„Feuer beispiellosen Ausmaßes“: Hunderttausende fliehen in Frankreich vor Bränden - Flammen 30 Kilometer vor Bordeaux
Der Waldbrand im südwestfranzösischen Département Gironde breitet sich nach Angaben der Behörden weiter massiv aus. In der Gironde sind mittlerweile 220.000 Menschen vom Evakuierungsaufruf betroffen. Es ist damit eine der bislang größten brandbedingten Evakuierungen in Frankreich. Am Samstagabend hieß es, die Flammen seien nur noch etwa 20 bis 30 Kilometer von der Hafenstadt Bordeaux entfernt. Im Großraum der Stadt liegt beißender Brandgeruch in der Luft, wie die „Tagesschau“ berichtete. Mehr als 1200 Feuerwehrleute und inzwischen 1500 Soldaten sind im Einsatz. 18 Löschflugzeuge versuchen, die Flammen einzudämmen. Die Behörden sprechen von einem „Feuer beispiellosen Ausmaßes“. 42.000 Hektar seien in der Gironde bislang den Flammen zum Opfer gefallen. „Das Feuer hat sich im Laufe der vergangenen Nacht rasch ausgebreitet“, teilten die Behörden am Sonntag mit. Grund dafür seien trockene Vegetation und böiger Wind. Die Brände in der Gegend zählen zu den größten in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg. 1949 hatte ein Großbrand im Gebiet der Gascogne etwa 50.000 Hektar zerstört. Jérôme Steffe, Bürgermeister von Cestas südwestlich von Bordeaux, sagte dem Sender BFMTV, die Stadt sei „glücklicherweise menschenleer“. Es gebe allerdings einige Menschen, die ihr Haus nicht verlassen wollten. Die Stadtverwaltung stehe deswegen mit der Präfektur in Verbindung. Unter den Evakuierten in der Region sind viele Urlauber aus der bei Touristen beliebten Küstenregion rund um das Bassin d’Arcachon. Schiffe wurden eingesetzt, um Menschen unter anderem von der Halbinsel Cap Ferret in Sicherheit zu bringen. Die Autobahn A63 zwischen der Großstadt Bordeaux und Spanien wurde laut der Präfektur wegen der Brände auf einer Länge von 60 Kilometern für den Autoverkehr gesperrt. Der Bahnverkehr in Gegenden südlich von Bordeaux wurde ausgesetzt, wie die Bahngesellschaft SNCF mitteilte. Ein Brand im Département Landes im Südwesten war am Sonntagmorgen laut der zuständigen Präfektur „besser“ eingedämmt, aber noch nicht gelöscht. Innenminister Laurent Nuñez hatte zuvor erklärt, mehrere Brände in ganz Frankreich seien weiter nicht unter Kontrolle. Besonders stark ist der Südwesten betroffen. Aber auch im Département Var im Südosten loderten Flammen. Im Kampf gegen die Flammen kam am Samstag erstmals ein speziell umgerüstetes militärisches Transportflugzeug vom Typ A400M zum Einsatz. Die Maschine kann 20 Tonnen Löschmittel abwerfen. Zudem werden 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Region Gironde geliefert, um Einsatzkräfte und Bevölkerung vor dem gesundheitsschädlichen Rauch zu schützen. Bauern meldeten sich freiwillig, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. „Wir sind gekommen, um zu helfen, denn wenn es unsere Region wäre, würden wir uns wünschen, dass andere das Gleiche tun“, sagte der 65-jährige Landwirt Pascal Roudier. „Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe ist unsere Hilfe auch sehr willkommen.“ Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron versprach einen Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden. „Wir werden wiederaufbauen, wir werden reparieren, und wir werden so lange vor Ort bleiben, wie es nötig ist“, schrieb Macron am Samstag auf der Plattform X. In diesen schwierigen Zeiten zeige Frankreich, was es sei: „Ein vereintes Volk, das zusammenhält.“ Drei Brände bei Madrid zu Großfeuer verschmolzen Spanien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Waldbrände. Wegen der schweren Feuer rief die Regierung für die Umgebung der Hauptstadt Madrid sowie für die Region Ávila den Notstand aus. Nach Angaben spanischer Medien unter Berufung auf das Innenministerium mussten inzwischen rund 73.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Weitere mehr als 20.000 Menschen waren demnach von den Bränden betroffen, konnten ihre Wohnungen oder Häuser aber wegen der Lage nicht verlassen. Bei dem Großfeuer nahe Madrid gibt es trotz verbesserter Löschbedingungen vorerst keine Entwarnung: Teile der Gegend westlich der spanischen Hauptstadt waren am Samstag weiter in Rauch gehüllt. Nach Regierungsangaben breiteten sich die Flammen aufgrund „erheblich“ besserer Bedingungen nur noch wenig aus. Bei einem Besuch am Samstag vor Ort sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez, vorrangiges Ziel sei es, „Leben zu retten“. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom „schlimmsten Brand in der Geschichte“ der Region Madrid und von einer „Katastrophe“. Die durch die Brände in Madrid entstandenen Rauchwolken haben sich am Samstag mit dem Rauch der Waldbrände in der französischen Region Bordeaux verbunden. Das war auf Satellitenbildern des spanischen Wetterdienstes Aemet zu sehen, die im Onlinedienst X veröffentlicht wurden. Darauf ist zu erkennen, wie die Spitze der durch die Waldbrände in Spanien entstandenen Rauchwolke die Rauchwolken der Brände in der südwestfranzösischen Region erreicht. Brände verschmelzen zu Großfeuer Zwei von drei Bränden westlich von Madrid waren nach Behördenangaben zuvor zu einem Großfeuer verschmolzen, das sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León verbinden könnte. Laut jüngsten Behördenangaben wurden zehn Orte in der Region Madrid evakuiert. In drei weiteren Ortschaften seien die Bewohner aufgefordert worden, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Auch in Italien gibt es zahlreiche Waldbrände. Besonders betroffen sind die Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden mehrere Dutzend Feuer gemeldet. Die Behörden befürchten eine Verschärfung der Lage durch eine neue Hitzewelle. Immer wieder werden die Flammen durch den aus Afrika kommenden Scirocco-Wind angefacht. (dpa, AFP/Reuters/Tsp)