FC Bayern: Weitere Option im Fall Eberl
30.07.2026 • 11:57 Uhr Max Eberl konnte mit Neuverpflichtungen glänzen, muss aber auf der Verkaufsseite noch seine Hausaufgaben erledigen. Auf den Sportvorstand des FC Bayern warten entscheidende Wochen. Vielleicht erhält er aber noch mehr Zeit. Und plötzlich wirkte Max Eberl am Mittwochnachmittag in Rottach-Egern seinem Mentor zum Verwechseln ähnlich: Der Sportvorstand des FC Bayern polterte in Richtung Gianni Infantino und griff dabei sogar in die Kiste für Fäkalsprache („beschissen“). Bereits kurz zuvor hatte er in nur wenigen Sätzen die Bayern-Karrieren von Bryan Zaragoza, Joao Palhinha und Sacha Boey beendet – Klartext in echter Uli-Hoeneß-Manier. Das Rezept des Ehrenpräsidenten ist seit jeher bekannt: Lieber Einzelne verschrecken, als wischi-waschi. Ironischerweise ist es Eberl, der vor wenigen Wochen zum wiederholten Male selbst zu spüren bekam, wie es ist, wenn Hoeneß deutlich wird. Zur Erinnerung: Lediglich einen Tag vor dem Pokalfinale Ende Mai hatte der Klub-Patron via Spiegel-Interview Eberls Position enorm geschwächt und ihm die Siegesfreude arg vermiest. Der Sportvorstand kündigte damals an, die Situation mit Hoeneß besprechen zu wollen – und so ist es auch gekommen. „Also wenn ich mit Uli rede, dann tun wir das“, sagte Eberl auf die Frage von SPORT1, ob es denn schon so weit gewesen sei. Da müsse sich keiner Gedanken machen. „Es ist alles fein, alles gut“, so der 52-Jährige weiter. Wie „fein“ es wirklich um das Verhältnis zwischen beiden steht, wissen wohl nur die Protagonisten selbst. Wie viele Abschiedskandidaten wir Eberl los? Dem Vernehmen nach war sich Hoeneß nach seinen in Berlin öffentlich kundgetanen Zweifeln an Eberl keiner Schuld bewusst. Wie schon beim ersten Warnschuss im SPORT1-Doppelpass im September 2025 wollte der Patron seine Worte intern vor allem als ehrlich gewertet wissen, nicht als sinnfreie Attacke auf seinen Sportvorstand. Gut möglich, dass er das Eberl unter vier Augen entsprechend glaubhaft versichern konnte. Nach den Verpflichtungen von Nathaniel Brown und Ismael Saibari ist die sportliche Führung im Soll. Eberl dürfte hier durchaus Pluspunkte gesammelt haben. Er selbst wollte das nicht kommentieren. Fakt ist: Ab sofort kommt es vor allem darauf an, wie viele der Abschiedskandidaten er zu welchen Preisen losbekommt. Hier hat Eberl noch einige Hausaufgaben vor sich. Dass der Sportvorstand in aller Deutlichkeit Palhinha & Co. einen Vereinswechsel nahelegte („Unser Kader steht […] und da spielen die drei eben keine Rolle“) und obendrein auch noch Hiroki Ito ins Schaufenster stellte, könnte dem mächtigen Aufsichtsrat durchaus gefallen haben. Dort hatte man sich ja fortwährend darüber beschwert, dass Eberl mit Verhandlungspartnern oft zu zaghaft umgehe. Wie viel Zeit bleibt Eberl? Das Problem: Für das Trio liegen aktuell keine zufriedenstellenden Angebote vor. Bereits am Dienstag hatte CEO Jan-Christian Dreesen bei einem Pressetermin gescherzt, dass er sich hier durchaus mehr Schlagzeilen wünsche. Immerhin verband er das mit der Hoffnung, dass Bewegung in die Fälle käme, sobald auch in anderen Ligen die Transfergeschäfte richtig anlaufen. Für Eberl bedeutet das, dass er weiterhin bis Ende August Zeit hat, sich zu beweisen – mindestens. Denn SPORT1-Informationen zufolge wird hinter den Kulissen auch eine weitere Option diskutiert: So könnte bei der anstehenden Aufsichtsratssitzung doch nicht final über das Schicksal des Sportvorstands entschieden werden. Unter Umständen lässt sich das Gremium noch mehr Zeit und fällt erst Mitte November – also kurz vor der Jahreshauptversammlung – sein endgültiges Urteil. Damit hätte Eberl noch mehr Zeit, Klartext-Auftritte à la Hoeneß hinzulegen.