Fans? Wir doch nicht!: Die heimlichen Wegbereiter der Rechtspopulisten
Der Bundeskanzler ist schuld daran, dass Hans-Jürgen Völz im etwas düsteren, dunkelbraun vertäfelten Wappensaal des Huth-Hauses am Potsdamer Platz Mitte August frustriert auf einem der rot gepolsterten Stühle sitzt. Dabei sehnt sich der Chefvolkswirt des größten deutschen Mittelstandsverbands (BVMW), 900.000 Mitglieder, 270.000 Unternehmen, nach einem Deutschland, das wieder „respektiert und beneidet“ werde.
Dann sagt Völz, zwei Meter groß, silbergraues Haar, seit 40 Jahren CDU-Mitglied: „Ich habe den Eindruck, dass die AfD eine solche Perspektive für all jene bietet, die Zweifel daran haben, dass wir auf dem eingeschlagenen Weg Wachstum und Wohlstand wiedergewinnen können. Hier gibt es das klare Bekenntnis, zu sagen, Deutschland als Erstes, Germany first.“
Bis vor kurzem gab es noch einen Konsens in Deutschlands Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, Distanz zur AfD zu halten, die vom Verfassungsschutz in Teilen als rechtsextrem eingestuft wird.
Doch seitdem hat sich etwas verändert. Es gibt prominente Figuren aus der Mitte der Gesellschaft, die den Kontakt zur AfD nicht mehr meiden, sondern suchen und die Rechtspopulisten damit salonfähig machen. Sogar um den Preis, dass in Sachsen-Anhalt erstmals in der Bundesrepublik eine rechtsextreme Partei in Regierungsverantwortung kommt.