Ferat Koçak und der Remmo-Clan: Als er mit Journalisten spricht, kommt plötzlich ein Anruf
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Berlin – Er will erklären, wie es zu den Kontakten zu dem berüchtigten Remmo-Clan kam. Doch ausgerechnet dabei meldet sich der Sohn des Clan-Chefs persönlich bei ihm! Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak steht seit Tagen wegen seiner Verbindungen zu Firas Remmo (30), dem Sohn von Clan-Oberhaupt Issa Remmo (58), in der Kritik. Jetzt hat Koçak der „Zeit“ Einblick in seine Chats gegeben und geschildert, wie alles angefangen hat. Der Linken-Politiker sagt: Anfangs habe er keine Ahnung gehabt, mit wem er es zu tun hatte.
Losgegangen sei alles Anfang des Jahres mit einer Handyspende. Koçak hatte bei Instagram nach einem Smartphone für Jugendliche aus einer Antifa-Gruppe gesucht. Firas Remmo habe sich daraufhin gemeldet. Koçak habe ihn im Chat sofort „Bruder“ genannt, ihm seine Handynummer gegeben und Grüße „mit Respekt“ an dessen Vater ausrichten lassen.
Aus dem Chat wurde ein persönlicher Kontakt. Am 6. Februar fuhr Koçak zum Büro der Familie. Dort begegnete er nach eigener Darstellung erstmals Issa Remmo. Koçak will von der Begegnung „überfordert“ gewesen sein. Er habe sich gefragt: „Renne ich raus? Sage ich: ‚Mit euch möchte ich nichts zu tun haben‘?“ Nach zehn bis 15 Minuten habe er das Gespräch „respektvoll“ beendet und sei gegangen – so seine Schilderung.
Remmos luden Koçak zu einer Hochzeit ein
Doch der Kontakt zu Firas Remmo brach danach nicht ab. Knapp zwei Wochen später schickte Koçak ihm ein Video seiner Bundestagsrede zur sogenannten Clankriminalität und bat: „Bruder hilf mir mal (...) sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen.“ Heute sagt er: „Das war vielleicht ein Fehler.“ Im April der nächste Kontakt: Firas Remmo lud den Politiker „im Namen meines Vaters“ zur Hochzeit eines seiner Brüder ein. Als Koçak zunächst nicht reagierte, versuchte Remmo, ihn per Videoanruf zu erreichen.
Einen Tag später meldete sich Koçak mit einer Sprachnachricht. Er sei krank und am Hochzeitstag möglicherweise ohnehin nicht in Berlin . Zum Abschied sagte er: „Ich küsse dein Herz, Bruder. Grüße an die Familie.“
Koçak: Zurückweisung wäre „respektlos“
Warum eine so freundliche Absage? Eine deutlichere Zurückweisung könne in der migrantischen Gemeinschaft als „respektlos“ empfunden werden, erklärt Koçak. Er habe versucht, „auf meine Art und Weise“ Distanz zur Familie Remmo aufzubauen. Einen harten Schnitt habe er aber nicht gemacht. Das sei nicht seine Art, „und das kriege ich auch nicht hin“.
Bezeichnend: Beim Termin mit dem Fotografen der „Zeit“ vor einem Supermarkt in Neukölln soll ein Mann auf Koçak zugekommen sein, ihm ein Handy vors Gesicht gehalten und gesagt haben, jemand wolle mit ihm sprechen. Auf dem Bildschirm: Firas Remmo. Der Sohn des Clan-Chefs habe Koçak gefragt, wie es ihm gehe. Kurz zuvor hatte die „Zeit“ den Remmo-Sohn um eine Stellungnahme zu Koçaks Schilderungen gebeten. Remmo habe gefragt, warum Koçak so etwas mache. Koçak sagte dem Bericht zufolge, dies sei eine unangenehme Situation gewesen.