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Fieber, Husten, Gliederschmerzen: Welcher Erreger hat dich erwischt?

Allgemein

Ein Infekt ist nicht immer gleich ein Infekt. Husten, Schnupfen oder Heiserkeit können von unterschiedlichen Krankheitserregern ausgelöst werden. Welches Virus Beschwerden verursacht, lässt sich jedoch nicht immer leicht feststellen. Ob das notwendig oder nützlich ist, beantworten Expertinnen anhand zentraler Fragen.

Welche Erreger treten in der Erkältungszeit häufig auf?

Mehr als 200 Virenarten können eine Erkältung auslösen. Besonders oft sind Rhinoviren dafür verantwortlich. „Sie kommen ganzjährig vor, aber erleben einen Höhepunkt im Herbst und Frühjahr“, sagt Virologin Prof. Sandra Ciesek von der Universitätsmedizin Frankfurt.

Zu den weiteren Erregern zählen Adenoviren, das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, sowie seit 2020 SARS-CoV-2. In der kalten Jahreszeit sind außerdem Influenzaviren relevant – also die Erreger der Grippe.

Ist es sinnvoll, den konkreten Erreger zu kennen?

„Für die meisten gesunden Menschen ist es im Alltag irrelevant zu wissen, mit welchem Virus sie sich infiziert haben“, sagt Sandra Ciesek. Schließlich richtet sich die Behandlung nach den Beschwerden.

Trotzdem kann es hilfreich sein, einzuschätzen, ob du dich mit verbreiteten Rhinoviren oder mit Erregern angesteckt hast, die die Lunge betreffen können. „Die meisten Erkältungsviren bleiben im Nasen-Rachenraum und befallen die inneren Organe nicht“, so Virologin Prof. Ulrike Protzer von der Technischen Universität München und Helmholtz Munich.

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SARS-CoV-2 und Influenzaviren können dagegen beispielsweise Herz oder Lunge erreichen. „Da sollte man vorsichtiger sein und wirklich Bettruhe halten.“

Auch für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf kann es bedeutsam sein, den Auslöser zu kennen. Dazu gehören Hochbetagte, Schwangere, chronisch Kranke und immunsupprimierte Menschen. „Für die gibt es bei einigen Erregern spezifische Therapiemöglichkeiten“, sagt Sandra Ciesek. Auch für Covid-19 stehen besondere Medikamente zur Verfügung. „Die wirken am besten, wenn man sie bei den ersten Symptomen nimmt.“

Lassen sich Viren an den Beschwerden unterscheiden?

Nach Einschätzung von Ulrike Protzer ist es schwierig bis unmöglich, allein anhand der Symptome auf den jeweiligen Erreger zu schließen. Viele der mehr als 200 Viren lösen vergleichbare Beschwerden aus, darunter Halsweh, Husten, Schnupfen und Fieber.

„Es gibt aber ein paar typische Muster, die Hinweise liefern“, so Sandra Ciesek.

Eine Influenza startet demnach häufig plötzlich mit hohem Fieber sowie ausgeprägten Glieder- und Muskelschmerzen.

Bei Rhinoviren stehen eher ein gewöhnlicher Schnupfen und Halsschmerzen im Vordergrund.

„Bei älteren Menschen und Säuglingen sorgt RSV häufig für starke Atemwegsbeschwerden“, so Ciesek.

Ärztinnen und Ärzte stützen sich bei starken Beschwerden nicht allein auf solche Anzeichen. Dann erfolgt eine genaue Untersuchung, etwa mit einem PCR-Test.

Wie aussagekräftig sind Selbsttests?

Selbsttests reagieren nicht besonders sensibel. Das gilt vor allem in den ersten Tagen einer Infektion: Dann können kaum Beschwerden vorhanden sein, obwohl du bereits ansteckend bist. Ein Test bei bloßem Verdacht – etwa wenn Freunde nach einem gemeinsamen Urlaub erkranken und du eine Ansteckung befürchtest – hat daher nur begrenzte Aussagekraft. Erst nach einigen Tagen wird das Immunsystem aktiv und erste Symptome treten auf. Bei bereits vorhandenen Beschwerden können Selbsttests laut Ulrike Protzer allerdings eine gute erste Einschätzung ermöglichen.

