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FC Bayern: Dr. Müller-Wohlfahrt packt über Zoff mit Pep Guardiola aus

Sport

"Er ist nicht belehrbar"

Streit mit Guardiola: Müller-Wohlfahrt packt aus

Aktualisiert am 16.10.2026 - 12:58 UhrLesedauer: 4 Min.

Er behandelte die größten Sportler der Welt. Doch mit einem Bayern-Trainer kam Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nie auf einen gemeinsamen Nenner. Jetzt spricht er über den Streit.

Seit Jahrzehnten gehen die weltbesten Sportler bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ein und aus. Während seiner aktiven Zeit als Teamarzt des FC Bayern suchten verletzte Stars des Rekordmeisters sofort seine Praxis auf, die er nach wie vor im Herzen der Münchner Altstadt in einer unscheinbaren Passage betreibt. Nicht selten warteten die Reporter in der Vergangenheit dort am Eingang, bis Franck Ribéry, Arjen Robben und Co. dort ankamen oder nach der Untersuchung wieder durch die automatische Doppelschiebetür hinausgingen.

Am Mittwochabend lud Müller-Wohlfahrt die Reporter dazu ein, selbst durch sie hindurch und in den ersten Stock in seine Praxisräume zu gehen. Anlass war die Premiere der Dokumentation, die Sky über ihn gedreht hat und ab 23. Oktober ausstrahlen wird. Sie erzählt seine Lebensgeschichte und trägt den treffenden Titel: "Müller-Wohlfahrt – Der Arzt der Champions".

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Genau das war und ist Müller-Wohlfahrt schließlich seit Jahrzehnten. Spitzensportler und Prominente aus aller Welt gehören zu seinen Patienten. Ob Sprintsuperstar Usain Bolt, Tennislegende Boris Becker, das Boxerbruderpaar Wladimir und Vitali Klitschko, Eiskunstlauf-Ikone Katarina Witt, Schwimmstar Franziska van Almsick – neben vielen weiteren Topstars und Champions vertrauten sie alle bereits auf Müller-Wohlfahrts Dienste. Fast alle haben sich für diese mit Geschenken bei ihrem "Wunderdoktor" revanchiert. Bolt wollte ihm sogar seine olympische Goldmedaille überlassen. Weil der mittlerweile 84-Jährige diese nicht annehmen wollte, hat er jetzt das Olympiatrikot und die Schuhe, die Bolt bei seinem olympischen Goldlauf trug, in seiner Praxis ausgestellt.

"Es gab Kämpfe, das war schon sehr, sehr heftig"

Müller-Wohlfahrts Karriere als Sportmediziner verlief aber nicht immer reibungslos. Seine Zeit bei Bayern endete 2015 zunächst im Streit mit dem damaligen Cheftrainer Pep Guardiola. Der war nach einer 1:3-Niederlage der Bayern im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Porto eskaliert, weil der Spanier den Teamarzt für den schlechten Zustand seiner Spieler verantwortlich machte.

"Es gab Kämpfe, das war schon sehr, sehr heftig", erinnerte sich Müller-Wohlfahrt am Rande der Premiere im Gespräch mit t-online. "Bis dann das Fass zum Überlaufen gefüllt war und ich die Reißleine ziehen musste. Ich konnte mir nicht gefallen lassen, was da passiert ist." Als Konsequenz erklärte Müller-Wohlfahrt nach 38 Jahren im Klub seinen sofortigen Rücktritt.

Guardiola hatte Müller-Wohlfahrt zuvor unter anderem vorgeworfen, die verletzten Spieler nicht schnell genug wieder fit zu bekommen. Außerdem hatte er seinen spanischen Landsmann Thiago ohne Absprache und gegen den Willen von Müller-Wohlfahrt zur medizinischen Behandlung nach Barcelona geschickt.

