„Familien stehen vor dem Nichts“: Münchnerin berichtet vom Ausmaß der Katastrophe in Nepal
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„Familien stehen vor dem Nichts“: Münchnerin berichtet vom Ausmaß der Katastrophe in Nepal
Von: Theresa Salmansberger
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Eine Münchnerin lebt seit sechs Jahren in Nepal. Nach der verheerenden Sturzflut berichtet sie von erschütternden Zuständen und großer Verzweiflung.
München / Nepal – Eine verheerende Sturzflut hat Ende August in Nepal massive Zerstörung angerichtet. Mehr als tausend Menschen kamen ums Leben, rund 5000 gelten weiterhin als vermisst. Tabea Seiz, Programmleiterin der Welthungerhilfe, ist vor sechs Jahren von München nach Kathmandu gezogen und schildert im Gespräch mit unserer Redaktion die dramatische Lage vor Ort.
Sturzflut in Nepal: Familien verloren Häuser, Felder und Angehörige
„Viele Familien stehen vor dem Nichts“, sagt Seiz. Zahlreiche Menschen in der abgelegenen Himalaya-Region lebten von der Landwirtschaft und haben mit ihren Häusern, Feldern und Ernten alles verloren. Manche säßen an Berghängen und blickten auf die Stelle, wo einst ihr Dorf stand. Noch schwerer wiegt für viele der Verlust von Angehörigen. Familien machten sich eigenständig mit Fotos am Fluss entlang auf die Suche nach Vermissten. „Durch die Wucht hat es manche bis nach Indien gespült“, erzählt Seiz, „das ist unfassbar“. Für hinduistische und buddhistische Familien sei es besonders belastend, dass Verstorbene nicht gefunden werden: „Sie wollen zumindest ein letztes Mal persönlich Abschied nehmen.“
Kathmandu ist die Hauptstadt Nepals und liegt im gleichnamigen Tal im Zentrum des Himalaya-Staates in Südasien.
Auch in den Notunterkünften ist die Verzweiflung laut Seiz allgegenwärtig. „Manche der Menschen dort sind gar nicht wirklich anwesend, stehen unter Schock und haben ein Trauma erlitten“, berichtet die 41-Jährige. Zwei Teams der Welthungerhilfe mit insgesamt zehn Mitarbeitern sind im Norden des Distrikts Rasuwa im Einsatz. Sie bringen per Lastwagen Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Decken, Solarlampen und Kochutensilien zu den Betroffenen. Der Weg dorthin ist jedoch extrem beschwerlich: Viel Infrastruktur wurde weggespült, der Monsunregen weicht Feldwege auf. Für 100 Kilometer brauchten die Helfer teilweise zwölf Stunden. Hubschrauber können in den betroffenen Gebieten kaum landen, weshalb die Teams Gemeinden auch zu Fuß erkunden.
Welthungerhilfe stellt 100.000 Euro bereit – Zukunft der Region ungewiss
Die Welthungerhilfe stimmt sich mit anderen Organisationen ab, um psychosoziale Unterstützung für Betroffene auf den Weg zu bringen. Insgesamt stehen 100.000 Euro aus dem Nothilfefonds zur Verfügung. Wie es langfristig weitergeht, bleibt offen. Laut Seiz liegen noch „2,5 Millionen Tonnen Schutt und Schlamm“ im Flussbett. Ob dort jemals wieder gebaut oder Landwirtschaft betrieben werden kann, müsse sorgfältig geprüft werden. „Das Wichtigste ist, dass wir die Familien jetzt bestmöglich unterstützen“, betont die Programmleiterin. (Quelle: eigenes Gespräch)