„Fauda“: Serienstar Lior Raz spricht über das Drama hinter Staffel 5. „Immer noch im Trauma“
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Tel Aviv (Israel) – Kaum eine Serie zeigt den Nahost-Konflikt so nah, hart und schonungslos wie „Fauda“ – und begeistert damit weltweit ein Millionenpublikum. Jetzt ist die 5. Staffel auf Netflix verfügbar. Lior Raz (54) ist Schöpfer und Hauptdarsteller der Serie. Er verkörpert einen Kommandeur in einer israelischen Anti-Terror-Einheit. Er zu BILD: „Das ist die wichtigste Staffel, die wir je geschrieben haben.“
Für die Macher von „Fauda“ änderte sich am 7. Oktober 2023 alles. Die Serie war schon immer nah an der Realität. Doch was an diesem Tag geschah, übertraf selbst ihre schlimmsten Vorstellungen. Schon Jahre zuvor hatte Raz seinem Co-Autor Avi Issacharoff (53) eine Story vorgeschlagen, in der Terroristen ein israelisches Dorf überfallen und Geiseln nehmen. Damals erschien dieses Szenario kaum realistisch, die Idee wurde verworfen. Dann kam der 7. Oktober. Hamas-Terroristen überfielen Orte im Süden Israels, mordeten, vergewaltigten und verschleppten Menschen als Geiseln. „Was passiert ist, war tausendmal schlimmer als das, was ich damals im Kopf hatte“, sagt Raz. „Für Israelis ist dieser Tag das Schrecklichste gewesen, was Israel je erlebt hat.“
„Das ist unser einziges Zuhause“
Als die Hamas Israel angriff, hielt sich der Schauspieler im Ausland auf. Noch in derselben Nacht kehrte er zurück. „Das ist das einzige Land im Krieg, in das die Menschen zurückkehren wollen, statt wegzulaufen.“ Warum? „Weil wir nirgendwo anders hingehen können. Das ist unser einziges Zuhause. Und man muss sein Zuhause beschützen.“ Gemeinsam mit Freunden fuhr Raz in den Süden Israels, nach Sderot, wo noch immer gekämpft wurde. Dort half er, Familien aus der Gefahrenzone zu bringen. Nicht als Serienstar, sondern als Israeli, der helfen wollte – wie so viele in diesen Tagen, in denen das ganze Land zusammenrückte.
Auch sein „Fauda“-Kollege Idan Amedi (38), der in der Serie den jungen Sagi spielt, zog als Reservist in den Krieg. Im Januar 2024 wurde er bei einer Explosion im Gazastreifen schwer verletzt. Seine Einheit bereitete die Sprengung eines Hamas-Tunnels vor, als die Sprengladungen vorzeitig explodierten. Sechs seiner Kameraden starben. Was Millionen Zuschauer als packende Serie verfolgen, ist für die Schauspieler eng mit ihrem eigenen Leben verbunden. „Wir waren dort. Wir waren Teil der Armee. Wir leben das. Für uns ist es ein Teil dessen, wer wir sind“, sagt Raz.
Die fünfte „Fauda“-Staffel war damals noch nicht fertiggeschrieben. Für Raz und sein Team stand fest: Die Ereignisse des 7. Oktober mussten Teil des Drehbuchs werden. Als die Dreharbeiten 2025 begannen, waren noch immer Geiseln in Gaza gefangen, der Krieg war nicht vorbei. Wie erzählt man von einem Trauma, während es noch passiert? Raz sagt zu BILD: „Es war eine sehr emotionale Reise für uns alle – für die Autoren, Schauspieler und Produzenten.“ Fast jeder in Israel kenne jemanden, der verletzt wurde oder unmittelbar betroffen war. „Wir sind in Israel nicht nur im Post-Trauma. Wir sind noch immer im Trauma.“
Die Story der 5. „Fauda“-Staffel
In der neuen Staffel kämpft Doron nach dem 7. Oktober mit den Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung, als ihn sein Kommandeur Eli (gespielt von Yaakov Zada Daniel, 46) nach Marseille holt. Dort soll er einen Terroristen jagen, der an Angriffen beteiligt war – und stößt auf ein größeres Netzwerk in der islamistischen Szene, das weitere Anschläge gegen Israel plant. Auch pro-palästinensische Demonstrationen und die angespannte Stimmung in Europa fließen in die Handlung ein.
Seit mehr als zehn Jahren spielt Raz seine bisher wohl wichtigste Serienfigur. „Wir sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich“, sagt er. Doch Doron folge oft kompromisslos seinem eigenen Instinkt und seinen Überzeugungen – selbst wenn er dafür Familie, Freunde und Menschen verliert, die er liebt. „Das würde ich nicht tun“, sagt Raz. Was ihn mit Doron verbindet? „Wir beide sehen keine Hindernisse. Wir gehen geradeaus. Wir haben keine Angst vor Dingen.“ Und dann zeigt sich hinter all der Härte noch eine andere Seite: „Am Ende des Tages sind wir beide sehr sensible Typen.“
Genau darin liegt auch die Stärke von „Fauda“. Die Figuren sind stark, widerstandsfähig, oft cool und charismatisch – aber eben auch verletzlich. Sie machen Fehler, verlieren, scheitern. „Es geht um den seelischen Preis, den wir alle zahlen“, sagt der Schauspieler. Die Serie zeigt nicht nur Terror, Einsätze und Gewalt, sondern auch, was danach bleibt. Und wie tief die Wunden sitzen, wenn längst niemand mehr schießt.