest in Zetel im Landkreis Friesland. Im Festzelt der Familie Claasen wechseln täglich Hunderte, wenn nicht Tausende Geldscheine den Besitzer. Das Personal muss neuerdings jeden einzelnen prüfen. "Man sieht es ja, wie weit wir schon sind", sagt René Claasen, der in dritter Generation am Ausschank steht, "dass wir wirklich jeden Geldschein testen". Dass es auch hier immer wieder Versuche gibt, Falschgeld in ihre Kassen zu bringen, findet er, sei "einfach ein Vertrauensbruch".
Weniger Barzahlung, aber kaum weniger Blüten
2025 stellte die Bundesbank etwa 68.000 falsche Scheine fest, rund sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Langfristig schwankt die Zahl allerdings stark. Ein dauerhafter Rückgang ist nicht absehbar und das, obwohl immer mehr mit Karte gezahlt wird. Weniger als jede zweite Zahlung im Alltag wird noch mit Bargeld getätigt.
LKA Schleswig-Holstein durchsucht wöchentlich
In Schleswig-Holstein registrierte die Polizei 2025 167 Falschgeld-Straftaten, rund 60 Fälle mehr als im Jahr davor. Schleswig-Holstein ist nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) das einzige Flächenland mit einer eigenen zentralen Falschgeldstelle. Kommissar Florian Freiberg ist Teil des Teams und nach eigenen Angaben fast jede Woche im ganzen Land unterwegs, um Durchsuchungsbeschlüsse gegen mutmaßliche Täter umzusetzen.
Oft seien die Täter jung, so Kommissar Freiberg. Einen großen Teil machten Jugendliche und Heranwachsende aus. So auch bei einer Durchsuchung in Neumünster, bei der die Ermittler drei falsche Hunderter fanden.
Der Bewohner soll ein halbes Jahr zuvor in einem Hamburger Supermarkt versucht haben, eine Ware für einen Euro mit einem falschen 100-Euro-Schein zu bezahlen. Damals fand die Polizei nach eigenen Angaben rund 80 weitere falsche Scheine bei ihm. Ein Problem sei, so Freiberg, dass viele davon ausgingen, dass Falschgeld ein einfacher Betrug sei.
Harte Strafen für Falschgeld
Wer Falschgeld herstellt oder es sich beschafft, um damit zu bezahlen, riskiert in Deutschland allerdings mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Wer ahnungslos eine Blüte annimmt, macht sich dagegen zunächst nicht strafbar. Strafbar ist es erst, sie wissentlich weiterzugeben. Auch dann drohen laut Gesetz Geldstrafen oder sogar bis zu fünf Jahre Haft. Freiberg betont, dass mit voller Härte gegen diese Fälle angegangen werde, denn es gehe um die Sicherheit des Zahlungsverkehrs.
"Movie Money": Qualität der Fälschungen wird schlechter
Der Beschuldigte aus der Durchsuchung in Neumünster sagt, er habe das Geld als Party-Gag gekauft. Die Scheine seien sogar als falsch gekennzeichnet: "Movie Money" steht klein oben in der Ecke der Scheine. Kommissar Freiberg hält dagegen: "Leider zählt das aber nicht."
Entscheidend sei, dass der Mann damit bezahlen wollte. Einfache Fälschungen wie diese, oft mit einem Aufdruck, der sie als Filmrequisite ausgibt, sind laut Bundesbank immer häufiger im Umlauf. Sie werden als Massenware im Ausland produziert und online verkauft.
Die beschlagnahmten Scheine kommen ins Labor des LKA. Kriminaltechnikerin Linda Gossen sucht darauf nach Fingerabdrücken und sieht dabei auch, wie die Fälschungen gemacht sind. Nur wenige Sicherheitsmerkmale seien gut nachgeahmt gewesen. "Also die Glitzerbanderole zum Beispiel, die war laienhaft gemacht und ein paar andere Wasserzeichen waren halt gar nicht da", sagt Gossen.
Falschgeld im Festzelt: Wirt trägt den Schaden
Zurück nach Zetel: Die erste Blüte fiel der Familie Claasen erst bei der Bank auf. Ärger mit der Polizei gab es nicht, doch das Geld war weg. Später nahm das Personal bei einer Boßelveranstaltung falsche 20-Euro-Scheine an. Wer eine Blüte annimmt, verliert Ware und echtes Wechselgeld, der Schein selbst ist wertlos.
Bisher fehlen der Familie nun etwa 500 Euro. Große Schadenssummen kommen bei Falschgeldtaten eher selten vor. Das Ziel der Betrüger: An möglichst vielen Stellen schnelles, kleines Geld machen. Ersatz gibt es für die Opfer nicht. Für René Claasen ist das "einfach ein Vertrauensbruch".
NDR Story: Die Jagd nach dem "Marktführer"
Das Geschäft im großen Stil zeigt die NDR Story "Falschgeld - Auf der Jagd nach den Blüten". Der Film begibt sich auch auf die Spur eines Geldfälschers, der sich im Internet als Deutschlands "Marktführer" bezeichnete, und verfolgt den Fall von den Ermittlungen bis in den Gerichtssaal in Ingolstadt, in dem der Fälscher im Sommer 2026 zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde.