FIFA-Rat in Zürich: Infantinos Kritiker bleiben beharrlich
Es ist ein über viele Stunden ziemlich nebliger, kalter und trüber Tag in Zürich. Irgendwie mystisch finden Kollegen. Vielleicht auch ein Bild für das, was heute im FIFA-Council besprochen wird. Es gibt eine Tagesordnung mit acht Punkten. Zwei fallen besonders auf. Die eher am Ende stehen. Und die für Diskussionen sorgen werden.
Einmal geht es um FIFA Forward Enterprises, kurz FFE. Das war die Gesellschaft, die FIFA-Präsident Gianni Infantino gründen wollte, um Teile der Vermarktungsrechte an Fußballweltmeisterschaften an private Investoren veräußern zu können.
Infantino für Investorenpläne scharf kritisiert
Bekanntlich hatten diese Pläne nach dem Bekanntwerden kurz nach einer für die FIFA finanziell äußerst erfolgreichen WM in den USA, Mexiko und Kanada einen weltweiten Orkan der Entrüstung ausgelöst.
In großer Einmütigkeit kritisierten von sechs gleich drei Kontinentalverbände, der Asiatische Fußball-Verband AFC, die Verbände Nord- und Mittelamerikas, CONCACAF und die Europäische Fußball Union UEFA, diese Pläne scharf, forderten den FIFA-Präsidenten zur sofortigen Rücknahme auf.
Und die UEFA drohte gar mit einem Boykott kommender Weltmeisterschaften, sollte das Vorhaben nicht zurückgenommen werden. Bekanntlich wurde es dann auch ad acta gelegt. Doch wie kam es eigentlich dazu, wer hat dazu mit wem gesprochen? Richtig aufgeklärt wurde das bislang nicht.
FIFA-Präsident lässt sich Zeit mit den Antworten
Auch heute nicht. Antworten will der FIFA-Präsident bis zur nächsten FIFA-Ratssitzung am 16. Dezember in Doha. Für die UEFA-Mitglieder im FIFA-Rat, allen voran UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin und DFB-Präsident Bernd Neuendorf, reicht das nicht aus.
Neuendorf nach der fast vierstündigen Sitzung: "Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben." Die Konsequenz für ihn, wie für die englische Verbandspräsidentin und FIFA-Ratsmitglied Debbie Hewitt: Infantino ist nicht der Richtige an der Spitze der FIFA, man habe das Vertrauen komplett verloren.
Ein anderes Thema ist der FIFA-Friedenspreis - das hat der DFB-Präsident auf die Tagesordnung setzen lassen. Erstmals wurde er im vergangenen Jahr auf Betreiben des FIFA-Präsidenten eingeführt und sogleich verliehen: an US-Präsident Donald Trump.
Viele Fragen zum FIFA-Friedenspreis
Wie kam es genau zu dieser Auswahl, wer hat am Ende darüber entschieden und wie geht es mit dem Preis weiter, das sind die drängenden Fragen. Denn der Friedenspreis des Weltfußballverbandes soll ja jedes Jahr neu verliehen werden - an Personen, "die sich besonders für die Wahrung des Friedens einsetzen und damit Menschen auf der ganzen Welt zusammenbringen", so die FIFA.
Auch dazu heute keine Antworten - die soll es auch bis zur nächsten Ratssitzung geben.
Aber: Ob die kritischen Europäer auch weltweit mit ihrer Kritik durchdringen können ist offen. Denn nach dem Treffen kommen nicht nur Hewitt und Neuendorf vor die Mikros, sondern auch der mauretanische Fußballpräsident und FIFA-Ratsmitglied Ahmed Yahya.
Die Stimmung im FIFA-Rat ist kalt
Und der sagt: "Es gibt kein Verbot, Kandidaten aufzustellen. Die Fristen sind festgelegt. Wir haben bis zum 18. November Zeit, um zu sehen, ob es einen Kandidaten gibt oder nicht. Das ist Demokratie bei der FIFA. Aber wie Sie auch sehen, unterstützt die Mehrheit der Verbände weltweit sowie die Konföderationen Präsident Gianni Infantino."
Ein Argument ist sicher auch, dass das FIFA-Oberhaupt weitere Milliarden an die 211 Verbände verteilen will - ein sehr warmer Regen, unter den sich sehr viele Verbände gerne stellen.
Viel wird darauf ankommen, wen die UEFA als anderen Kandidaten möglicherweise ins Rennen schicken wird. Der muss dann weltweit ankommen, nicht nur in Europa. Am Ende dieses langen Tages in der FIFA-Zentrale in Zürich strahlt herbstliche Sonne. Doch das Klima im FIFA-Rat - es ist seit heute ziemlich kalt.
ZDFsportstudio Update:Dein ZDFsportstudio Newsletter
Alle Highlights aus Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal und die wichtigsten Nachrichten aus dem Sport.Mit dem Abonnieren-Button akzeptieren Sie unsere Nutzungsbedingungen.