Fieber bei Kühen: So hat ein Landwirt mit seinem Tierarzt die Ursache gefunden
Alles begann damit, dass zu Beginn 2025 sukzessive Kühe in allen Laktationsstadien weniger Futter aufnahmen und Fieber hatten. Während die Milchleistung anfangs noch stabil war, stieg die Körpertemperatur deutlich auf 40 bis 41 °C an (normal sind 38 bis 39 °C). Der hinzugezogene Tierarzt Winfried Schön aus Betzigau in Bayern stellte auch nach gründlicher klinischer Untersuchung keine weiteren Symptome fest. „Beim Abhören mit dem Stethoskop hatten einige wenige Tiere leichte Atemgeräusche“, erklärt der Tierarzt. Kühen mit Fieber wurde je nach Bedarf ein bis drei Tage lang ein Entzündungshemmer injiziert. Tiere mit leichten Symptomen wurden mit Antibiotika behandelt.
Auffällig war dabei, dass tierärztliche Therapien mit Entzündungshemmern und herkömmlichen Standard-Antibiotika wie Amoxicillin, Tetrazyklin und selbst ein Reserveantibiotikum wie Cefquinom nur kurzzeitig Verbesserung brachten. Im Verlauf der nächsten Monate wirkte dieses Vorgehen aber immer weniger und später gar nicht mehr. Der Frust beim Betriebsleiter wuchs von Tag zu Tag, während er mit ansehen musste, wie über die Hälfte seiner Herde sukzessive an Fieber und unklaren Symptomen erkrankte. Zusammen mit seinem Hoftierarzt probierte er zunächst, die allgemeine Herdenimmunität durch Anwendung eines Lebend-impfstoffes (hier: Rispoval RS+PI3 IntraNasal) in die Nase zu verbessern.
Klar war, dass der intranasale Grippeimpfstoff die Situation für drei Monate verbesserte. Ein Tipp der tierärztlichen Fachberatung von Fa. Boehringer Ingelheim brachte die Wende: eine Herdenimpfung mit dem inaktivierten Grippeimpfstoff Bovalto Respi 3, der zusätzlich zu den Viren noch die bakterielle Komponente M. haemolytica enthält. Der Betrieb impfte die gesamte Herde inklusive der Kälber zweimal. Weil Tierarzt Schön kein weiteres Risiko eingehen möchte, erhalten die Tiere alle drei Monate einen Booster mit dem Injektionsimpfstoff. Das soll den massiven Infektionsdruck senken. Die Impfung war erfolgreich, die Herde stabilisierte sich. Inzwischen haben die Milchkühe ihr altes Leistungsniveau wieder fast erreicht und der Betriebsleiter blickt zuversichtlich in die Zukunft. Den Tierarzt sieht er jetzt nicht mehr so oft auf seinem Hof.
Krankheit trifft unauffällige Kühe
Rindergrippe gilt primär als Problem der Kälberaufzucht. Aktuelle Untersuchungen (Schukken 2025) zeigen jedoch, dass es auch Milchkühe treffen kann: Betroffen sind oft gänzlich unauffällige, gesunde Tiere mit durchschnittlicher Leistung. Die Symptome sind unspezifisch und führen häufig zu spät zur richtigen Diagnose.
Während 90 % der Tiere einen massiven Milchleistungsrückgang und 88 % hohes Fieber zeigen, tritt der klassische Husten nur bei etwa 20 % der betroffenen Kühe auf. Dies führt dazu, dass die Krankheit in 40 % der Fälle erst nach dem Tod des Tieres in der Sektion (z. B. Nachweis von Mannheimia haemolytica) sicher erkannt wird.
Landwirte sollten also wachsam sein. Um schwere Verläufe zu verhindern, sind Blutproben und eine erregerspezifische Behandlung und/oder Impfungen wichtig. Eine optimale Haltung und ein optimales Stallklima sind die Basis.