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Fehlende Hymne und zu teures Essen, sonst hohe Zufriedenheit

Sport

Der FC St. Pauli hatte zum Ende der letzten Saison eine Umfrage durchgeführt, die sich mit vielen Aspekten des Stadionerlebnisses beschäftigte. Diese wurde nun ausgewertet.

(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Ende Mai 2026 veröffentlichte der FC St. Pauli eine Umfrage, die aus organisatorischen Gründen an die Mitglieder ging, die auch einen Account im Kartencenter haben. Dies inkludiert beispielsweise automatisch die Inhaber*innen einer Dauerkarte.

Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Der FC St. Pauli hat sie heute veröffentlicht.

Mit über 10.000 Teilnehmenden hat man es geschafft, einen durchaus relevanten Anteil der Stadionbesucher*innen zu erreichen. Ob die Umfrage nun im statistischen Sinne repräsentativ für die Personen ist, die die Spiele des FC St. Pauli am Millerntor besuchen, weiß ich nicht, dafür müsste man mehr über die Teilnehmenden wissen – eine Aussagekraft hat sie aber allein schon aufgrund der Anzahl an Menschen, die ihre Meinung dort mitgeteilt haben.

Positive Rückmeldungen zum Stadionerlebnis

Erstaunlich vielleicht, dass der Ordnungsdienst so positiv bewertet wird (4,14 von 5 Punkten), dies wäre auswärts sicher nicht der Fall. Umgekehrt ist es aber natürlich auch fraglich, ob Gästefans dem Ordnungsdienst am Millerntor ebenfalls so eine gute Note geben würden. Zumindest für den Heimbereich aber ist dies ein sehr guter Wert.

Während das Catering als solches gut bewertet wird, gibt es bei den Preisen mit einer 2,94 die schlechteste veröffentlichte Note. Laut Verein bewerten übrigens die gut 70 Prozent derjenigen, die zu fast jedem Heimspiel kommen, die einzelnen Kategorien jeweils kritischer als Gelegenheitsbesucher*innen. Welche Schlüsse man daraus ableitet, überlasse ich Euch.

Die Hymne: Kein Herz mehr

Und jetzt kommen wir zu dem Part, der wohl mit der meisten Spannung erwartet wurde – und der hoffentlich das Ende der „Die absolute Mehrheit der Fans wünscht sich ‚Das Herz von St. Pauli‘ zurück!“-Kommentare auf Social Media bedeutet.

Beginnen wir damit, dass sich 86,2 Prozent der Teilnehmenden eine feste Hymne wünschen. Also eine Art Ritual, wie es dieses ganz früher mit ‚You’ll never walk alone‘ und danach mit ‚Das Herz von St. Pauli‘ gab. Verständlich – und hier tatsächlich die absolute Mehrheit.

Für eine Rückkehr zum „Herz“ sprachen sich aber nur 19 Prozent der Teilnehmenden aus. Immerhin jede*r Fünfte würde also an jenem Lied festhalten wollen, um das es unzählige Diskussionen gab, dessen Text aus der Feder eines Menschen stammt, der die Nazis unterstützte. Die Diskussion müssen wir nicht wiederholen. Argumente wie „Wir haben das Lied mit der Zeit zu unserem gemacht und positiv besetzt“ sind valide, haben aber umgekehrt offenbar auch vier von fünf Menschen am Ende nicht mehr überzeugt. Die aber auf Social Media oft behauptete Aussage, die überwiegende Mehrheit würde das Lied zurück wollen, lässt sich so nun auch mit Fakten widerlegen.

Schwieriger wird es bei der Frage, was denn stattdessen nun gespielt werden soll. Hier kam kein Lied auf eine klare Zustimmung – und so bleibt am Ende nur der Auftrag, sich dem Thema Stadionhymne nochmal neu zu widmen.

Allerdings ist dies eine Aussage, welche Oke Göttlich bereits vor langer Zeit gegeben hatte und der bisher keine konkreten Schritte folgten. Ein paar Versuche gab es mit bestehenden Liedern, zumeist waren diese eher kläglich gescheitert. Nicht allzu verwunderlich, denn egal welche Lösung man auch präsentierte, sie konnte nicht allen gefallen. Zu emotional aufgeladen war das Thema bisher.

Gleichzeitig sollte dieses Ergebnis aber nun zeigen, dass es Zeit ist, etwas Neues zu wagen. Und dies erfordert dann von uns allen, diesem neuen Lied, wie auch immer es erwählt wird, auch eine Chance zu geben. Es sei erneut daran erinnert, dass auch beim Wechsel von YNWA zu DHvSP viele emotionale Debatten geführt wurden, mit ganz ähnlichen „Argumenten“ wie heute.

Veränderungen sind oft nichts, was man als Mensch gerne mit sich machen lässt – es sei denn, man verändert die Ligen-Zugehörigkeit, und auch da ist ja nur eine von zwei Richtungen willkommen.

Die Vergreisung der FCSP-Fanszene

Kommen wir zurück zum Punkt „Repräsentativ“: Oft wird von der „Vergreisung der Gegengerade“ gesprochen. Falls es noch eines Beweises bedurft hätte, so liefert ihn diese Umfrage. Tribünenübergreifend.

Denn 64% der Teilnehmenden waren zum Zeitpunkt der Umfrage 45 Jahre alt oder älter, nur fünf Prozent waren unter 25.

Die Umfrage zeigt, dass es eine große Grundzufriedenheit mit dem Stadionbesuch am Millerntor gibt. Kein Wunder, sonst würden wir alle da ja auch nicht so regelmäßig hinpilgern, trotz der zuletzt oft überschaubaren sportlichen Leistungen.

Bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse der Umfrage aber auch abgesehen vom nun noch zu findenden neuen Lied auch weitere positive Veränderungen herbeiführen werden, die wir dann gerne zur Kenntnis nehmen.

Forza St. Pauli!

// Maik

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