DAX +1,15 % 25.704,02 Pkt 18:00:00 MDAX +0,45 % 30.425,40 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,05 % 6.167,81 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,42 % 52.581,80 Pkt 19:38:20 S&P 500 +1,05 % 7.757,25 Pkt 19:38:26 Nasdaq +1,57 % 26.580,39 Pkt 19:38:24 Nikkei +1,08 % 63.954,19 Pkt 07:45:03 Gold -0,61 % 4.049,80 USD 19:28:26 Silber -1,30 % 53,59 USD 19:28:24 Brent -1,99 % 111,61 USD 19:28:27 WTI +2,85 % 102,75 USD 19:28:21 Bitcoin +0,48 % 81.189,43 USD 19:38:16 EUR/USD -0,18 % 1,11540 USD 19:37:46 EUR/GBP +0,01 % 0,83740 GBP 19:38:27 EUR/CHF -0,05 % 0,92430 CHF 19:38:27 EUR/JPY +0,16 % 176,292 JPY 19:38:26

F.A.Z.-Preisbericht: Das süße Gift der Inflation

Wirtschaft

Die Inflation in Deutschland hat sich in den zurückliegenden drei Monaten spürbar beschleunigt. Das geht aus dem vierteljährlichen F.A.Z.-Preisbericht hervor. Die Energiepreise übertrafen im September noch einmal die Rekorde aus dem August; ihr Anstieg auf Jahressicht beträgt mittlerweile 14,9 Prozent. Das ist der höchste Zuwachs seit Februar 2023.

Die Inflationsrate in Deutschland belief sich im Juli auf 2,8 Prozent, im August auf 2,9 Prozent und im September auf 3,3 Prozent. Im Euroraum lag sie noch etwas höher: Im Juli betrug sie 2,9 Prozent, im August 3,2 Prozent und im September 3,8 Prozent. Damit liegt die Rate mehr als ein halbes Jahr oberhalb des Ziels der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent.

In manchen Euroländern wie Italien, Belgien und Kroatien gibt es mittlerweile Inflationsraten mit einer Vier vor dem Komma; in anderen wie Bulgarien, Griechenland, Spanien, Zypern oder Luxemburg sogar Raten von mehr als fünf Prozent. Die höchste Rate hat Litauen mit 6,1 Prozent. In Bulgarien hatte es vor dem Beitritt zur Europäischen Währungsunion zum Jahreswechsel Angst vor Preissteigerungen („Teuro“) gegeben; jetzt ist die bulgarische Inflationsrate mit 5,6 Prozent die zweithöchste im Euroraum.

Höhere Preise für Agrarrohstoffe auf den Weltmärkten

In Deutschland treiben nach wie vor vor allem die Preise für Kraftstoff und Heizöl die Teuerung. Anders als in der vorigen Inflationswelle steigen die Lebensmittel im Durchschnitt nicht sehr im Preis, das Plus auf Jahressicht beläuft sich auf 0,4 Prozent. Aufmerksam verfolgt wird von Ökonomen allerdings, inwieweit höhere Preise für bestimmte Agrarrohstoffe auf den Weltmärkten als Folge schlechter Ernten wegen der Trockenheit die nächste Teuerungswelle auslösen könnten.

Wenn man speziell Lebensmittel betrachtet, bei denen schlechte Ernten eine Rolle spielen könnten, dann fällt auf: Zumindest hinsichtlich des Getreides, das auf den Weltmärkten teurer wurde, tut sich bei den Verbraucherpreisen wenig. Weizenmehl für Endverbraucher verteuerte sich auf Jahressicht nur um 0,7 Prozent, Weißbrot um 1,2 Prozent, Roggenbrot um 2,3 Prozent. Brötchen wurden 1,9 Prozent teurer. Das ist alles unterdurchschnittlich.

