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FC Bayern betreibt Frustbewältigung gegen RB Leipzig - und rüstet sich für Arsenal und den verhassten Stadtrivalen

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Der FC Bayern wendete beim fulminanten 6:1-Sieg am Samstagabend gegen RB Leipzig eine drohende Herbstkrise ab und rüstete sich für das anstehende Champions-League-Duell mit dem FC Arsenal. Weil das Bundesliga-Topspiel schon frühzeitig entschieden war, konzentrierten sich die Fans auf den Rängen schnell auf ein anderes wichtiges Event, das am Wochenende in der bayrischen Landeshauptstadt steigt.

35 Minuten waren im Münchner Nieselregen zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig absolviert, da verwandelte sich die Südkurve der Allianz Arena plötzlich in eine große, betonierte Hüpfburg. Die eingefleischten Fans des FC Bayern hopsten Arm in Arm und skandierten: "Hey, hey – wer nicht hüpft, der kommt aus Giesing."

Mit Giesing will man als Bayern-Anhänger nämlich keinesfalls in Verbindung gebracht werden. Immerhin ist besagter Bezirk eng mit dem Stadtrivalen TSV 1860 München verbunden, Giesing ist 1860 und 1860 ist Giesing – No-Go-Area für die Roten, Hoheitsgebiet der blauen Löwen. Obwohl die Geschäftsstelle der Bayern in der Säbener Straße lediglich einen Steinwurf vom Sechzgerstadion in der Grünwalder Straße entfernt ist. Aber das nur als Randnotiz.

Dass die FCB-Ultras ihre ganze Kraft und Stimmgewalt zu diesem verhältnismäßig frühen Zeitpunkt in Schmähgesänge gegen den verhassten unterklassigen Nachbarn setzten, anstatt die eigene Mannschaft anzufeuern, hatte zwei Gründe. Erstens: Am Sonntag trifft die Zweitvertretung der Bayern - übrigens in Giesing - im Regionalliga-Derby auf die erste Mannschaft der abgestürzten Löwen. Ausnahmezustand. Zweitens: Das Duell mit den Roten Bullen war bereits entschieden, nur wenige Augenblicke zuvor hatte Michael Olise das 3:0 erzielt (34.).

Ungewöhnliches Verhalten und PK-Absage: Eberl klärt über Kompany auf

Es sollten drei weitere Bayern-Tore folgen und zu der Erkenntnis führen, dass sich Leipzig an diesem Abend in puncto spielerischer Klasse deutlich näher in Sphären der Sechzger als im Dunstkreis der Bayern bewegte.

FC Bayern wendet Herbstkrise ab

Doch nicht nur das – die Begegnung mit RB förderte im Umkehrschluss noch einen weiteren Umstand zutage: die Bayern, denen nach zwei Unentschieden in Serie (2:2 gegen Augsburg in der Bundesliga und 3:3 gegen Viking Stavanger in der Champions League) ein mittelschlimmer Herbstblues mit Option auf eine handfeste Oktoberkrise angedichtet wurde, sind wieder in der Spur und gerüstet für den anstehenden Kracher in der Ligaphase der Champions League gegen den FC Arsenal am kommenden Mittwoch (21:00 Uhr im Liveticker).

Dabei beeindruckte vor allem die Art und Weise, der Nachdruck, mit dem sich der Rekordmeister gegen eine mögliche Negativserie stemmte. 29 Torschüsse brachten die Hausherren zustande, 17 davon fanden ihren Weg auf den gegnerischen Kasten. Dass am Ende "nur" ein 6:1 auf der Anzeigetafel prangte, war aus Leipiziger Sicht einzig und allein dem glänzend aufgelegten Schlussmann Maarten Vandevoordt (11 Paraden) zu verdanken.

Eberl: "Das war wirklich beeindruckend"

"Das war wirklich beeindruckend", fasste Bayern-Sportvorstand Max Eberl das Geschehen bei "Sky" zusammen. Der Ex-Leipzig-Funktionär, der die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany unter der Woche nach dem Remis in Stavanger noch in aller Deutlichkeit kritisiert hatte, schob nach: "Die Mannschaft hat den Gegner so unter Druck gesetzt, zu Fehlern gezwungen. Man kann Leipzig teilweise gar keinen Vorwurf machen, weil wir es so gut gemacht haben."

"Komplettes Versagen": Leipzig hadert nach Demontage in München

Torhüter Jonas Urbig, der abermals anstelle des angeschlagenen Manuel Neuer (Fußverletzung) zwischen den Pfosten stand, schwärmte: "Mit was für einer Überzeugung wir hier aufgelaufen sind, das hat echt Spaß gemacht. Wir haben heute einfach wieder die Tore geschossen, die uns an den letzten Spieltagen gefehlt haben."

"Das war ein wirklich gutes Spiel. Es war wichtig, nach den beiden vergangenen Spielen ein Statement zu setzen. Das haben wir getan", erklärte Torjäger Harry Kane im Nachgang in der Mixed Zone: "Wir haben die Fehler ausgemerzt und waren heute herausragend – das zeigen alleine die sechs Tore gegen einen solchen Gegner."

Voller Fokus auf Arsenal

Grundsätzlich war die Partie schnell abgehakt, der Fokus wurde sofort auf den kommenden Kontrahenten gerichtet. "Jetzt dreht sich alles um Arsenal", rief ein kurz angebundener Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen den anwesenden Reportern im Vorbeigehen zu.

Dauerbrenner Joshua Kimmich machte deutlich, dass die intensivsten und ereignisreichsten Wochen gleichzeitig die schönsten seien und dass er sich "extrem" auf die Aufgabe gegen die Gunners freue.

Nun wird mit dem englischen Meister freilich ein anderes Kaliber als die ängstlichen Leipziger am Mittwoch in der Allianz Arena aufschlagen. Die Krallen haben die Bayern für die Nordlondoner aber bereits geschärft.

"Wir spielen gegen eine der besten Mannschaften Europas. Das wird eine besondere Nacht. Wir müssen das Momentum mitnehmen", forderte Kane mit Blick auf das Gipfeltreffen.

Doch vor dem Kracher, vor einer womöglich magischen Champions-League-Nacht, liegt der Fokus der Fans erst mal auf einem Spiel, das zwar nicht fußballerisch, zumindest jedoch hinsichtlich der Stimmung mit der Königsklasse mithalten kann: Das Münchner Derby, das die Stadt selbst in seiner abgespeckten Form elektrisiert. Es geht eben ums Prestige. Man darf gespannt sein, wer am Ende auf Giesings Höhen hüpft.

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