Fans verhöhnen toten Portugal-Star - Ronaldo reagiert empört
Beim Auswärtsspiel von Al-Hilal bei Al-Taawoun haben Heimfans Ruben Neves mit höhnischen "Jota"-Rufen verhöhnt – eine Anspielung auf seinen im Juli 2025 tödlich verunglückten Freund Diogo Jota. Cristiano Ronaldo stellt eine drastische Forderung auf – und auch der saudische Fußballverband reagiert.
Szenen, die im internationalen Fußball für Fassungslosigkeit sorgen: Während der Partie zwischen Al-Taawoun und Al-Hilal in der Saudi Pro League haben Anhänger des Heimklubs den portugiesischen Mittelfeldspieler Ruben Neves wiederholt mit Sprechchören provoziert, in denen sie den Namen seines verstorbenen Freundes Diogo Jota skandierten.
Videoaufnahmen aus dem Stadion zeigen, wie die Rufe ertönen, als Neves in der Nähe der Heimfans einen Freistoß ausführen will. Der 29-Jährige applaudierte den Provokateuren daraufhin sarkastisch, zeigte mit dem Finger gen Himmel und deutete anschließend in Richtung des betreffenden Fanblocks.
Wie "The Athletic" berichtet, äußert sich Neves nach Abpfiff im Vorbeigehen gegenüber Medienvertretern knapp, aber unmissverständlich: "Ich hoffe nur, dass sie später nicht zum Gebet gehen, nach dem, was sie getan haben."
Sprechchöre verhöhnen toten Diogo Jota: Das Ziel ist Ruben Neves
Die Provokation trifft Neves an einer zutiefst persönlichen Stelle. Diogo Jota, ehemaliger Stürmer des FC Liverpool und portugiesischer Nationalspieler, kam am 3. Juli 2025 bei einem Autounfall ums Leben – er wurde nur 28 Jahre alt. Auch sein Bruder André Silva starb bei dem Unglück. Jota hinterließ seine Ehefrau Rute und drei Kinder.
Neves und Jota verband weit mehr als eine kollegiale Beziehung. Beide durchliefen gemeinsam die portugiesischen Jugend-Nationalmannschaften, spielten zusammen beim FC Porto und wechselten im Sommer 2017 gemeinsam zu den Wolverhampton Wanderers. Laut "The Athletic" lebten beide Familien im selben Stadtteil von Wolverhampton und verbrachten auch privat viel Zeit miteinander.
Neves trug bei Jotas Beerdigung den Sarg und ließ sich ein Tattoo stechen, das ihn und seinen Freund in einer Umarmung zeigt. Im August des vergangenen Jahres übernahm Neves zudem Jotas Rückennummer 21 in der portugiesischen Nationalmannschaft.
Ronaldo fordert lebenslange Stadionverbote
Zu den schärfsten Kritikern der Vorfälle gehört Cristiano Ronaldo. Der Superstar von Al-Nassr, selbst Teamkollege und Freund des verstorbenen Jota in der portugiesischen Auswahl, meldete sich auf Instagram zu Wort.
"Die Liga muss Maßnahmen ergreifen und dieses Verhalten der Fans ahnden. Das ist kein Fußball mehr, und es muss Grenzen geben. Menschen, die sich so verhalten, sollten nie wieder Zutritt zu einem Stadion erhalten", schrieb der 41-Jährige bei Instagram.
Verband und Klub leiten Schritte ein
Al-Hilal bezeichnete die Gesänge in einer offiziellen Stellungnahme als "beleidigend und inakzeptabel" und reichte eine formelle Beschwerde beim saudischen Fußballverband (SAFF) ein. Sportliche Rivalität, so der Klub laut "The Athletic", könne "nicht rechtfertigen, in die persönlichen oder menschlichen Umstände von Spielern einzugreifen", und dürfe "nicht als Vorwand dienen, Verlustgefühle als Mittel der Provokation oder des Missbrauchs auszunutzen".
Die SAFF reagierte ihrerseits mit der Ankündigung einer Untersuchung. Das Verhalten sei "unvereinbar mit den Werten des saudischen Fußballs und den Grundsätzen des Fair Play", hieß es in einem Statement. Die zuständigen Gremien würden die "notwendigen Maßnahmen" ergreifen. SAFF und SPL betonten gemeinsam: "Das Ausnutzen persönlicher Tragödien zum Zweck der Beleidigung oder Provokation ist ein inakzeptables Verhalten, das im saudischen Fußball keinen Platz hat."
Kein Einzelfall – und sportliche Quittung
Es handelt sich offenbar nicht um den ersten derartigen Vorfall. Bereits bei einem Auswärtsspiel von Al-Hilal bei Al-Nassr hatte es vereinzelt "Jota"-Rufe gegeben, wie die "Sport Bild" berichtet. Die portugiesische Nationalmannschaft hatte nach ihrem WM-Sieg im Sechzehntelfinale gegen Kroatien (2:1), der auf den ersten Todestag Jotas fiel, gemeinsam des verstorbenen Kollegen gedacht.
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Auf dem Rasen erteilte Al-Hilal den Gastgebern derweil eine deutliche Lektion: Das Team von Trainer Simone Inzaghi setzte sich mit 6:0 durch. Neves selbst bereitete einen Treffer vor. Al-Hilal steht nach sieben Spieltagen mit 18 Punkten an der Tabellenspitze der Saudi Pro League. (red)