FIFA-Machtkampf UEFA bereitet Strafanzeige gegen Infantino vor
Die UEFA erhöht nochmals den Druck - und will Gianni Infantino vor Gericht zerren: Inmitten des Machtkampfes im Weltfußball bereiten die Europäer eine Strafanzeige gegen den FIFA-Chef vor. Der Boss des Weltverbandes soll nach Wunsch der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für seinen inzwischen verworfenen Investorenplan zur Rechenschaft gezogen werden.
Dies geht aus einem 60-seitigen Dokument hervor, über das britische Medien am Donnerstag zuerst berichteten und das auch der Sportschau vorliegt. Darin heißt es: Die UEFA und andere interessierte Parteien bereiteten derzeit "die Einleitung eines Strafverfahrens in der Schweiz gegen Infantino und möglicherweise weitere FIFA-Funktionäre und -Berater wegen krimineller Misswirtschaft gemäß Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches" vor.
UEFA fordert Herausgabe relevanter Dokumente
In dem Schreiben an US-Gerichte beantragt die UEFA die Herausgabe von relevanten Unterlagen unter anderem durch den Weltverband sowie die Investmentgesellschaft Thrive Capital, die als Hauptinvestor eine wichtige Rolle in Infantinos Plan gespielt hatte. Diese sollen später in einem möglichen Strafverfahren in der Schweiz als Beweismittel verwendet werden.
Es handelt sich um eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden kann. Voraussetzung ist der Nachweis, dass Infantino die Interessen der FIFA vorsätzlich geschädigt hat. Sollte es der UEFA gelingen, Zugang zu den Dokumenten zu erhalten, will sie die Strafanzeige bei einem Schweizer Gericht einreichen. Nach eigenen Angaben wurde ihr von ihren Anwälten zugesichert, dass das Verfahren zur Verhandlung zugelassen würde.
UEFA fordert weiterhin Infantinos Rückzug
In dem Antrag kritisiert die UEFA beispielsweise den "absurd niedrig" angesetzten Unternehmenswert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Der Plan sei dazu gedacht gewesen, Infantino und einem kleinen Kreis "eine dauerhafte Beteiligung an den wertvollsten Vermögenswerten der FIFA zu verschaffen und ihnen anderweitig Gewinne daraus zu ermöglichen – zum Nachteil der FIFA, ihrer Mitglieder und anderer Akteure innerhalb der Fußballfamilie", hieß es.
Der europäische Verband fordert nach wie vor Infantinos Rückzug. Über weitere Schritte beriet die UEFA am Donnerstag. Rund um die Auslosung zur Champions League in Monaco trafen sich die 55 nationalen Verbandsbosse um DFB-Präsident Bernd Neuendorf und das Exekutivkomitee um Hans-Joachim Watzke.
UEFAs Boykottdrohung vorerst kein Thema mehr
Die Boykott-Drohung der UEFA ist dagegen vom Tisch. Hintergrund ist eine angebliche Zusage der FIFA, wonach der Investorenplan von Infantino nie mehr auf den Tisch kommen werde. Nach SID-Informationen könnte der europäische Verband seine Drohung daher zeitnah zurücknehmen. Infantino hatte sein Vorhaben, Anteile an FIFA-Turnieren an private Investoren auch aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen, nach massiver Kritik aufgegeben.
Die Streitigkeiten sind damit aber nicht beigelegt. Für den FIFA-Chef, der am Donnerstag Unterstützung aus Saudi-Arabien, dem finanzstarken Gastgeber der WM 2034, erhielt, gebe es zwei Optionen, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin unlängst im britischen Podcast "The Rest is Politics". Infantino müsse erkennen, "dass er nicht über die nötige Unterstützung verfügt" - und somit quasi selbst zurücktreten. Sollte er sich beim Kongress im März 2027 dennoch zur Wiederwahl stellen, werde es wohl einen Gegenkandidaten geben.
Möglicher Gegenkandidat steht noch aus