Anders sieht es zum Beispiel mit Salat aus. Dessen Preis stieg auf Jahressicht um 18,8 Prozent. Gurken verteuerten sich um 23,8 Prozent, Tomaten um 26,9 Prozent. Möhren wurden 12,3 Prozent teurer, Kartoffeln 11,3 Prozent. Gemüse insgesamt entwickelte sich zu einem Inflationstreiber. Besonders der Süden, der Südwesten und Teile Ostdeutschlands litten unter erheblichen Einbußen und teils heftigen Ernteausfällen.

Marmelade wird elf Prozent teurer

Lebensmittel aus anderen Kategorien, die deutlich teurer wurden, sind beispielsweise Eier mit plus 15,2 Prozent, tiefgefrorenes Obst mit plus 17,7 Prozent, Sauerkirschen und andere Steinobstkonserven mit plus 19,7 Prozent und Marmelade mit plus 11,3 Prozent.

Im Moment wird die durchschnittliche Preisentwicklung für Lebensmittel noch dadurch gedrückt, dass manche Dinge, die in der Vergangenheit deutlich teurer geworden waren, jetzt wieder im Preis nachgeben. Butter beispielsweise war im September 29,5 Prozent billiger als vor Jahresfrist, Olivenöl 3,0 Prozent. Beide hatten sich zuvor extrem verteuert.

Heizölpreis steigt um fast 75 Prozent

Der große Brocken der Teuerung aber kommt nach wie vor von der Energie. Den stärksten prozentualen Preisanstieg verzeichnete auf Jahressicht Heizöl mit plus 74,9 Prozent. Kraftstoffe wurden 37,1 Prozent teurer. Bemerkenswert ist, dass Erdgas für Verbraucher im Durchschnitt auf Jahressicht günstiger geworden ist, obwohl der Weltmarktpreis zugelegt hat. Hier hat das Statistische Bundesamt einen Preisrückgang um 2,8 Prozent registriert. Das dürfte zum einen damit zu erklären sein, dass zum Jahresbeginn die Gasspeicherumlage abgeschafft wurde; zum anderen kommen höhere Gaspreise aufgrund längerfristiger Verträge bei Bestandskunden in der Gasversorgung nur mit zeitlicher Verzögerung an. Die Preise für Neukunden sind dagegen schnell stark gestiegen.

Wenn man sich anguckt, ob es Unternehmen gelingt, höhere Energiekosten in Form höherer Preise an ihre Kunden weiterzugeben, dann sieht man kleine Anzeichen, aber nicht ganz viel. Die Preise für Waren lagen im September 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach 3,0 Prozent im August. Vor allem Verbrauchsgüter haben sich stärker verteuert. Dienstleistungen waren im Durchschnitt 2,7 Prozent teurer als vor Jahresfrist, im August waren es 2,8 Prozent gewesen. Hier treiben unter anderem die Pflegekosten die Teuerung. Die Kerninflation, das ist die Teuerung ohne stark schwankende Preise wie die für Energie und Lebensmittel, belief sich im September wie im August auf 2,4 Prozent.

Der Anstieg auf Jahressicht der Geldmenge M3, zu der neben Bargeld und Bankguthaben etwa auch Geldmarktpapiere gehören, hat im Laufe der zurückliegenden Monate leicht zugelegt, auf zuletzt 3,5 Prozent.

An den Börsen werden die Inflationszahlen im Moment sehr aufmerksam verfolgt; die amerikanischen noch mehr als die europäischen. Die Börsianer wollen daraus vor allem Erkenntnisse dazu ableiten, ob und wie stark die Notenbanken die Zinsen anheben werden. „Inflation ist ein süßes Gift“, schreibt Kay-Peter Tönnes von der Fondsgesellschaft Antecedo aus Bad Homburg in einem Marktbericht.

Oftmals könnten die Börsen mit einem gewissen Hintergrundrauschen an Inflation ganz gut leben. Ein leicht inflationäres Umfeld erleichtere es Unternehmen schließlich unter Umständen, die Preise anzuheben und nominal ordentliche Gewinne zu machen: „Der Gegenwind kommt zeitverzögert, wenn höhere Zinsen und Refinanzierungskosten sich durchfressen.“

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren