DAX +2,24 % 26.202,35 Pkt 18:00:00 MDAX +1,81 % 32.559,91 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,94 % 6.486,70 Pkt 18:00:00 Dow Jones +3,05 % 54.085,88 Pkt 22:42:17 S&P 500 +3,30 % 7.736,52 Pkt 22:42:18 Nasdaq +4,77 % 26.584,99 Pkt 23:15:59 Nikkei +2,98 % 65.861,00 Pkt 04:35:03 Gold +3,84 % 4.188,70 USD 05:27:03 Silber +5,90 % 61,07 USD 05:27:03 Brent -6,48 % 78,34 USD 05:23:56 WTI -7,16 % 74,59 USD 05:26:59 Bitcoin +0,05 % 64.083,94 USD 05:37:02 EUR/USD +0,28 % 1,15390 USD 05:36:57 EUR/GBP +0,04 % 0,85730 GBP 05:37:05 EUR/CHF -0,09 % 0,93170 CHF 05:37:05 EUR/JPY +0,22 % 181,673 JPY 05:37:06

Fed verliert Vertrauen: Jetzt droht der nächste Zinsschock

Wirtschaft

Investoren erkennen bei Warsh kein klares Konzept. Sie wissen nicht, welche Inflationsdaten eine Zinserhöhung auslösen, welche Rolle der Arbeitsmarkt spielt und ob das Inflationsziel von zwei Prozent uneingeschränkt gilt. Seine neue Kommunikationsstrategie soll die Märkte von der ständigen Führung durch die Notenbank entwöhnen. Warsh will weniger Hinweise auf den künftigen Zinskurs geben und erwägt Berichten zufolge sogar weniger Fed-Sitzungen. Ohne verlässlichen Rahmen müssen Anleger selbst einschätzen, wie die Fed auf Inflation, Ölpreise oder Arbeitsmarktdaten reagieren wird. Der Bondmarkt verlangt deshalb einen höheren Risikoaufschlag für lang laufende US-Schulden. Während kurzfristige Renditen teilweise sanken, wurden lang laufende Anleihen kräftig verkauft. Die Zinskurve wurde steiler. Das signalisiert Zweifel daran, dass die Fed die Inflation unter Kontrolle bringt. Für den Aktienmarkt ist diese Entwicklung gefährlich. US-Staatsanleihen mit Renditen von fast fünf oder sogar mehr als fünf Prozent werden zur attraktiven Alternative. Aktien müssen höhere Gewinnzuwächse liefern oder niedrigere Bewertungen akzeptieren. Besonders stark trifft es hoch bewertete Technologie-, Software- und KI-Aktien. Ihre Kurse beruhen oft auf Gewinnen, die erst in vielen Jahren erwartet werden. Auch kleinere und hoch verschuldete Unternehmen geraten unter Druck. Höhere Finanzierungskosten belasten Margen, Investitionen und Refinanzierungen. Immobilienkonzerne, Versorger und Infrastrukturwerte verlieren ebenfalls an Attraktivität. Ihre Dividenden konkurrieren nun mit ähnlich hohen Renditen sicherer Staatsanleihen. Besonders deutlich sind die Folgen am Immobilienmarkt. US-Hypothekenzinsen orientieren sich vor allem an zehnjährigen Treasuries. Bleibt deren Rendite nahe fünf Prozent, bleiben auch Hauskredite teuer. Viele Haushalte können sich nur noch kleinere oder günstigere Immobilien leisten. Gleichzeitig halten Eigentümer an alten Krediten mit niedrigen Zinsen fest und verkaufen nicht. Der Markt friert ein. Auch Unternehmen müssen sich auf höhere Kapitalkosten einstellen. Neue Fabriken, Rechenzentren, Übernahmen und Aktienrückkäufe werden teurer. Kritisch wird es für Konzerne, die große Schuldenpakete refinanzieren müssen. Alte Anleihen mit niedrigen Kupons werden durch neue Papiere mit deutlich höheren Zinskosten ersetzt. Das drückt auf die Gewinne und erhöht bei schwachen Unternehmen das Ausfallrisiko. Am stärksten trifft die Entwicklung langfristig aber den amerikanischen Staat selbst. Das Congressional Budget Office erwartet für 2026 bereits Nettozinsausgaben von mehr als einer Billion US-Dollar. Dadurch wird die Schuldenlast von über 34 Billionen US-Dollar zum Bumerang. Steigen die Renditen für neue Staatsanleihen, muss der US-Staat Milliarden mehr an Zinsen aufwenden. Um diese Kosten zu decken, muss Washington noch mehr Anleihen emittieren – was das Angebot erhöht und die Renditen weiter nach oben treibt. Warsh argumentiert, dass der Bondmarkt bereits einen Teil der Arbeit der Fed übernimmt. Hohe langfristige Renditen verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage. Dadurch könnte die Inflation sinken, ohne dass die Fed den Leitzins sofort anheben muss. Diese Strategie ist riskant. Die Fed kontrolliert den kurzfristigen Leitzins, aber nicht direkt das lange Ende der Zinskurve. Verlieren Investoren das Vertrauen, droht eine weitere Welle von Verkäufen am Anleihemarkt und die Renditen steigen immer weiter. Das wäre eine starke Belastung für die Aktien-, Immobilien- und Kreditmärkte und hätte gleichzeitig fatale Folgen für die Finanzierbarkeit der US-Schuldenbergs. Kevin Warsh wollte die Märkte von der ständigen Führung durch die Notenbank entwöhnen. Stattdessen wächst nun die Sorge, dass die Fed selbst zum Unsicherheitsfaktor geworden ist. Der Sprung der 30-jährigen Renditen auf ein 19-Jahres-Hoch liegt aktuell weniger am starken US-Wirtschaftswachstum, sondern an einer Risikoprämie für schlechte Kommunikation und Inflationssorgen. Der Markt verlangt schlicht mehr Zinsen für das Risiko, einem unberechenbaren Notenbankchef sein Geld über Jahrzehnte zu leihen. Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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