"Ich war zu dumm. Ich habe das nicht verstehen wollen"

Eine Aussprache mit Guardiola hat es bis heute nicht gegeben. "Nein, er mag mich nicht", sagte Müller-Wohlfahrt. "Das hätte ich von Anfang an spüren können, nach drei Tagen hat er erste Zeichen gesetzt. Aber ich war zu dumm. Ich habe das nicht verstehen wollen." Und weiter: "Ich dachte, ich kann mit jedem und mich mit dem schon verständigen. Nein, geht nicht. Es macht keinen Sinn. Er ist nicht belehrbar."

Erst ein Gespräch mit Paul Breitner bei einem gemeinsamen Essen habe Müller-Wohlfahrt zuletzt geholfen, die Geschehnisse zumindest im Nachhinein ein wenig besser greifen zu können. Der Weltmeister von 1974 habe ihn dabei gefragt: "Hat dir denn keiner gesagt, dass der Trainer in Spanien der sogenannte Mister ist? Und der Mister steht über allem, auch über der Medizin. Das hätte man dir doch sagen müssen. Du hattest gar keine Chance gegen Guardiola. Der hatte das Sagen."

Mit besonderer Geste: Heynckes rührt Müller-Wohlfahrt fast zu Tränen

Nachdem sich Guardiola 2016 zu Manchester City verabschiedet und Bayern dessen Vorgänger Jupp Heynckes 2017 noch einmal zurückgeholt hatte, kehrte auch Müller-Wohlfahrt noch einmal zu seinem Herzensklub zurück. "Jupp hat zu Uli gesagt: 'Hol den Mull zurück, dann komme ich'", so Müller-Wohlfahrt. "Und dann haben Jupp und ich die schönste Zeit überhaupt gehabt. Ich war happy, noch mal zurückzukommen."

Eine ganz spezielle Geste von Heynckes ist Müller-Wohlfahrt in ganz besonderer Erinnerung geblieben. Nachdem der Trainer die Bayern 2013 zum ersten Triplegewinn der Vereinsgeschichte geführt hatte, wollte er den Teamarzt unbedingt auf dem Mannschaftsfoto mit den Trophäen der Champions League, Bundesliga und DFB-Pokal dabeihaben. Dafür bat er ihn, an die Säbener Straße zu kommen.

Müller-Wohlfahrt schlug dieses Angebot aber aus. Er habe ihm gesagt, dass er seine Patienten nicht wegen eines Fotos allein lassen und deshalb nicht kommen könne, so Müller-Wohlfahrt. "Und was macht Jupp? Er lässt die Pokale einpacken und steht plötzlich hier in der Praxis mit drei Pokalen."

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Hätte Hoeneß den Streit mit Guardiola verhindern können?

Eine Geste, die ihn heute noch fast zu Tränen rührt. "Das muss man erst mal da drin haben", sagte Müller-Wohlfahrt und klopfte sich dabei mit der rechten Hand auf seine linke Brust. Nach Heynckes' Abschied 2018 beendete Müller-Wohlfahrt 2020 seine Aufgabe als Teamarzt des FC Bayern dann endgültig.

"Mein Herz hängt an Bayern", sagt er angesprochen auf seinen Ex-Klub. Dabei kommt er zwangsläufig auf die Frage zurück, wie er zu seinem heutigen Ruf als Mediziner der Spitzensportler gekommen ist: "Ich muss dem FC Bayern danken." Ohne den deutschen Rekordmeister wäre er "vielleicht irgendwo Sportarzt. Aber die Bekanntheit habe ich dem Verein zu verdanken und Uli Hoeneß, der streng zu mir gehalten hat, der nie Druck gemacht hat, der nie Kritik geäußert hat."

Während Guardiolas Zeit in München war Hoeneß jedoch nicht da. Er verbüßte zu diesem Zeitpunkt seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Möglicherweise wäre Hoeneß der Einzige gewesen, der im Streit mit Müller-Wohlfahrt vermitteln und dessen unrühmlichen Abschied verhindern hätte können. Müller-Wohlfahrt verriet: "Er ist davon überzeugt, dass er das hinbekommen hätte."

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