FC Bayern: Tom Bischof übernimmt Goretzka-Nummer und drängt ins Zentrum
Heimlicher Gewinner bei Bayern Kimmichs Erbe wird befördert Von Julian Buhl 28.07.2026 - 12:26 UhrLesedauer: 6 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Tom Bischof übernimmt Leon Goretzkas Rückennummer und drängt beim Rekordmeister ins Zentrum. Er weckt Erinnerungen an einen prominenten Teamkollegen. Tom Bischof war natürlich der Erste, der am Montagnachmittag den Rasen des Stadions am Birkenmoos in Rottach-Egern betrat, wo der FC Bayern in dieser Woche sein Trainingslager am Tegernsee bestreitet. Bischof ist schließlich so etwas wie der heimliche Kapitän der wenigen Bayern-Profis, die bereits vergangene Woche zum offiziellen Auftakt sozusagen als Frühstarter in die Vorbereitung eingestiegen sind. Die ersten WM-Teilnehmer werden nach den obligatorischen Leistungstests erst am Dienstag zum Tegernsee nachreisen und dort zur Mannschaft stoßen. Als Bischof nun gemeinsam mit dem 17-jährigen Toptalent Wisdom Mike bei leichtem Nieselregen auf den Platz kam, strahlte und lachte er schon beim Aufwärm-Kreisspiel auffällig viel. Auch bei der anschließenden Trainingseinheit hinterließ Bischof einen extrem positiven, hoch motivierten Eindruck. Der 21-Jährige scheint es kaum abwarten zu können, bis die Saison endlich wieder startet. Warum, das formulierte er zuletzt in einem Interview auf der Vereinshomepage folgendermaßen: "Ich will jetzt den nächsten Schritt machen." Dass der FC Bayern in diesem Sommer im zentralen Mittelfeld einen Generationenwechsel vollzogen hat, das hat der Rekordmeister unter anderem auch mit einem Rückennummerntausch dokumentiert. Nachdem der 31-jährige Leon Goretzka den Klub nach acht Jahren ablösefrei verlassen hat, hat Bischof nun dessen Nummer 8 übernommen. In der vergangenen Saison war der Jungstar noch mit der 20 aufgelaufen. "Als Kind träumt man natürlich von der Zehn. Die wollte ich früher auch immer haben", verriet Bischof. "Jetzt bin ich ein bisschen weiter nach hinten gerückt und spiele eher auf der Sechs, da passt die Acht ganz gut." Bischof will Kimmich und Pavlović herausfordern Die neue Rückennummer ist auch ein Beleg für den deutlich gewachsenen Stellenwert, den Bischof sich nach seinem Wechsel aus Hoffenheim im vergangenen Sommer direkt in seinem Premierenjahr in München erarbeitet und verdient hat. Dabei kam Bischof bereits auf 38 Einsätze und jeweils drei Treffer sowie Vorlagen. Bischof konnte sein riesiges Potenzial damit mehr als andeuten. Nachdem Kompany ihn in der vergangenen Saison noch häufig als Aushilfs-Linksverteidiger eingesetzt hatte, plant der Bayern-Coach nun mit Bischof auf dessen eigentlicher Position im zentralen Mittelfeld. Dort ist er jetzt der erste Herausforderer von Kapitän Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović, die dort in der vergangenen Saison das Sechser-Duo bildeten. Mit Pavlović konkurriert Bischof um einen Stammplatz neben dem gesetzten Kimmich. "Im Zentrum spornen Pavlo, Jo Kimmich und ich uns gegenseitig an. Jeder will spielen, dadurch werden alle besser und das hilft der ganzen Mannschaft. Ich traue mir diese Rolle definitiv zu", sagte Bischof. Diesen Vorteil hat Bischof gegenüber seinen Konkurrenten Die Voraussetzungen dafür sind nahezu perfekt. Im Münchner Umfeld ist Bischof, der mit Josefine Scholl, der Tochter von Klub-Legende Mehmet Scholl liiert ist, ohnehin längst angekommen. Er lebt seinen Bayern-Traum. Mit seinem frühen Start in die Saison-Vorbereitung hat Bischof jetzt seinen Konkurrenten gegenüber den großen Vorteil, sich seinem Trainer eine Woche länger empfehlen zu können. Damit und vor allem mit den positiven Eindrücken, die er bislang hinterlässt, steht er schon jetzt als heimlicher Gewinner der Vorbereitung fest. Schon beim ersten Testspiel am Samstag beim SV Wehen Wiesbaden (1:2) übernahm er Verantwortung und verwandelte den Elfmeter zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Er wird für Kompany und Klopp jetzt ganz wichtig Bischof könnte in dieser Saison zu einem absoluten Schlüsselspieler werden – und zwar sowohl für Kompany und die Bayern als auch den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp und die DFB-Elf. Der Kapitän der U21-Auswahl, bei dem viele Experten bereits eine Nominierung zur WM im Sommer erwartet hatten, gilt jetzt nämlich auch in der A-Nationalelf als eines der neuen Gesichter, die die Mannschaft zukünftig prägen könnten. Wenn er sich bei Bayern weiterhin so rasant entwickelt wie bislang, führt in beiden Teams eigentlich kein Weg an ihm vorbei. Kompany ist jedenfalls davon überzeugt, dass Bischof in den kommenden "Monaten und