Fifa-Präsident: Frankreichs Verband entzieht Gianni Infantino Vertrauen für Wiederwahl
Der französische Fußballverband unterstützt eine Wiederwahl von Fifa-Präsident Gianni Infantino nicht länger. Der Exekutivausschuss des Verbands FFF habe auf Antrag seines Präsidenten Philippe Diallo einstimmig entschieden, Infantino das Vertrauen zu entziehen, teilte der Verband in Paris mit. Zwar habe man ihm ursprünglich Unterstützung zugesagt, doch seien die Voraussetzungen nun nicht mehr gegeben.
Als Grund nannte FFF Infantinos mittlerweile zurückgenommene Pläne, Investoren über den Verkauf von Anteilen an WM-Rechten in künftige Geschäfte rund um die Fußballweltmeisterschaften einzubinden. Die Initiative habe dem Ansehen und der Einheit des Fußballs schweren Schaden zugefügt. Die Führungsstruktur der Fifa werde der Bedeutung des Fußballs nicht gerecht, kritisierte der französische Fußballverband.
Dazu will der Verband nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen eine Reihe von Beratungen mit französischen und internationalen Fachleuten mit Kompetenzen in der Unternehmensführung führen, die über den sportlichen Bereich hinausgehen.
Verbände Englands und Italiens sind auch gegen Infantino
Seit dem Scheitern des WM-Investorenplans haben Infantino mehrere europäische Verbände, darunter der englische und der italienische, ihre Unterstützung versagt. Nun hat sich Frankreich angeschlossen. FFF-Präsident Diallo sagte, die Entscheidung sei Teil einer breiteren Bewegung innerhalb des europäischen Fußballverbands Uefa. Es werde Gespräche mit dem Ziel geben, eine grundlegende Reform der Fifa zu erreichen und einen Kandidaten zu finden, der Infantino schlagen könne. Neben der Uefa forderten auch die Asiatische Fußballkonföderation und die Nordamerikanische Fußballkonföderation Concacaf einen Wechsel an der Fifa-Spitze.
Der Schweizer Infantino strebt trotz der starken Kritik aus weiten Teilen der Fußballwelt eine weitere Amtszeit an. Gewählt wird im März 2027. Bisher hat Infantino noch keinen Gegenkandidaten. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 18. November. Infantino hat das Amt seit 2016 inne.
Rückhalt für Fifa-Chef offenbar noch immer stark
Sollte Infantino wie angekündigt antreten, wird die Uefa mit großer Wahrscheinlichkeit einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus informierten Kreisen erfuhr, kann der Amtsinhaber jedoch wohl auf genügend Stimmen für seine Wiederwahl zählen. Seine Gegner müssten daher ihre Strategie ändern und sich darauf konzentrieren, seinen Einfluss einzudämmen, sagten Funktionäre.
»Vor drei Wochen dachte ich noch, er sei erledigt«, sagte eine der Quellen aus dem internationalen Fußball. »Was mir nicht bewusst war, war, wie nahezu unzerbrechlich die Beziehungen sind, die er sich in zehn Jahren an der Macht aufgebaut hat.«