"Wenn ein Test negativ ausfällt, können wir eine Infektion nicht sicher ausschließen", sagt auch Sandra Ciesek. Ein falsch-negatives Ergebnis könne beispielsweise entstehen, wenn sich Antikörper im Mundraum und damit auch auf dem Abstrich befinden. Ciesek verwendet selbst Kombitests für SARS-CoV-2 und Influenza. "Wenn die positiv ausfallen und man Symptome hat, ist man sehr wahrscheinlich ansteckend", sagt sie.

Welche Hinweise sprechen für eine zusätzliche bakterielle Infektion?

Nach Angaben von Ulrike Protzer wird die Mehrzahl der Atemwegsinfekte durch Viren ausgelöst. Dennoch können zusätzlich bakterielle Infektionen auftreten. "Typischerweise kommt die bakterielle Infektion aber erst fünf bis sieben Tage später hinzu." Die beiden Infektionsformen seien mitunter nicht leicht voneinander abzugrenzen, sagt sie.

"Ein Warnzeichen für so eine Superinfektion kann ein zweigipfliger Verlauf der Krankheit sein", sagt Sandra Ciesek. Dabei bessert sich die Erkältung zunächst, verschlechtert sich anschließend jedoch erneut deutlich, etwa wenn das Fieber wieder steigt. Dadurch kann die Krankheit insgesamt länger dauern.

Auch Schmerzen, die sich klar einer Stelle zuordnen lassen, etwa einseitig am Ohr oder im Gesicht, können laut Sandra Ciesek auf eine bakterielle Infektion hinweisen. Nur in diesem Fall helfen nach Einschätzung beider Expertinnen Antibiotika. Gegen Viren wirken Penizillin und Co. nicht.

"Ein Arzt kann durch einen relativ einfachen Bluttest oder durch die Untersuchung der Lunge abklären, ob eine bakterielle Infektion vorliegt", sagt Ulrike Protzer.

Gegen welche Viren gibt es Impfungen?

"Leider kann man sich nur gegen die wenigsten Erreger impfen lassen", sagt Sandra Ciesek. "Auch gegen die häufigste Art, die Rhinoviren gibt es keine Impfung."

Impfungen stehen jedoch gegen Influenza, SARS-CoV-2 und RSV zur Verfügung. Sie verhindern keine Ansteckung, schützen aber vor schweren Verläufen. "Empfohlen werden sie für diejenigen, die alt sind oder Vorerkrankungen beziehungsweise ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben", sagt Ulrike Protzer. Ohne Impfung könnten diese Infekte zu einer Lungenentzündung und damit zu einem Krankenhausaufenthalt führen.

"Für junge, gesunde Menschen sind diese Impfungen nicht nötig", sagt Protzer weiter. Ausgenommen seien etwa Personen, die im Gesundheitswesen oder in Seniorenwohnheimen tätig sind. Das gelte ebenso für Menschen, die ältere Angehörige zuhause versorgen.

Die Ständige Impfkommission, Stiko, rät zu folgenden Zeitpunkten:

Die Impfung gegen das Coronavirus im September vornehmen.

Eine Influenza-Welle tritt oft um Weihnachten und dann nochmal um Karneval auf. Für die Impfung reicht daher Ende Oktober oder November.

Bei RSV ist Ende September oder Anfang Oktober der richtige Zeitpunkt für die Impfung.

"Aber nicht jede Erkältung lässt sich verhindern", sagt Sandra Ciesek abschließend. Entscheidend sei, das Risiko schwerer Verläufe zu verringern – etwa durch Impfungen, gute Hygiene und Abstand bei einer Erkrankung.

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