Jahren" seinen Stellenwert für den Verein unter Beweis stellen werde, wie er am Rande des Viertelfinalhinspiels bei Real Madrid in der Champions League Anfang April betonte. Kompany prophezeite schon damals: "Tom kann seine eigene Geschichte bei Bayern schreiben." Loading... Loading... Loading... Auch die obersten Klubbosse beim Rekordmeister trauen ihm das zu. Ex-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nannte Bischof im Interview mit t-online zuletzt explizit neben Lennart Karl als Paradebeispiel dafür, wie sich die Bayern die Integration und Entwicklung von talentierten Jungprofis vorstellen. Bischof erinnert Kimmich an sich selbst Gemeinsam unter anderem mit Karl, Pavlović, mit denen er sich bestens versteht und neben Fußball auch gerne mal das gemeinsame Lieblingskartenspiel Uno spielt, ist Bischof schon jetzt Teil der neuen nachrückenden Bayern-Generation. Aber auch bei den restlichen Teamkollegen hat sich Bischof bereits großen Respekt erarbeitet. Joshua Kimmich macht da keine Ausnahme. "Generell erinnert mich die Situation von Tom ein bisschen an meine eigene von vor elf Jahren", sagte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ebenfalls am Rande des Real-Spiels. "Vom Gefühl her hat niemand einem vor der Saison zugetraut, dass man wichtig sein könnte für eine Mannschaft wie Bayern München", erklärte Kimmich, der 2015 vom VfB Stuttgart und seinem Leihklub RB Leipzig zu Bayern gewechselt war. "Bei Tom hat man früh gemerkt, dass er ein gutes Mindset, eine gute Mentalität hat. Dass er bereit ist, zu lernen und sich zu entwickeln. Das merkt man bei ihm jeden Tag im Training." Genau wie Bischof wurde auch Kimmich unmittelbar nach seiner Ankunft in München damals unter Pep Guardiola vor allem als Außenverteidiger eingesetzt und rückte erst später ins Mittelfeld vor. So spornte Kimmich Bischof an Auch Bischof nahm seine Rolle als Aushilfsaußenverteidiger nun voll an. "Er ist bereit auf jeder Position. Das ist auch sehr wichtig. Manch anderer Spieler würde sagen: 'Boah, ich bin doch eigentlich Sechser. Ich will im Mittelfeld spielen'", sagte Kimmich. "Aber der Tom nimmt dann auch die Linksverteidiger-Position an und versucht auch da, seine Stärken auf den Platz zu bekommen." Das gelang Bischof auch dank Kimmichs Hilfe. Nach den beiden Distanztreffern, die Bischof beim 3:2-Sieg Anfang April am Ostersamstag beim SC Freiburg erzielte, verriet der Doppeltorschütze das. "Jo hat zu mir gesagt: 'Kannst du jetzt bitte mal auf die Kiste schießen?'", sagte Bischof. "Weil ich es im Training immer mache – im Spiel finde ich die Situation nicht, komme nicht rein oder verfehle den Moment. Und heute habe ich es einfach gemacht." Im Video | Sie ist mehr als nur "die Scholl-Tochter" Player wird geladen Kimmich erklärte, warum er Bischof Mut zusprach: "Mit Harry (Kane; Anm. d. Red.) zusammen hat Tom auf jeden Fall den besten Schuss aus der Mannschaft. Links wie rechts – und er hat es bisher noch nicht geschafft, bei uns mal einen reinzuhauen." Und weiter: "Deswegen hatte er das Thema, dass ich gesagt habe: 'Du musst auch das Vertrauen haben, dass wir dich in Position bringen oder dich selbst in Position bringen, um dann auch mal aufs Tor zu schießen'." Das dürfte Bischof zwangsläufig noch deutlich häufiger gelingen, wenn er jetzt verstärkt auch im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommen wird. Auch abseits des Feldes auf Kimmichs Spuren Auch auf einer anderen Ebene erinnert Bischof bereits an Kimmich. Der Jungstar scheut sich nämlich genau wie der DFB-Kapitän nicht davor, auch mal öffentlich unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Weil er genau das tat und den mühevollen 1:0-Sieg der Bayern am drittletzten Ligaspieltag beim VfL Wolfsburg schonungslos ehrlich analysierte, löste er damit ein wenig Wirbel aus. Bischof sagte damals bei "Sky": "Wir machen einfach nicht mehr die kleinen Basics und dieses Gegenpressing direkt nach dem Ballverlust. Das fehlte uns in letzter Zeit." Und weiter: "Deswegen machen wir immer diese langen Wege – die sind unnötig! Wenn wir schnelles Gegenpressing machen, haben wir in dieser Saison brutal viele Tore gemacht. So haben wir leider viele Gegentore kassiert." Auf diese kritischen Aussagen angesprochen reagierte Kompany verwundert und verteilte einen kleinen Rüffel an Bischof. "Nein. Natürlich stimme ich ihm nicht zu", sagte Kompany. "Er ist ein junger Spieler und er hat einen Fehler gemacht in diesem Interview." Gleichzeitig betonte Kompany aber auch, wie sehr er seinen Jungstar schätzt. "Er ist ein super Junge!" Das will Bischof ab sofort auch im zentralen Mittelfeld unter Beweis stellen.