Felssturz in den Alpen
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Massiver Felssturz in den Alpen – riesige Staubwolke zieht ins Tal
Von: Bjarne Kommnick
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2000 Kubikmeter Fels stürzen ins Tal. Die Behörden warnen. Auch Hitze und tauender Permafrost spielen bei der zunehmenden Instabilität der Alpen eine Rolle.
Unterschächen – Am Montagmorgen gegen 4 Uhr löste sich in der Nordwand des Gross Ruchen eine Gesteinsmasse und stürzte zu Tal. In rund 2900 Metern Höhe brach das Gestein ab. Die Urner Behörden schätzen das Volumen des Abbruchs auf etwa 2000 Kubikmeter. Eine massive Staubwolke breitete sich aus und zog bis ins Reusstal sowie ins Brunnital, wie die Gemeinde Unterschächen in einer Mitteilung berichtet.
Eine Ursache für den Abgang könnte laut der Gemeinde die außergewöhnliche Hitze der vergangenen Tage sein. Sie ließ gefrorenes Wasser im Felsuntergrund schmelzen, wodurch der Zusammenhalt der Gesteinsmassen schwand. Weder Menschen noch Gebäude oder Infrastruktur wurden bei dem Absturz beschädigt. Die kantonalen Behörden gehen derzeit nicht davon aus, dass sich aus der Abbruchstelle selbst weitere große Felsstürze ereignen. Dennoch sind erneute Abbrüche am Gross Ruchen grundsätzlich jederzeit möglich.
Serie von Felsstürze in den Alpen: Tauender Permafrost erhöht die Gefahr
Das umliegende Alpgebiet sei aktuell nicht gefährdet. Die Behörden raten jedoch dringend davon ab, den Bereich entlang des Hangfußes sowie die Ruchennordwand und die Ruchenchälen zu betreten.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie klimabedingter Felsstürze ein. An der Zugspitze lösten sich seit Kurzem wiederholt Gesteinsmassen, insgesamt rund 30 Kubikmeter fielen ab. Die Bergwacht beobachtet dort ein ungewöhnliches Ausmaß und warnt vor weiteren Abbrüchen. Auch in den Dolomiten und am Mont Blanc registrieren Experten vermehrt Steinschläge, die sie mit auftauendem Permafrost und den Folgen der Klimaveränderung in Verbindung bringen.
Tauender Permafrost: Warum Felsstürze in den Alpen zunehmen können
Eine Studie, veröffentlicht in dem Fachmagazin Geophysical Research Letters, zeigt, dass die Erwärmung des Permafrosts in hochalpinen Felswänden die Stabilität des Gesteins beeinträchtigen kann. Steigende Temperaturen führen zum Auftauen von Eis in Klüften und können dadurch zuvor stabilisierende Eisfüllungen verlieren lassen sowie Wasser in den Felsspalten mobilisieren.
Besonders während außergewöhnlich warmer Sommer wurden in den Alpen vermehrt Felssturzereignisse beobachtet. In einem Hitzesommer stellten Forschende einen Zusammenhang zwischen der außergewöhnlich starken Auftautiefe des Permafrosts und der damals ungewöhnlich hohen Felssturzaktivität fest. Mit der fortschreitenden Erwärmung der alpinen Permafrostgebiete ist daher davon auszugehen, dass thermisch bedingte Instabilitäten an bestimmten hochgelegenen Felswänden künftig an Bedeutung gewinnen. Quellen: Gemeinde Unterschächen, polizeiticker.ch, agupubs.onlinelibrary.wiley.com (bk)